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Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Anlaufstelle "Frühe Hilfen" Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
Dipl.-Psych. Patricia Finke
Im Neuenheimer Feld 153
69120 Heidelberg
Telefon 06221 56-38030
Fax 06221 58-48510

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Kinder- und Jugendamt
Herr Wottke - Leiter Abteilung Soziale Dienste
Friedrich-Ebert-Platz 3
69117 Heidelberg
Telefon 06221 58-31510
Fax 06221 5848510

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Bausteine

des Heidelberger Kinderschutz Engagements (HEIKE)

Eltern mit Baby (Foto: fotosearch.de)

Ziele des Heidelberger Kinderschutz Engagements

Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit (vgl. § 1 SGB VIII). Die Sicherstellung dieses Rechts liegt dabei ebenso wie der Schutz eines jungen Menschen vor Gefahren für dessen Wohl zunächst in der Verantwortung der Eltern. Gleichwohl muss das gesunde Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen und ein wirksamer Schutz des Kindeswohls als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Hierbei kommt insbesondere den Hilfssystemen aus den Bereichen der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens, aber auch anderen Institutionen wie Schule oder Polizei eine wesentliche Bedeutung zu.

Die in den vergangenen Jahren vermehrt bekannt gewordenen tragischen Schicksale von Kindern, die durch Vernachlässigung oder Misshandlung schwere Verletzungen erlitten haben oder hierdurch gar ihr Leben lassen mussten, haben die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Politik in einem bis dahin noch nicht gekannten Maße auf das Thema Kindesschutz gelenkt. Mit der Initiative „Guter Start ins Kinderleben“ und der Förderung ausgewählter Modellprojekte und deren wissenschaftliche Begleitung hat die Bundesregierung deutlich gemacht, dass das körperlich und seelisch gesunde Aufwachsen von Kindern in unserem Land höchste Priorität hat. Die Entwicklung früher Hilfen und sozialer Frühwarnsysteme ist hierbei als Aufgabe zu verstehen, die Bund, Länder und Kommunen in gemeinsamer Verantwortung zu übernehmen haben. Eltern, die aus eigenen Kräften nicht in der Lage sind, ihre Kinder ausreichend zu versorgen und zu fördern, sollen so früh wie möglich unterstützt werden. Durch das zum 01.01.2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz ist diese Zielsetzung und die Bedeutung der Frühen Hilfen insgesamt nochmals verstärkt worden

Vor diesem Hintergrund hat es sich für Heidelberg das Kinder- und Jugendamt im Verbund mit den vielfältigen Partnern zur Aufgabe gemacht, aufbauend auf den bereits bestehenden Qualitätsstandards und Kooperationsstrukturen, diese weiter zu entwickeln, neue Partner zu gewinnen und durch die Schaffung neuer Angebote vor allem in der Verbindung mit dem Gesundheitswesen (vgl. 2.6) den Herausforderungen des Kindesschutzes gerecht zu werden.

Als zentrale Ziele eines gemeinsamen Engagements für den Kinderschutz in Heidelberg sind dabei zu nennen:

  • Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie der professionellen Dienste und Einrichtungen für die den Kinderschutz betreffenden Belange
  • Die gemeinsame Verantwortlichkeit und Zusammenarbeit der Hilfssysteme aus Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Schule, Polizei und Familiengericht, um wirksam zum Schutz von Kindern und Stärkung von Eltern beizutragen.
  • Kindeswohlgefährdungen durch Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch bei Kindern möglichst frühzeitig zu erkennen bzw. möglichst frühzeitig zu verhindern

Bausteine des Heidelberger Kinderschutzengagements

Der Schutz von Kindern, das möglichst frühzeitige Erkennen von Bedarfslagen und die Einleitung geeigneter Hilfen ist eine Aufgabe, die auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Berufsgruppen, Einrichtungen und Dienste tangiert und vielfältige Aktivitäten herausfordert.
Im Folgenden werden die relevanten Bausteine eines Kinderschutz-Engagements beschrieben, wie sie in Heidelberg bereits umgesetzt sind bzw. noch weiterentwickelt werden sollen.

Kinderschutz innerhalb des Jugendamtes und der Jugendhilfe durch Kooperationsvereinbarungen sowie die Regelung von Informationswegen und Zuständigkeiten

Vereinbarungen gemäß § 8a und § 72a SGB VIII:
Mit der Ergänzung des SGB VIII um die Vorschriften des § 8a und § 72a hat der Gesetzgeber im Jahr 2005 und nochmals durch das Bundeskinderschutzgesetz 2012 erweiterte Vorkehrungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen getroffen und den allgemeinen staatlichen Schutzauftrag konkretisiert. Hierbei wurden die Aufgaben des Jugendamts bei der Wahrnehmung des Schutzauftrags im Falle der Kindeswohlgefährdung („Wächteramt“) präzisiert und die Beteiligung der freien Träger an dieser Aufgabe sowie die Verantwortlichkeiten der beteiligten Fachkräfte verdeutlicht. Des Weiteren wurde mit § 72a SGB VIII die regelmäßige Überprüfung der persönlichen Eignung der in der Jugendhilfe tätigen Personen, sowie der Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen durch die verpflichtende wiederholte Vorlage von Führungszeugnissen neu gesetzlich geregelt.
 
