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Neugestalteter Tiefburgplatz (Foto: Rothe)

Neugestalteter Tiefburgplatz Handschuhsheim

Handschuhsheim hat seine Ortsmitte wieder: Am Samstag, 11. Juni 2016, hatten mehrere hundert Menschen bei strahlendem Sonnenschein „ihren“ Tiefburgplatz in Handschuhsheim wieder in Besitz genommen. Zur feierlichen Übergabe des neu gestalteten Platzes hatten die Stadt Heidelberg und der Stadtteilverein eingeladen. Die Kosten für die Neugestaltung betrugen rund 560.000 Euro.

Erste Nutzung des neugestalteten Platzes bei der Einweihungsfeier (Foto: Dittmer)
Erste Nutzung des neugestalteten Platzes bei der Einweihungsfeier (Foto: Dittmer)

Die Geduld der Handschuhsheimerinnen und -heimer während der vier Monate dauernden Umbauzeit (die Arbeiten waren sogar eine Woche früher fertig als geplant und damit rechtzeitig vor der Kerwe!) hat sich gelohnt: Einladend, aufgeräumt und funktional präsentiert sich das neue „Herz“ des Stadtteils. Der beliebte Stadtteilmittelpunkt ist grundlegend erneuert worden. Er ist jetzt in zwei Bereiche aufgeteilt: Im Westen wird geparkt, auf der Ostseite ist ein Aufenthaltsbereich mit öffentlichen Bänken und Gastronomie entstanden. Bei der Planung wurde berücksichtigt, dass der beliebte Platz unterschiedlichen Nutzungsansprüchen genügen muss, beispielsweise dem Wochenmarkt- und Kerwebetrieb.

Weitere Neuerungen:

  • Natursteinpflaster am Boden
  • neugepflanzte Bäume (sechs Winterlinden)
  • neue Beleuchtung
  • barrierefrei ausgebaute Bushaltestelle auf der Tiefburgseite

Das Ziel: ein einladender Platz für alle

Ziel der Neugestaltung war es, dass der Tiefburgvorplatz eine höhere Aufenthaltsqualität erhält. Die Grundlage bildeten eine Befragung der Bürgerschaft und eine einjährige Testphase. Seit 2011 gibt es die Außenbewirtschaftung auf dem östlichen Teil des Tiefburgvorplatzes. Die Änderung der Platznutzung war bis zum Gemeinderatsbeschluss vom Juli 2012 ein Provisorium.

Der Prozess der Neugestaltung

Den ersten Antrag zu einer Umgestaltung des Tiefburgplatzes stellte der Bezirksbeirat Handschuhsheim bereits im Dezember 2008.


Die Testphase

Knapp zwei Jahre danach wurde eine „Testphase“ vom Gemeinderat beschlossen. In dieser ging es unter anderem darum, herauszufinden, wie sich der Wegfall von Parkplätzen auf das Leben im Stadtteilzentrum und auf die allgemeine Parkplatzsituation auswirkt. Im Februar 2011 wurde diese einjährige Testphase eingeläutet: Die Parkplätze im östlichen Teil wurden ersetzt durch die neue Außenbewirtschaftung des Cafés Tiefburg. Zusätzlich wurden an den Rändern des Platzes Bänke aufgestellt, die einen Aufenthalt ohne Verzehrzwang ermöglichen. Die Bilanz, die im Januar 2012 zu dieser provisorischen Umgestaltung gezogen wurde, fiel überwiegend positiv aus.


Die Bürgerbeteiligung

Im Anschluss daran waren die Handschuhsheimer selbst gefragt: Rund 3.000 Fragebögen wurden für eine repräsentative Befragung verteilt, gut die Hälfte davon kam ausgefüllt zurück. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Ortsansässigen sprach sich für eine permanente Neugestaltung des Tiefburgplatzes aus.


Zustimmung durch den Gemeinderat

Im Juli 2012 stimmte schließlich auch der Gemeinderat einem Umbau zu. Die provisorische Gestaltung sollte unterdessen bis zur baulichen Umsetzung bestehen bleiben. In den folgenden zwei Jahren wurden die Eckpunkte der Planung ausgearbeitet, in Zusammenarbeit mit der Bürgerbeteiligung. Am 5. Juni 2014 wurde der Entwurfsplan des mit dem Umbau beauftragten Büros Mu.T durch den Gemeinderat genehmigt: Die provisorische Aufteilung in zwei Bereiche (Parken im Westen, Aufenthalt im Osten) sollte erhalten bleiben. Darüber hinaus wurde beschlossen, dass der Brunnen an seinem alten Standort bleibt, der umliegende Bereich dafür aber aufgewertet wird. Vorbehaltlich der Bereitstellung der entsprechenden finanziellen Mittel im Doppelhaushalt 2015/2016 wurde die Umgestaltung für Februar bis Juni 2016 an- und schließlich auch umgesetzt.


Die Bauphase

Während der Neugestaltung standen auf dem Tiefburgplatz keine Parkplätze zur Verfügung. Auch der beliebte Handschuhsheimer Wochenmarkt musste an einen anderen Standort ausweichen. Um die Staubentwicklung für das direkte Umfeld auf ein Minimum zu reduzieren, wurden außerdem die aufgestellten Bauzäune mit Planen bespannt. Die Tiefburg selbst war während der gesamten Bauzeit zugänglich. Die Arbeiten konnten schließlich sogar eine Woche vor dem anvisierten Bauzeitende abgeschlossen werden. Die Kosten für die Neugestaltung betrugen insgesamt rund 560.000 Euro.


