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Wie britisch ist Heidelberg heute?

Über 400 Jahre sind seit der Hochzeit des pfälzischen „Winterkönigs“ Friedrich V. mit der englischen Königstochter Elisabeth Stuart vergangen. Das gesellschaftliche und politische Ereignis ersten Ranges hat die Heidelbergerinnen und Heidelberger damals in Begeisterung versetzt und seine Spuren in der Stadt hinterlassen. Doch was ist nach all den Jahrhunderten davon noch übrig – wie britisch ist Heidelberg heute? Insgesamt 777 Britinnen und Briten (Stand 14. Juli 2017) leben aktuell in der Stadt. Welche Angebote gibt es für sie und die Fans des „british way of life“ in der Stadt? Wo hat die britische Kultur ihre Nische? Welche sonstigen Verbindungen zwischen Heidelberg und Großbritannien gibt es?

Freundschaftliche Verbindungen

  • Deutsch-Britische Gesellschaft Rhein-Neckar e. V.: Sie wurde 1949 unter dem Namen „Deutsch-Englische Gesellschaft“ in Düsseldorf gegründet und 2001 in Deutsch-Britische Gesellschaft umbenannt. Ziel war es, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern nach den beiden Weltkriegen wieder zu verbessern. Schnell gründeten sich regionale Arbeitsgruppen; aktuell gibt es rund zehn. Im Jahr 1957 wurde die „Deutsch-Englische Gesellschaft Rhein-Neckar e. V.“ mit Sitz in Heidelberg gegründet. Sie hat derzeit 110 Mitglieder, es sind in etwa je zur Hälfte britische und deutsche Staatsbürger. Der Verein feiert in diesem Jahr sein 60. Jubiläum. Die Vorsitzende Nichola Hayton initiierte im Jahr 2013 „The Wedding“, also die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 400. Jahrestag der Hochzeit des pfälzischen Kurfürsten Friedrich V. und der englischen Königstochter Elisabeth Stuart. (www.dbg-heidelberg.de
  • Städtepartnerschaft mit Cambridge: Im Jahr 2015 feierten Heidelberg und Cambridge das 50-jährige Bestehen ihrer deutsch-britischen Städtepartnerschaft. Die beiden Städte verbinden viele Parallelen: Beide werden jeweils durch eine jahrhundertealte Universität geprägt, deren Institute in der Altstadt verteilt sind und das Stadtbild maßgeblich bestimmen. Beide Universitäten sind weltweit bekannt und geschätzt. Neben aller Historie und mittelalterlichen Romantik sind Cambridge und Heidelberg moderne Städte mit allen dazugehörenden Dienstleistungsbereichen. In Cambridge gibt es, wie auch in Heidelberg, viele Unternehmen im High-Tech- und Biotechnologiebereich.

Die freundschaftlichen Verbindungen der beiden Städte gehen bis ins Jahr 1957 zurück. Im Jahr 1959 fuhr eine Delegation aus Heidelberg zum Gegenbesuch nach Cambridge. Die freundschaftlichen Bande intensivierten sich und mündeten in die Unterzeichnung der Partnerschaftsverträge im Jahr 1965 in Cambridge. Heute pflegt in Heidelberg der Freundeskreis Heidelberg-Cambridge die Partnerschaft, auf britischer Seite ist es die Friendship Group.