Innerhalb des Kinder- und Jugendamtes wurden unter Berücksichtigung der neuen gesetzlichen Grundlagen die seither im Zusammenhang mit dem „Wächteramt“ bestehenden Regelungen weiter entwickelt und zum 01.01.2006 eine neue Dienstanweisung und Arbeitshilfe für den Umgang mit Gefährdungen des Wohls von Kindern und Jugendlichen verabschiedet. Diese bietet die fachliche Grundlage für eine einheitliche und standardisierte Fallbearbeitung und Dokumentation und stellt den Fachkräften der Abteilung Soziale Dienste (ASD) praxistaugliche Arbeitshilfen zur Verfügung, um kontinuierlich eine qualifizierte Aufgabenwahrnehmung zu sichern und den fallverantwortlichen Fachkräften den Umgang mit dem schwierigen Thema „Kindeswohlgefährdung“ im beruflichen Alltag zu erleichtern.

Die Intention, den Kindesschutz als eine im Gesamtspektrum der Jugendhilfe verankerte Aufgabe zu begreifen, wird durch die im § 8a SGB VIII enthaltene Verpflichtung des öffentlichen Trägers der Jugendhilfe unterstrichen, in Vereinbarungen mit in der Jugendhilfe tätigen Trägern und Einrichtungen sicherzustellen, dass deren Fachkräfte den Schutzauftrag in entsprechender Weise wahrnehmen.

Vereinbarungen zum Schutzauftrag wurden abgeschlossen mit:

- allen Trägern von Kindertagesstätten
- den Erziehungsberatungsstellen
- den Trägern der offenen Jugendarbeit
- den Trägern bzw. Einrichtungen und Diensten der Erziehungshilfe

Kooperation mit den Schulen zur Wahrnehmung des Schutzauftrags

Um auch die Schulen in die Verantwortungsgemeinschaft zur Wahrnehmung des Schutzauftrags einzubeziehen, sind mit dem Staatlichen Schulamt eine Orientierungshilfe und Verfahrensschritte zur Überprüfung und Durchsetzung der Schulpflicht im Stadtkreis Heidelberg erarbeitet worden, die vor allem sicherstellen sollen, dass kein Kind „durch die Maschen“ des Schulsystems fällt, bzw. dass bei Nichteinhalten der Schulpflicht ein nachgehendes Tätigwerden der beteiligten Behörden sichergestellt ist.
 
Modellhaft wurde eine Vereinbarung zur Sicherstellung des Kindesschutzes analog der Bestimmungen des § 8a SGB VIII und den rechtlichen Vorgaben des Schulgesetzes zwischen dem Kinder- und Jugendamt und der Willy-Hellpach-Schule abgeschlossen. Diese zum Zeitpunkt des Inkrafttretens Ende 2007 in Baden-Württemberg als einzigartig zu betrachtende Vereinbarung ist inzwischen auf landesweites Interesse gestoßen und hat entsprechende Verbreitung gefunden.
 
Mittlerweile ist diese Vereinbarung modellhaft auch auf andere Schulen ausgeweitet worden. Insbesondere wurden auch Vereinbarungen mit den Trägern der Schulsozialarbeit abgeschlossen, die in Heidelberg an allen Grund-, Haupt-/Gemeinschaftsschulen, Förderschulen und Realschulen eingesetzt sind. Hierbei wurden auch die Bestimmungen des Schulgesetzes (§ 85), die die Verantwortlichkeit für die Erfüllung der Schul- und Teilnahmepflicht, die Informierung des Jugendamtes, sowie die Verpflichtung zum Elterngespräch regeln, berücksichtigt.

Maßnahmen zur Eltern- und Familienbildung

Angebote zur Eltern- und Familienbildung müssen so angelegt sein, dass sie diejenigen erreichen, die sie besonders brauchen. Zudem müssen solche Angebote so früh wie möglich ansetzen, damit potentielle Gefährdungen erst gar nicht entstehen.
 
Sinnvoll ist hierbei eine schwerpunktmäßige Ausrichtung entsprechender Angebote in Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten oder auch Schulen.
 
Das Kinder- und Jugendamt hat in diesem Zusammenhang die Vernetzung von Beratungsstellen und Kindertagesstätten weiter gefördert und ein für alle Träger von Kindertageseinrichtungen geltendes Beratungssystem geschaffen. Dieses zielt sowohl auf eine Fachberatung der vor Ort tätigen Erzieherinnen und Erzieher ab, vor allem aber kann durch ein Beratungsangebot, das sich vor Ort an die Eltern der in der Kindertageseinrichtung betreuten Kinder richtet, ein erleichterter Zugang zu hilfsbedürftigen Kindern und Eltern geschaffen werden.
 
Mittlerweile hat sich in Heidelberg eine von verschiedenen Trägern angebotene Vielfalt an Elternkursen und Elterntrainings entwickelt. Durch das zum 01.09.2008 angelaufene Landesprogramm „STÄRKE“ zur Förderung von Elternkompetenzen haben sich für Eltern im allgemeinen, aber vor allem auch für Eltern in besonderen Lebenslagen, die Möglichkeiten im Rahmen entsprechender Kurse elterliche Kompetenzen aufzubauen oder zu erweitern, noch weiter verbessert.