1. Planungsdialog am 15. Oktober 2013

Beim ersten Planungsdialog im Oktober 2013 wurden anhand des Vorentwurfes von Mu.T die Eckpunkte der geplanten Umgestaltung erläutert. Zusätzlich zum Vorentwurf wurde auch das geplante Beleuchtungskonzept für den Platz und die Tiefburg selbst vorgestellt. Beides wurde überwiegend positiv aufgenommen. Kritikpunkte und Anregungen konnten nach einer allgemeinen Verständnisfragerunde an drei Themenstationen vorgebracht werden. Alle Äußerungen an den Themenstationen wurden wieder im Plenum zusammengetragen und bei den weiteren Planungsüberlegungen berücksichtigt.

Kontrovers blieb dabei bis zum Schluss die geplante Verlegung des Brunnens in den als Aufenthaltsbereich geplanten östlichen Bereich des Platzes. Es wurde sich darauf geeinigt, bis zur nächsten Bürgerbeteiligungsveranstaltung zwei Entwurfsvarianten für den Brunnenstandort vorzubereiten: Eine, die eine Aufwertung des bisherigen Standorts vorsieht und eine, die mit einer Verlegung plant. Darüber hinaus war auch die Anzahl bzw. die generelle Notwendigkeit von Parkplätzen im westlichen Teil ein Aspekt, der für viel Diskussion sorgte. Auch gegen die vorgesehene Bepflanzung mit Linden gab es Einwände, da deren Früchte den Platz und die parkenden Fahrzeuge verkleben könnten.


2. Planungsdialog am 19. Februar 2014

Beim 2. Planungsdialog im Februar 2014 wurde schließlich die Weiterentwicklung der Planung präsentiert, die auf Basis der Anregungen der Bürgerschaft entstanden war. So wurde die Anzahl der vorgesehenen Fahrradplätze von acht auf zwölf erhöht. Darüber hinaus wurde der Vorschlag eines öffentlichen Bücherregals mit aufgenommen, der genaue Standort konnte noch nicht festgelegt werden. Wie beim vorherigen Planungsdialog kamen auch bei diesem Termin weiterhin Differenzen über die Notwendigkeit von Parkplätzen zum Vorschein. Unstimmigkeiten gab es überdies nach wie vor bei der Standortwahl des Brunnens. Die finale Entscheidung darüber lag jedoch beim Gemeinderat. Trotz einiger Einwände wurden außerdem Linden zur Bepflanzung des Platzes ausgewählt.


Beschlussvorschlag zur Umsetzung

Nach den beiden Planungsdialogen erstellte die Verwaltung einen Beschlussvorschlag zur Umsetzung der Maßnahme „Umgestaltung Tiefburgvorplatz“, der die Entwurfsplanung einschließlich der eingeflossenen Anregungen aus den Planungsdialogen für den Tiefburgvorplatz beinhaltet. Diese wurde am 28.04.2014 im Bezirksbeirat Handschuhsheim vorgestellt und anschließend in der Beratung im Bezirksbeirat und danach in den gemeinderätlichen Gremien weiterverwertet.


Das wurde nicht umgesetzt

Brunnen
Eine zunächst vorgesehene Änderung, die nicht umgesetzt wurde, ist die Versetzung des Brunnens. Der Entwurf des beauftragten Planungsbüros Mu.T sah noch die Verlegung des Brunnens von der westlichen Hälfte in den neugestalteten Aufenthaltsbereich auf der östlichen Seite vor. Hier gab es von Seiten der Bürgerbeteiligung teilweise Proteste, die eine Versetzung als unnötig und teuer bewertete. Gleichzeitig sprachen sich auch viele Bürger für eine Verlegung aus, da der alte Standort als nicht attraktiv bewertet wurde. Im Zuge der Genehmigung des Entwurfsplans durch den Gemeinderat am 5. Juni 2014 fiel die Entscheidung schließlich gegen eine Versetzung und stattdessen für eine Aufwertung des bisherigen Brunnenbereichs.

Parken
Auch die im Rahmen der Umgestaltung diskutierte Einführung einer Parkraumbewirtschaftung für den Ortskern konnte nicht direkt umgesetzt werden. Doch auch hier gibt es Fortschritte: Der Bezirksbeirat beriet am 21. April 2016 über ein mögliches Konzept. Über dieses wurde der Gemeinderat am 16. Juni informiert. Das Konzept sieht unter anderem vor, dass das Parken im alten Ortskern künftig für maximal zwei Stunden zulässig ist. Anwohnerinnen und Anwohner sollen aber weiterhin mit einem Bewohnerparkausweis zeitlich unbegrenzt parken können. Dadurch soll die Parkplatzsituation für die Anwohnerinnen und Anwohner verbessert werden.

Boule- oder Schachspielfeld
Während des 1. Und 2. Planungsdialogs wurde mehrfach der Wunsch nach einer Boule-Fläche oder einem Schachspielfeld geäußert. Beide Vorschläge konnten jedoch nicht realisiert werden. Eine Boule-Fläche ist nicht umsetzbar, da deren Randeinfassungen für den Markt- und Kerwebetrieb demontiert werden müssten. Gegen ein Schachspielfeld spricht, dass sich das Behältnis für die Unterbringung der Figuren sich aus Platzgründen nicht auf dem Tiefburgplatz aufgestellt werden kann. Dies liegt auch an anderen Einbauten wie den Bänken, dem Bücherregal und den Fahrradständern. Weiterhin wurden gestalterische Einwände gegen ein Schachspielfeld erhoben, da es das Ziel der gewünschten zurückhaltenden Platzgestaltung stört.


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