Bildungseinrichtungen

  • Englisches Institut: Das Englische Institut gehört zu den ältesten und größten Privatschulen Baden-Württembergs. Es entstand 1945 aus der Idee, dass Sprachenkenntnis, Bildung und Offenheit in den Herzen und Köpfen gefördert werden muss, um den Frieden in Europa zu erhalten. Gründerin und langjährige Leitfigur war die Engländerin Gladys Fischer. Sie war außerdem zehn Jahre lang Präsidentin der damaligen Deutsch-Englischen Gesellschaft. Ihr Vermächtnis ist die Bildungseinrichtung „Englisches Institut" mit internationaler Ausrichtung, Bilingualität und demokratischem Selbstverständnis. Heute führt eine gemeinnützige GmbH in freier Trägerschaft das Institut und seine Bildungseinrichtungen in der Südstadt. 
  • Heidelberg International School (H.I.S.): Die Schule in Wieblingen bietet englischsprachigen Unterricht und die Möglichkeit zum Erwerb eines internationalen Abschlusses. Das Programm der H.I.S. ist insbesondere auf die Bedürfnisse der international mobilen Familien aus der Metropolregion Rhein-Neckar ausgerichtet. Die Ganztagsschule wurde im Jahr 2002 gegründet. 
  • Heidelberg College: Das Heidelberg College wurde 1887 als englische Schule gegründet. Sie gilt als die älteste, nicht-kirchliche Privatschule Baden-Württembergs. Vor allem die schöne Lage am Ufer des Neckars in der Nähe der Alten Brücke mit Blick auf das Schloss soll es damals den Engländern aus besten Kreisen angetan haben. Junge Engländer der Oberschicht sollten hier ihre Ausbildung erhalten und von den Vorzügen des britischen und badischen Bildungssystems profitieren. Sie brachten ihre Sportarten mit, für die Heidelberg noch heute bekannt ist – vor allem Rugby und Rudern. Heute ist das Heidelberg College ein staatlich anerkanntes Privatgymnasium mit rund 500 Schülerinnen und Schülern; 40 von ihnen wohnen im Internat der Schule.

Wissenschaft

Wissenschaftsstandorte Heidelberg und Cambridge: Heidelberg und Cambridge sind die wichtigsten Wissenschaftszentren Europas. In keiner anderen europäischen Stadt sind wissenschaftliche Einrichtungen in einer derart hohen Dichte vertreten. 

  • In Heidelberg bildet die Universität Heidelberg – Deutschlands älteste und beste Universität, die weltweit zu den Top 50 gehört – gemeinsam mit dem Universitätsklinikum den größten Arbeitgeber mit insgesamt rund 20.000 Mitarbeitern. Daneben finden sich weltweit renommierte Einrichtungen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum, das Europäische Zentrum für Molekularbiologie und vier Max-Planck-Institute. Rund 39.000 Studierende sind an Heidelbergs zehn Hochschulen eingeschrieben. Insgesamt 56 Persönlichkeiten, deren Lebensläufe eng mit Heidelberg verbunden sind, bekamen bisher den Nobelpreis verliehen.
  • Cambridge ist weltweit bekannt für die Universität, das High-Tech-Cluster und die Förderung einer Kultur des Lernens und der Innovationen. Das „Silicon Fen“ (benannt in Anlehnung an das Silicon Valley in Kalifornien und aufgrund seiner Lage an der Südspitze der englischen Fenlands) steht für ein bedeutendes High-Tech-Cluster mit Fokus auf Software, Elektronik und Biotechnologie. Wegen der vielen weltweit bedeutenden Unternehmen und Innovationen in den vergangenen 50 Jahren spricht man vom „Cambridge-Phänomen“. 

    Im Cambridge Cluster gibt es mehr als 4.700 wissensintensive Unternehmen mit insgesamt über 60.000 Angestellten. Rund ein Drittel der Menschen arbeitet im wissensintensiven Sektor. Das Cluster verzeichnet die höchste Anzahl von Patentanmeldungen in Großbritannien. Die Universität beschäftigt mehr als 11.000 Menschen und verzeichnet mehr als 19.000 Studierende. 96 Persönlichkeiten, deren Lebensläufe mit der Universität Cambridge verbunden sind, haben den Nobelpreis bekommen.

Kunst, Kultur und Traditionen

  • Filme in englischer Sprache – teils im Original mit Untertiteln – sind regelmäßig im Karlstorkino, im Gloria & Gloriette sowie in der Kamera zu sehen. 
  • Die „Heidelberg & District Pipes and Drums“ treten mit Dudelsackmusik – und im Kilt – bei Kulturveranstaltungen, Sport-Events, Jubiläen und Festumzügen im In- und Ausland auf. (www.hdpd.de)
  • „Schottische Volkstänze für jedermann“: Das bieten die „Schloß Dancers – scd Heidelberg“ jeden Dienstag um 20.15 Uhr in der Waldorfschule Heidelberg-Wieblingen, Mittelgewannweg 16, 69123 Heidelberg, an. (www.scd-heidelberg.de)
  • Anglistenchor Heidelberg: Der Anglistenchor am Anglistischen Seminar der Universität Heidelberg existiert seit 1990. Sein Repertoire greift auf die Vielfalt der englischen Chormusik zurück und reicht von der Renaissance bis hin zu Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten. Mehrmals im Semester gestaltet der Chor der rund 25 Sängerinnen und Sänger ein Konzertprogramm mit meist englischsprachiger Musik. Häufig umrahmt er akademische Feiern der Universität. (http://anglistenchor.de)

Sport

Britische Sportarten: In Heidelberg werden zwei Sportarten mit großer Passion ausgeübt, die typisch britisch sind: Rudern und Rugby. War Rugby anfangs Ausgleichssport der Ruderer für den Winter, werden heute beide Sportarten ganzjährig und unabhängig voneinander praktiziert.