Kooperation mit dem Familiengericht

Die bundesweite Debatte um Verbesserungsmöglichkeiten im Kindesschutz hat auch zu entsprechenden gesetzlichen Änderungen im Bürgerlichen Gesetzbuch im Hinblick auf die Einbeziehung der Familiengerichte in kindeswohlrelevante Sachverhalte geführt.
 
So können auf der Grundlage des im Juli 2008 in Kraft getretenen Gesetzes zur Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls die Familiengerichte zum Schutz gefährdeter Kinder frühzeitiger tätig werden und die Eltern stärker als bisher zur Wahrnehmung ihrer elterlichen Verantwortung angehalten werden.
 
Durch regelmäßige Kooperationstreffen des Kinder- und Jugendamtes mit den Familienrichterinnen und –richtern des Amtsgerichts ist in Heidelberg eine gute Grundlage gegeben für eine fachgerechte Kooperation und der Weiterentwicklung fachlicher Standards orientiert an sich verändernden rechtlichen Gegebenheiten im Bereich der Kindeswohlgefährdungen.

Kooperation mit der Polizei

Traditionell gibt es in Heidelberg eine enge und bewährte Kooperation zwischen der Jugendhilfe und der Polizei im Bereich verschiedener präventiver Angebote. Hierbei seien beispielhaft gemeinsame Programme im Rahmen der Sucht- und Gewaltprävention in Schulen, das Schulschwänzerprogramm oder die seit einigen Jahren zum Beginn der Sommerferien stattfindende gemeinsame Jugendschutzaktion auf der Neckarwiese genannt.
 
Im Rahmen der Einzelfallhilfe ist gewährleistet, dass bei Polizeieinsätzen, bei denen Kinder betroffen sind, bzw. sich Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung oder Gefährdung des Kindeswohls ergeben, entweder das Kinder- und Jugendamt unmittelbar beteiligt wird oder über eine schriftliche Mitteilung von einem entsprechenden Sachverhalt in Kenntnis gesetzt wird, sodass ein Tätigwerden im eigenen fachlichen Ermessen möglich wird. Umgekehrt bietet die Polizei ihre Unterstützung in den Fällen an, in denen im Rahmen einer Intervention des Jugendamtes in einer Familie – beispielsweise anlässlich einer Inobhutnahme eines Kindes – mit einer Eskalation zu rechnen ist, der nur durch polizeiliche Maßnahmen begegnet werden kann.
 
Weiterhin ist im Rahmen des Heidelberger Interventionsmodells (HIM) sichergestellt, dass in Fällen, in denen wegen Gewalttätigkeiten zwischen Elternteilen ein Platzverweis ausgesprochen wird, ebenfalls das Jugendamt informiert wird. Das Jugendamt nimmt dann von sich aus durch Kontaktaufnahme mit den betroffenen Familienmitgliedern eine Prüfung vor, inwieweit in diesen Fällen von einer Kindeswohlgefährdung auszugehen ist und ob entsprechende Hilfsmaßnahmen angezeigt sind. Gleichzeitig ist in diesen Fällen sichergestellt, dass die Familienmitglieder durch die Interventionsstelle für Frauen und Kinder sowie durch die Interventionsstelle für Männer entsprechende Beratungs- und Hilfsangebote erhalten.

Kooperation im Netzwerk „Soziales Frühwarnsystem – frühe Hilfen“ von Jugendhilfe und Gesundheitswesen

Das Kinder- und Jugendamt hat zur Jahresmitte 2007 damit begonnen, ein „Netzwerk Soziales Frühwarnsystem – frühe Hilfen“ unter Beteiligung verschiedener Fachdisziplinen von Medizin, Jugendhilfe und auch der Polizei aufzubauen. Neben den Bereichen der Jugendhilfe sind hier beispielsweise Vertreterinnen der Kinderklinik, der Heidelberger Geburtskliniken, der Kinderärzte und Gynäkologen sowie der Hebammen beteiligt. Aufbauend auf der traditionell engen Kooperation mit dem Zentrum für Kinder und Jugendmedizin des Universitätsklinikums („Kinderklinik“) soll durch dieses Netzwerk vor allem eine Brücke von der Jugendhilfe zum Gesundheitswesen geschlagen werden. Das Netzwerk verfolgt die Zielsetzung der gemeinsamen Verantwortlichkeit und Zusammenarbeit, um wirksam zum Schutz von Kindern und zur Stärkung von Eltern beizutragen und Kindeswohlgefährdungen durch Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch bei Kindern möglichst frühzeitig zu erkennen bzw. möglichst frühzeitig zu verhindern.

Das Netzwerk, das sich in regelmäßigen Treffen zusammenfindet, hat sich  - mittlerweile unter dem Namen „Netzwerk Frühe Hilfen und Kinderschutz“ zunehmend erweitert und umfasst eine Vielzahl von Professionen bzw. Institutionen.

