"Mit allen und für alle": Stadt Heidelberg intensiviert interkulturellen Dialog
Heidelberg verstärkt seine Bemühungen um die Integration von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Bei der Auftaktveranstaltung „Interkulturelles Gesamtkonzept für Heidelberg" am 10. Mai im Spiegelsaal des Prinz Carl warb Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner für eine Intensivierung des Austauschs mit den in Heidelberg lebenden Menschen anderer Nationen und für die Entwicklung eines „Interkulturellen Gesamtkonzeptes".
Der Ausländeranteil in Heidelberg hat sich in den vergangenen 35 Jahren nahezu verdreifacht. Rund 21.000 ausländische Bürgerinnen und Bürger leben zurzeit in Heidelberg. Das entspricht etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, Tendenz steigend. OB Würzner: „Es ist deshalb unabdingbar, dass wir in Heidelberg Integration intensiver als bisher angehen. Als Universitäts-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort hat Heidelberg hier eine besondere Verpflichtung. Integration ist längst zur Zukunftsfrage geworden. Sie ist bedeutend für den sozialen Zusammenhalt in den Kommunen, aber auch ein zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor."
Ziel des Oberbürgermeisters ist es, ein Interkulturelles Gesamtkonzept zu entwickeln, das gemeinsam mit vielen Netzwerkpartnern aus Politik, Verwaltung, Zuwanderungsgruppen, Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Bildungseinrichtungen und weiteren Initiativen erarbeitet werden soll.
Besondere Bedeutung, so Würzner, habe dabei die Herstellung von Chancengleichheit. Dem Bildungs- und Ausbildungssystem komme dabei eine zentrale Aufgabe zu. OB Würzner: „Durch Bildungserfolge werden qualifizierte berufliche Ausbildungswege eröffnet, die jungen Menschen mit Migrationshintergrund Selbstwertgefühl und eine Zukunftsperspektive geben." Besonderes Augenmerk verdiene auch die Stadtteil- und Quartiersentwicklung, deren Aufgabe es sei, für Begegnungsmöglichkeiten von Einheimischen und Zuwanderern zu sorgen.
Die Stadt hat bereits einiges an strukturellen Verbesserungen auf den Weg gebracht. So liegt der Arbeitsschwerpunkt des neu eingerichteten Dezernats „Integration, Chancengleichheit und Bürgerdienste" in der Integration von Migrantinnen und Migranten sowie Langzeitarbeitslosen. Beim Bürgeramt, das künftig diesem Dezernat zugeordnet ist, wurde eine Stabsstelle für Migration eingerichtet, die die bisherigen Integrationsleistungen verstärken sowie den Integrationsprozess organisieren, koordinieren und vernetzen soll. Zentrale Ansprechpartnerin innerhalb der Stabsstelle ist Carola de Wit, die als Migrationsbeauftragte erste Ansprechpartnerin und städtische „Steuerfrau" auf dem Weg zum Interkulturellen Gesamtkonzept ist.
Memet Kiliç, Vorsitzender des Bundesausländerbeirates und Stadtrat in Heidelberg, begrüßte das neue Konzept uneingeschränkt: „Wir haben in Heidelberg die besten Voraussetzungen, Modellstadt für die Integration zu werden."
Für Pfarrer Dr. Steffen Bauer von der Evangelischen Kirche ist die Integration von Migranten „eine der Schlüsselaufgaben der kommenden Jahre". Auch von daher sei der Zuschnitt des neuen Dezernats sehr zu begrüßen, so Bauer.
Dr. Susanne Klöpping vom Akademischen Auslandsamt der Universität Heidelberg erinnerte daran, dass es schon zur Gründungszeit der ältesten Universitäten eine „Migration der Scholaren" gab: „Eine prosperierende Wissenschaftsgesellschaft ist ohne Migration nicht denkbar."
Ingrid Thumm legt als „Global Mobility Manager" der Walldorfer SAP AG, bei der jeder vierte Mitarbeiter keinen deutschen Pass hat, besonderen Wert auf rasche und reibungslose Abwicklung der mit Migration unvermeidlich verbundenen bürokratischen Verfahren. Manche ausländerrechtliche Regelung sei ein Hindernis für die weltweite Mobilität von Fach- und Führungskräften. Warum beispielsweise, so fragt sie, erhalten die Partner der ausländischen Experten hier keine Arbeitserlaubnis?
Für Yeo-Kyu Kang, Vorsitzende des Ausländerrates/Migrationsrates der Stadt Heidelberg, ist die Schaffung des neuen Dezernats „Integration, Chancengleichheit und Bürgerdienste" ein „erster Schritt in die richtige Richtung", die Auftaktveranstaltung „ein gutes Signal". Sie erinnert daran, dass auch die aufnehmende Gesellschaft sich durch die Zuwanderung verändern müsse, denn: „Integration ist keine Einbahnstraße". Der Titel der Veranstaltung „Mit allen und für alle" habe ihr deshalb sehr gefallen, betonte Kang.