  • Rugby: Heidelberg ist Rugby-Hochburg Nummer eins und Wiege des deutschen Rugby-Sportes. Am Heidelberg College in Neuenheim sorgten Schüler um 1850 für Aufsehen mit einem Spiel, das „Durchtragerles“ genannt wurde. Um 1860 wurde die Sportart in den Lehrplan aufgenommen. 1872 gründeten Schüler den Heidelberger Ruderclub, den heute ältesten deutschen Rugby-Verein.
     
    Heute gibt es in Heidelberg mehr als 1.800 Rugbyspielerinnen und -spieler, die sich auf sechs Vereine verteilen. Gleich vier örtliche Mannschaften spielen in der Bundesliga der Herren. Bei den Damen führt der Heidelberger SC Neuenheim mit zwölf Meisterschaften. Der Fritz-Grunebaum-Sportpark ist mit 5.000 Plätzen Deutschlands größtes Rugby-Stadion. Beim Sportzentrum Süd entsteht in Kürze ein Spitzensportzentrum für Rugby. Für Interessierte hält ein eigenes Rugby-Museum rund 2.000 Exponate bereit.
  • Rudern: Rudern ist ein beliebter Sport in Heidelberg. Es gibt vier Rudervereine in der Stadt (Rudergesellschaft Heidelberg 1898 e. V., Alt Herren Ruderriege Heidelberg e. V., Heidelberger Ruderklub 1872 e. V., Heidelberger Regattaverband e. V.). Die Heidelberger Ruderevents ziehen Jahr für Jahr Sportler und Zuschauer weit über die Stadtgrenzen hinaus an. An der Ruderregatta des Heidelberger Regattaverbands e. V. beteiligen sich Vereine und Renngemeinschaften aus Süddeutschland und dem europäischen Ausland. Bei der 83. Auflage wurden mehrere Hundert Boote ins Wasser gelassen. Die Stiftung Leben mit Krebs, das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) und die Rudergesellschaft laden jährlich zur Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ ein.

Religion

  • Englische Kirche: Elisabeth Stuart war eine der ersten Einwohnerinnen anglikanischen Glaubens in Heidelberg. Für sie wurden in der Kapelle des Heidelberger Schlosses anglikanische Gottesdienste eingeführt. Das Bedürfnis nach einer eigenen anglikanischen Kirche in der Stadt stieg, als im 19. Jahrhundert zahlreiche Kurz- und Langzeitgäste – Lehrer und Soldaten, Künstler und Geschäftsleute – von den britischen Inseln nach Heidelberg kamen. Von 1844 bis zum Ersten Weltkrieg 1914 war die Erlöserkirche in der Plöck die Kirche der Anglikaner. Nachdem der letzte englische Geistliche 1914 Heidelberg verließ, wurde die Kirche nicht mehr für Gottesdienste, sondern von der benachbarten Schule genutzt. Seit 1936 finden dort altkatholische Gottesdienste statt. Alteingesessenen Heidelbergern war sie weiterhin als die Englische Kirche bekannt.
     
    1971 wurde die Englische Gemeinde in Heidelberg wiedergegründet und feierte an Ostern den ersten englischsprachigen Gottesdienst seit 1914. Seitdem finden die Gottesdienste der Englischen Gemeinde wieder in der Erlöserkirche statt. Die Erlöserkirche ist heute die Kirche der Heidelberger Altkatholiken und der Anglikaner in der Plöck 44, Ecke Plöck/Schießtorstraße. Die Diözese der „Church of England“ hat zirka 60 Heidelberger Gemeindemitglieder – an den sonntäglichen Gottesdiensten nehmen aber auch oft englischsprachige Studierende und Touristen teil. Besonders beliebt: Der „Service of Nine Lessons and Carols“; der Gottesdienst in der Vorweihnachtszeit mit traditionellen Weihnachtsliedern. (http://english-church-heidelberg.de)