Innerhalb des Netzwerks ist eine Verständigung auf folgende wesentlichen Elemente des sozialen Frühwarnsystems erfolgt:

- Zugang finden zu den mit Risikofaktoren belasteten Personen bzw. Familien
- Erkennen der Risiken und des Hilfebedarfs
- Kenntnis über die vor Ort gegebenen Hilfestrukturen / -angebote
- Motivieren der Betroffenen, Hilfebedarf anzuerkennen und Hilfen anzunehmen
- Geeignete Hilfen entwickeln und ggf. Weiterleitung an andere Hilfssysteme
- Begleitung und ggf. Modifizierung der eingeleiteten Hilfen
- Prüfung, ob Maßnahmen zum vorläufigen Schutz des Kindes erforderlich sind

Zur Umsetzung dieser Elemente sind bislang innerhalb des Netzwerks folgende Schritte zur Umsetzung vollzogen worden:

Zusammenführen der verschiedenen Berufsgruppen und Institutionen im Rahmen regelmäßiger Netzwerktreffen mit der Möglichkeit des
 
-  gegenseitigen Kennenlernens
 
-  fachlichen Austauschs
 
-  Erhalts von Informationen über die jeweiligen Angebote und Arbeitsfelder
   
In einem im Jahr 2010 erstellten Vernetzungshandbuch werden die Kontaktdaten und Tätigkeitsfelder der einzelnen Netzwerkpartner beschrieben. Das Vernetzungshandbuch soll somit im Arbeitsalltag eine Grundlage bieten, um schnell und zielgerichtet Informationen abrufen und geeignete Hilfen vermitteln zu können.

Festlegung von Verfahrensstandards mit einem gemeinsamen Verständnis von
 
-   Risiko- und Schutzfaktoren
 
-   Indikatoren für eine Kindeswohlgefährdung
 
-   der Bedeutung des Datenschutzes

In dem nun vorliegenden Vernetzungshandbuch werden die Kontaktdaten und Tätigkeitsfelder der einzelnen Netzwerkpartner beschrieben. Das Vernetzungshandbuch soll somit im Arbeitsalltag eine Grundlage bieten, um schnell und zielgerichtet Informationen abrufen und geeignete Hilfen vermitteln zu können.

Kooperation mit dem Klinikum der Universität Heidelberg – Ausbau eines Sozialen Frühwarnsystems und früher Hilfen

Orientiert an der Zielsetzung, vor allem die Berufsgruppen und Institutionen des Gesundheitswesens stärker für die Thematik Kindesschutz zu sensibilisieren und insbesondere die Zeit vor der Geburt eines Kindes und die frühe Kindheit verstärkt in den Blick zu nehmen, war es sinnvoll und geboten in diesem Feld mit dem Klinikum der Universität Heidelberg bestehende Kooperationsstrukturen auszubauen und für erforderliche neue Angebote das dort vorhandene „Know-how“ zu nutzen.
 
Im Zusammenhang mit dem von der Bundesregierung initiierten Modellprojekt „Guter Start ins Kinderleben“ führte das unter der ärztlichen Leitung von Herrn Prof. Cierpka stehende Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg im Saarland und in Hessen an mehreren Standorten das Kinderschutzprojekt „Keiner fällt durchs Netz“ durch. Herr Prof. Cierpka ist darüber hinaus Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des von der Bundesregierung ins Leben gerufenen „Nationales Zentrum Frühe Hilfen“.
 
Ausgehend von diesen Erfahrungen wurde in Heidelberg zunächst in den Jahren 2009 / 2010 ein 2-jähriges Kooperationsprojekt analog dem Programm „Keiner fällt durchs Netz“ durchgeführt. Die Durchführung dieses Projektes erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt Heidelberg / Kinder- und Jugendamt, dem Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie und dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg.
Das Projekt zielte darauf ab, Berufsgruppen und Institutionen des Gesundheitswesens, die bislang noch gar nicht oder nur rudimentär in die Thematik Kindesschutz einbezogen sind in die „Verantwortungsgemeinschaft Kindesschutz“ zu integrieren. Hierzu zählen in der vorgeburtlichen Phase die Gynäkologen, dann die Hebammen, das Pflegepersonal und die Ärzte der Geburtskliniken, die Kinderärzte, aber auch Ärzte und Pflegepersonal aus anderen klinischen Bereichen, wie der Kinderchirurgie, der Erwachsenenpsychiatrie, der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder auch Allgemeinärzte und Substitutionsärzte. Zielsetzung war hierbei, vor allem jene (werdenden) Eltern bzw. Mütter vor und nach der Geburt eines Kindes zu unterstützen, die nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, um ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.
 
Zur Erreichung dieser Ziele wurde zum 01.01.2009  eine vor allem mit der wissenschaftlichen Evaluation betraute Stelle im Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie eingerichtet. Darüber hinaus ist seit dem 01.05.2009 im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums die „Anlaufstelle Frühe Hilfen“ installiert (siehe 2.7.1 und 2.7.2).
Entsprechend der Zielsetzung, insbesondere Zugang zu den Familien zu erhalten, die im Rahmen der Gesundheitsfürsorge als mit Risikofaktoren belastet auffallen, erschien es sinnvoll, eine zentrale Anlaufstelle für Kinderschutzfragen im Bereich des Gesundheitswesens anzusiedeln.
Aufbauende auf der in Heidelberg bereits bestehenden guten Kooperation mit dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin („Kinderklinik“) des Universitätsklinikums bot sich die Verankerung dieser Stelle beim dort verorteten Kinderschutzteam an.
Mittlerweile ist das ursprüngliche Projekt als festes Modell „HEIdelberger Kinderschutz Engagement-(HEIKE)-Keiner fällt durchs Netz“ etabliert.

Modell „HEIKE-Keiner fällt durchs Netz“ – wissenschaftliche Begleitung

Wie beschrieben, konzentriert sich das Modell auf Familien, die durch Risikofaktoren belastet sind und einen Hilfebedarf aufweisen, sowohl in der Phase vor, während und nach der Geburt sowie auf die frühe Kindheit. Kinder im Alter bis zu 3 Jahren sind in der Regel noch nicht in institutionelle Betreuungssysteme integriert, sodass mögliche Hilfebedarfe häufig noch nicht frühzeitig offenkundig werden. Daher soll vor allem über Berufsgruppen und Institutionen des Gesundheitssystems durch das Modell möglichst niedrigschwellig ein Zugang zu Familien mit Hilfebedarf sehr früh gefunden und ausgebaut werden.
 
Hierzu erbringt das Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums (Prof. Cierpka) folgende Leistungen: 

1. Evaluation der Vermittlungs- und Teilnehmerstruktur der „Frühen Hilfen“ sowie Zusammenstellung deskriptiver Daten der projektbetreuten Familien auf  Basis der Dokumentation der Koordinatorin und der Familienhebammen. Erstellung der monatlichen Kostenübersicht:  
· Bereitstellung der für die Dokumentation erforderlichen Unterlagen und Formulare 
· Datensammlung und auf Vollständigkeit überprüfen, ggf. fehlende Informationen/Unterlagen   fordern                                                                                        
· Dateneingabe- und Verarbeitung
· Austausch und Organisatorische Treffen mit Koordinatorin und Familienhebammen (inkl. Vor- und Nachbereitung)
· Berichterstellung in Kooperation mit der „Anlaufstelle Frühe Hilfen“ 
 
2. Evaluation der Arbeit im Netzwerk „Frühe Hilfen und Kinderschutz"

3. Unterstützung bei der Erarbeitung und Fortschreibung von Screening-Instrumenten zur Erkennung von belasteten Familien
· Schriftliche und telefonische Korrespondenz          
· Teilnahme an organisatorischen Treffen
· Datenauswertung                                                               
 
4. Beteiligung an Öffentlichkeitsarbeit / Schulungs- und Informationsveranstaltungen: z.B. für Hebammen, Gynäkologen, Psychotherapeuten (in enger Absprache mit der „Anlaufstelle Frühe Hilfen“):                
· Planung und Organisation: Schriftliche und telefonische Korrespondenz
· Beteiligung an der Vorbereitung von Veranstaltungen und Vorträgen 

5. Regelmäßige Supervision für die im Projekt beteiligten Familienhebammen:     
14-tägig, inkl. Vor- und Nachbereitung und telefonischer Hebammenberatung


"Anlaufstelle Frühe Hilfen"

Durch die Einrichtung der „Anlaufstelle Frühe Hilfen“ soll gewährleistet werden, dass für Kinder mit einem erhöhten medizinischen oder psychosozialen Risiko, insbesondere in den ersten Lebensjahren, - sowie für deren Eltern - eine optimale, koordinierte und am individuellen Bedarf ausgerichtete Hilfe eingeleitet werden kann. Sinnvollerweise wurde die Anlaufstelle als eigenständige Organisationseinheit außerhalb des Jugendamtes konzipiert, um somit einen niedrigschwelligen Zugang für Helfersysteme und betroffene Familien sicherzustellen.
 
Die „Anlaufstelle Frühe Hilfen“ versteht sich als „Erstanlauf-Stelle“ für Anfragen und Mitteilungen im Zusammenhang mit wahrgenommenen Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung. Es erfolgt eine Risikoabschätzung sowie die Planung einer ersten Intervention. Diese ist ausgerichtet auf gezielte Hilfeleistung im Sinne präventiver Maßnahmen, auf Förderung der Gesundheit und des Wohlergehens des betroffenen Kindes sowie auf Unterstützung des Familiensystems.
 
Um insbesondere den Zugang zu den Familien zu erhalten, die im Rahmen der Gesundheitsfürsorge als mit Risikofaktoren belastet auffallen, war es sinnvoll, die Anlaufstelle in Kooperation mit einer Einrichtung des Gesundheitswesens zu konzipieren. Eine entsprechende Vereinbarung wurde mit dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin („Kinderklinik“) des Universitätsklinikums, mit dem seitens des Kinder- und Jugendamtes seit Jahren eine gute Kooperation besteht, getroffen.
Erfahrungsgemäß ist die Schwelle für Berufsgruppen und Institutionen aus dem Gesundheitssystem, sich mit Anliegen im Bereich Kindesschutz an eine im medizinischen System verankerte Stelle zu wenden vergleichsweise niedriger, als beispielsweise mit dem Jugendamt Kontakt aufzunehmen.
 
Die „Anlaufstelle Frühe Hilfen“ umfasst folgende Aufgabenbereiche:

„Anlaufstelle Frühe Hilfen“ als niedrigschwellige Informations- und Anlaufstelle

Die Anlaufstelle Frühe Hilfen ist Informations- und Anlaufstelle für:
- Professionen und Institutionen des Gesundheitswesens (Hebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen, Gynäkologen, Kinderärzte, Allgemein- oder Fachärzte, Allgemein- oder Fachkliniken - insbesondere Geburtskliniken - …), die für Kinder und/oder deren Eltern im Rahmen eines Risiko-Screenings zu einer medizinischen oder psychosozialen Risikoeinschätzung kommen.
- Dienste und Einrichtungen der Jugendhilfe (beispielsweise Kinderbetreuungseinrichtungen) und die Polizei.
- Bürgerinnen und Bürger für im Zusammenhang mit dem Schutz bzw. Hilfen für Heidelberger Kinder stehende Fragen und Mitteilungen.
 
Der Schwerpunkt der Anlaufstelle liegt auf den frühen Hilfen für Eltern und Kinder in der Phase der Schwangerschaft bis zum 3. Lebensjahr des Kindes. Ältere Kinder sind in der Regel in Betreuung in einer Kindertagesstätte bzw. in der Schule, von wo aus Bedarfslagen eher erkannt werden können. Grundsätzlich ist die Anlaufstelle jedoch auch für Bedarfslagen ansprechbar, die ältere Kinder betreffen. Hierbei kommt der Stelle in erster Linie eine Vermittlungsfunktion hin zu anderen Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe zu.

„Anlaufstelle Frühe Hilfen“ als Interventions- und Vermittlungsstelle

Bei Hinweisen auf Bedarfslagen für Familien und Kinder bis zum Alter von 3 Jahren oder Mitteilungen, die gewichtige Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Wohls von Kindern in dieser Altersgruppe enthalten, hat die „Anlaufstelle Frühe Hilfen“ die Aufgabe, das Gefährdungsrisiko abzuschätzen. Wenn möglich sollen die Fachkräfte der Anlaufstelle bei den Eltern auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, wenn sie diese für erforderlich halten. Die Anlaufstelle soll somit die Möglichkeit haben, konkrete Hilfen zu vermitteln. Die hier in Frage kommenden Hilfen liegen unterhalb der Schwelle der über das Jugendamt zu gewährenden Hilfen zur Erziehung und können ohne Beteiligung des Jugendamtes vermittelt werden.
 
In Frage kommen hierbei alle in Heidelberg oder Umgebung vorhandenen Hilfsangebote im Rahmen der Jugend- oder Gesundheitshilfe, die sich im Wesentlichen auch im „Netzwerk Frühe Hilfen und Kinderschutz“ wiederfinden.
 
Die Clearing-Stelle informiert den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) des Jugendamtes, falls die empfohlenen Hilfen nicht angenommen werden oder die angenommenen Hilfen nicht ausreichend erscheinen, um die Gefährdung abzuwenden. Der ASD des Jugendamtes wird ebenso informiert, falls die Erstbewertung (Gefährdungseinschätzung) ergibt, dass eine niedrigschwellige Vermittlung an andere Hilfsangebote (z. B. Beratungsstellen) nicht ausreichend erscheinen bzw. eine umfassendere Abklärung des Sachverhalts erforderlich scheint. Desweiteren, wenn Mitteilungen über Bedarfslagen oder Gefährdungsanhaltspunkte in Bezug auf über 3-jährige Kinder und Jugendliche bei der Anlaufstelle eingehen.
 
Gehen Mitteilungen über Bedarfslagen oder Gefährdungsanhaltspunkte bei Kindern – unabhängig von deren Alter – direkt beim Jugendamt oder bei anderen Einrichtungen und Diensten der Jugendhilfe ein, ist die Einschätzung des Gefährdungsrisikos und die Vermittlung eventueller Hilfen von dort aus vorzunehmen (vgl. die Regelungen des § 8a SGB VIII). Erscheinen im Ergebnis der Abklärung niedrigschwellige Hilfen sinnvoll, die von der Anlaufstelle eingeleitet und begleitet werden können (z. B. Einsatz einer Familienhebamme – siehe 2.7.2.3), soll die Anlaufstelle frühzeitig beteiligt werden bzw. soll diese die weiteren Schritte mit der betreffenden Familie umsetzen.

Kooperation „Anlaufstelle Frühe Hilfen“ und Familienhebammen

Als besondere Hilfeform erfolgt eine enge Kooperation zwischen der Anlaufstelle Frühe Hilfen und Familienhebammen. Hierdurch soll neben der Primärprävention im Besonderen für risikobelastete Familiensysteme im Zeitraum während der Schwangerschaft bzw. während dem 1. Lebensjahr des Kindes ein niedrigschwelliges Hilfsangebot vorgehalten werden, das leicht zugänglich ist, Stigmatisierungen vermeidet und Chancen der Integration bietet.
 
Zur Sicherstellung einer gelingenden Koordination und des regelmäßigen fachlichen Austauschs ist die organisatorische Anbindung der Familienhebammen an die Anlaufstelle Frühe Hilfen erfolgt. Durch eine geeignete Organisationsstruktur kann somit sowohl in der Anlaufphase einer Hilfe („Clearing“), als auch im Hilfeverlauf ein Rahmen der fachlichen Begleitung (Supervision) sichergestellt werden und eine abgestimmte Koordination der Einsätze erfolgen.
Nach dem Beginn mit 3 Hebammen stehen mittlerweile 4 Hebammen zur Verfügung, die sich im Rahmen einer vom deutschen Hebammenverband durchgeführten Weiterbildung zur Familienhebamme qualifiziert haben.
Die Familienhebammen können vom ersten Kontakt in der Schwangerschaft bis etwa zur 8. Woche nach der Geburt durch die Krankenkassen finanziert werden. Für die Zeit der Betreuung bis maximal zum 1. Geburtstag des Kindes wird ein gesondertes Budget zur Finanzierung der Familienhebammen im Rahmen einer vereinbarten Honorartätigkeit vorgehalten.

Weitere Aufgabenfelder der„Anlaufstelle“

Die Anlaufstelle ist
a)    Informations- und Anlaufstelle in Fragen der Frühen Hilfen und des Kinderschutzes
b)    Interventions- und Vermittlungsstelle bei entsprechendem Hilfebedarf
c)     Koordinierungsstelle für den Einsatz von Familienhebammen
 
      2.   Im Einzelnen verbinden sich mit der Anlaufstelle folgende Aufgaben:
 
 2.1. Kontaktstelle für alle Professionen und Institutionen des Gesundheitswesens, insbesondere
        für die Kliniken
 Entgegennahme der Meldungen hilfebedürftiger Familien und Sicherstellung der BearbeitungSicherstellung einer guten Erreichbarkeit und zeitnahen VermittlungAnsprechpartner für Fragen und Kritik der Kliniken (ggf. Weiterleitung an das Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie)Evtl. (je nach Absprache mit dem Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie) Entgegennahme, Sammlung und Weiterleitung von Screeningbögen
 
 

2.2. Zentrale Stelle der Vermittlung aller Angebote und Unterstützungen im Rahmen der
      „Frühen Hilfen“
 Initiierung des Erst-Kontaktes zwischen Familienhebamme und FamilieDesgleichen  gegebenenfalls auch zwischen „normaler“ Hebamme und FamilieGgf. Weitergabe von Information über die jeweiligen Termine und Orte von Elternkursen oder anderer Angebote Bei anderem Hilfsbedarf: Initiierung weiterer Kontakte, z.B. zwischen Familien und Beratungsstellen, Psychotherapeuten, Frühfördereinrichtungen, Ämtern, ASD, Kliniken, Ärzten, Familienbildungsstätten etc.Dazu: Sammlung von Informationen über die diesbezüglichen Angebote in Heidelberg sowie Herstellung und Aufrechterhaltung eines guten Kontaktes zu deren AnbieternGgf. Weitervermittlung der Familien an Angebote nach Ablauf des ersten Lebensjahres des KindesGgf. Erkennen von Defiziten in der Versorgungslandschaft  Weiterleiten von Anfragen außerhalb der Zuständigkeit (z.B. bei älteren Kindern oder Familien aus anderen Kommunen)
 
 

2.3.  Betreuung der Familienhebammen
 Klärung aller organisatorischen Fragen, insbesondere die Vermittlung betreffendEinberufung regelmäßiger Treffen zur Organisation und des AustauschesEntscheidung der Zuordnung der Familienhebammen zu den FamilienDie finanzielle Abrechnung der Leistungen der Familienhebammen erfolgt durch das Kinder- und Jugendamt auf Grundlage der von den Familienhebammen eingereichten Leistungsnachweise. Die Leistungsnachweise werden zuvor von der Anlaufstelle sachlich bestätigt bzw. gegengezeichnet.
 
 

2.4.  Dokumentation
 Sicherstellung einer standardisierten Dokumentation sämtlicher Kontakte und Angebote pro Familie, insbesondere der Tätigkeiten der FamilienhebammeSensibler Umgang mit der Datenschutzproblematik, d.h. Sicherstellung, dass keine Daten unautorisiert (z.B. ohne Einverständnis der Familie) an Dritte gelangen
 
 
2.5.  Öffentlichkeitsarbeit und Ansprechbarkeit vor Ort
 Initiierung und evtl. Durchführung von Vorträgen und Infoabenden, auch in Zusammenarbeit mit dem Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und FamilientherapieMit Kenntnis der örtlichen Strukturen Ansprechen von Personen und Institutionen, die noch ins Netzwerk eingebunden werden sollen Beantworten von Anfragen aller ArtHerausgabe und Verteilung von Infomaterialien an interessierte Eltern und FachkräfteBereitstellung stadtspezifischer Informationen für die Homepage des KooperationsmodellsMotivierung aller Beteiligten bei evtl. Problemen und Schwierigkeiten mit Bestandteilen des Modells, Klärung bei auftretenden Konflikten
 
2.6.   Im Rahmen des Kooperationsmodells ist die Anlaufstelle Ansprechpartner für das Kinder-
         und Jugendamt der Stadt Heidelberg sowie das Institut für Psych. Kooperationsforschung
         und Familientherapie hinsichtlich
 Nutzen und Weitergabe der spezifischen Kenntnisse über die Situation vor OrtInformationsweitergabe zwischen Institut und Institutionen in der Stadt Heidelberg in beide RichtungenSensor für die Stimmung; ggf. Information über Schwierigkeiten und Eingriffsbedarf von Seiten des InstitutesSensor für Schwierigkeiten und nicht umsetzbare Bestandteile des Kooperationsmodells
 
 
 2.7.   Beteiligung an der Betreuung und Weiterentwicklung (Optimierung der Vernetzung)  des
          Arbeitskreises „Netzwerk Frühe Hilfen und Kinderschutz“.
 

Qualifikation und Stellenumfang

Die Anlaufstelle Frühe Hilfen wurde mit einer Dipl. Psychologin im Stellenumfang einer Vollzeitstelle besetzt. Die Vertretung erfolgt durch eine weitere Dipl. Psychologin, die seit vielen Jahren im Kinderschutzteam des Zentrums für Kinder-und Jugendmedizin tätig ist.


Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ mit Koordinierungsstelle

Wie beschrieben, konzentriert sich das Projekt auf Familien, die durch Risikofaktoren belastet sind und einen Hilfebedarf aufweisen, sowohl in der Phase vor, während und nach der Geburt sowie auf die frühe Kindheit. Kinder im Alter bis zu drei Jahren sind in der Regel noch nicht in institutionelle Betreuungssysteme integriert, sodass mögliche Hilfebedarfe häufig noch nicht frühzeitig offenkundig werden. Daher soll vor allem über Berufsgruppen und Institutionen des Gesundheitssystems durch das Projekt möglichst niedrigschwellig ein Zugang zu Familien mit Hilfebedarf sehr früh gefunden und ausgebaut werden.
Hierzu sind durch die beim Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums (Prof. Cierpka) eingerichtete Koordinierungsstelle folgende Leistungen und Aufgaben vorgesehen:

  • 1. Beteiligung an der Einrichtung und Ausgestaltung der (gesondert zu finanzierenden) Clearing-Stelle in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendamt und dem Zentrum für Kinder und Ju-gendmedizin des Universitätsklinikums („Kinderklinik“).
    2. Schulung des Personals in den Geburtskliniken: Projektvorstellung, Aufgabenbesprechung, Training des Erkennens von Risikomerkmalen, Fallbeispiele, Absprachen zur Vermittlung von in Frage kommenden Familien.
    3. Schulungen oder Informationstreffen: z. B. für Ärzte (Gynäkologen, Kinderärzte, evtl. Hausärzte), Beratungsstellen, Mitarbeiter vom Jugend- oder Gesundheitsamt, Familienbildungsstätten etc. mit dem Ziel der Vernetzung zum Projekt und auch der Vermittlung in Frage kommender Familien.
    4. Supervision der Familienhebammen (z. B. 14-tägig 90-minütige Fallsupervisionen; Schwerpunkt auf dem Umgang mit belasteten Familien; eigener Abgrenzung, Regelung von Nähe und Distanz).
    5. Bei Bedarf: (Nach-) Schulungen der Familienhebammen zu spezifischen praxisrelevanten Themen, die über die Inhalte der Grundschulung zur Familienhebamme hinausgehen (z. B. Vertiefung von entwicklungs-, familien- und bindungspsychologischen Grundlagen; Einbezug der Väter; Einbezug von Migranten).
    6. Gemeinsam mit der Clearing-Stelle und dem Kinder- und Jugendamt Initiierung, Moderation und Begleitung eines "Netzwerk für Eltern" bzw. Anbindung an die bereits bestehenden Netzwerk-Strukturen.
    7. Optional: Koordinierung der Schulung von KursleiterInnen für den Elternkurs "Das Baby verstehen" und ggf. auch Organisation des regelmäßigen Angebotes dieser Kurse in der Stadt Heidelberg.
    8. Entwicklung und Zurverfügungstellung von Instrumenten (Risikoscreening, Leitfäden, Erhebungsbögen der Begleitforschung,…) zur frühzeitigen Erkennung von Risiko- und Belastungsfaktoren.
    9. Entwicklung von Informationsmaterialien (Flyer, Elterninformationen, Projektbeschreibungen, Werbeposter,…) in Kooperation mit der Stadt Heidelberg. Verantwortlich i. S. d. Presserechts ist die Stadt Heidelberg.
    10.Einbindung in die bestehenden Projektstrukturen von "Keiner fällt durchs Netz" und – soweit gewünscht – Vernetzung mit den weiteren Projektgebieten. Nutzung des bestehenden Know-how am Institut.
    11.Begleitende Evaluation des Projektes (Prozess- und/oder Ergebnisevaluation).