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Pressedienst der Stadt Heidelberg vom 10. Mai 2012

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Heidelberg auf dem Weg zur Bewerbung als „UNESCO Creative City of Literature“

Trafen sich im Mai 2012 zum Austausch über das Thema Literaturstadt in Heidelberg (v.l.): Heidelbergs Kulturbürgermeister Dr. Joachim Gerner, Halldór Guðmundsson, Schriftsteller und Verlagsleiter aus der UNESCO-Literaturstadt Reykjavík, Alison Bowden, Direktorin des UNESCO City of Literature Trust in Edinburgh, Frank Zumbruch, Beauftragter für Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt Heidelberg und Alexandra Eberhard vom Kulturamt der Stadt Heidelberg. (Foto: Rothe)Heidelberg bewirbt sich um die Aufnahme in das UNESCO-Netzwerk Creative Cities als City of Literature. Derzeit arbeitet eine 15-köpfige ehrenamtliche Expertenrunde unter der Leitung des Kreativwirtschaftsbeauftragten Frank Zumbruch an der Bewerbung, die im Herbst bei der UNESCO eingereicht werden soll. Kulturbürgermeister Dr. Joachim Gerner, der die Bewerbung initiiert hat, verspricht sich davon eine Stärkung der internationalen Wahrnehmung Heidelbergs als Literaturstandort. Weltweit gibt es derzeit sechs UNESCO-Literaturstädte: Edinburgh, Iowa City, Melbourne, Dublin, Reykjavík und Norwich.

„Heidelberg ist eine historisch gewachsene Stadt der Bildung, Wissenschaft und Kultur. Sie ist eine Stadt der Literatur und des Buchmarktes mit Entwicklungspotenzial als zukunftsfähiger Standort für Technologie und Medien“, beschreibt Gerner die Rahmenbedingungen, die für eine erfolgreiche Bewerbung sprechen. 2011 hatte sich die Stadt daher entschlossen, eine Bewerbung zur Aufnahme im UNESCO Creative Cities Network als „City of Literature“ vorzubereiten, um einen wichtigen Impuls zur nachhaltigen Stärkung Heidelbergs als internationale Literatur(wirtschafts)metropole zu setzen.

„Die Auszeichnung ‚City of Literature‘ ist nicht als ein Gütesiegel zu sehen, das vergleichbar mit dem Weltkulturerbe-Titel ist, sondern als Arbeitsauftrag“, erklärt Gerner. Als Mitglied des UNESCO-Netzwerkes, so Gerner, würde sich Heidelberg zur internationalen Zusammenarbeit verpflichten und zugleich von außen als Literaturstadt gestärkt werden.

Was für die Literaturstadt Heidelberg spricht

Heidelberg steht für eine große literarische Tradition. Um nur einige Beispiele zu nennen: Die Große Heidelberger Liederhandschrift „Codex Manesse“ wird heute in der Universitätsbibliothek gehütet, Goethe wurde in Heidelberg zu seinem „West-östlichen Divan“ inspiriert, in der Hochburg der Romantik trugen Clemens Brentano und Achim von Arnim ihre Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ zusammen, aber auch als Geburtsstätte der deutschen HipHop-Bewegung hat sich die Neckarstadt einen Namen gemacht.

In Heidelberg wird nicht nur die literarische Überlieferung bewahrt – hier bleibt Literatur in literarischer Bildungsarbeit, in kreativen Projekten und in der Verbreitung von Literatur in vielfältigen Erscheinungsformen lebendig. Gemessen an der Einwohnerzahl hat Heidelberg die größte Verlags- und Buchhandelsdichte in Deutschland. Große Fachverlage, Zeitungs- und Independent-Verlage haben ihren Sitz in Heidelberg, Druckmaschinen auf der ganzen Welt tragen den Namen dieser Stadt. An ihrer Universität werden traditionsgemäß Literatur-, Geistes- und Sprachwissenschaften gelehrt.

Die Stadt Heidelberg vergibt zwei der wichtigsten deutschen Literaturpreise, den Clemens-Brentano-Preis und den Hilde-Domin-Preis. Die Julius-Springer-Schule veranstaltet seit Jahren einen Erzählwettbewerb, der im Ausbildungsbereich einmalig ist. Leseförderung und Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche werden vermehrt angeboten. Es gibt die Poetik-Dozentur, die Literaturtage und das Dramatikerfestival „Heidelberger Stückemarkt“. Literaturveranstaltungen – von Lesungen bis zu Poetry Slams – finden sich fast täglich in Heidelberg. Verleger/-innen, Literaturwissenschaftler/-innen, Medien- und Kommunikationsfachleute aus Heidelberg arbeiten mit Partnern in der ganzen Welt zusammen und haben bemerkenswerte Netzwerke aufgebaut. Auch beherbergt Heidelberg einige der wichtigsten Übersetzer/-innen und Literaturkritiker/-innen Deutschlands, namhafte Autorinnen und Autoren lebten und leben in Heidelberg und der Region.

Zahlen und Fakten

  • Universitätsbibliothek: Die Unibibliothek und dezentrale Bibliotheken der Universität haben zusammen 6 Millionen Medieneinheiten. Im Jahr 2011 wurden 1,8 Millionen Entleihungen und 2,3 Millionen Besucher gezählt.
  • Stadtbücherei: Die Stadtbücherei Heidelberg stellt rund 220.000 entleihbare Medien zur Verfügung, die im Jahr 2010 mehr als eine Million Mal ausgeliehen wurden. Die Stadtbücherei hatte 577.000 reale und 190.000 virtuelle Besucher. Sie belegte bei der Leistungsmessung durch den Bibliotheksindex mehrfach den ersten Platz in der Kategorie „Großstadt-Bibliothek“.
  • Verlage und Buchhandlungen: Auf 10.000 Heidelberger kommen 1,3 Verlage und 1,5 Buchhandlungen. Zum Vergleich: Die absolut meisten Buchhandlungen hat Berlin, aber dort kommen nur 0,5 Verlage beziehungsweise 0,69 Buchhandlungen auf 10.000 Einwohner.
  • Kulturwirtschaft und Kreativwirtschaft: In Heidelberg erwirtschaften 677 Unternehmen (etwa 10 Prozent aller Betriebe in der Stadt) einen Umsatz von 590 Millionen Euro (5,2 Prozent des Gesamtumsatzes, Bundesdurchschnitt: 3,1 Prozent). Innerhalb der Kreativwirtschaft stellen die Branchen Buch und Software/Games zusammen 60 Prozent aller Beschäftigten.

Stichwort: UNESCO City of Literature

Das UNESCO-Programm „Creative Cities“ vernetzt weltweit Städte, die Erfahrungen und Ideen in den Branchen Film, Musik, Design, Gastronomie, Medienkunst, Handwerk und Literatur austauschen. Bislang ist eine deutsche Stadt Mitglied des UNESCO-Netzwerkes: Berlin als Creative City of Design. Weltweit gibt es derzeit sechs UNESCO-Literaturstädte: Edinburgh, Iowa City, Melbourne, Dublin, Reykjavík und Norwich. Das Netzwerk strebt an, die kulturelle Identität der Mitgliedsstädte zu stärken, ungeachtet des wachsenden Trends zum Internationalismus.

Veranstaltungshinweise zum Thema „City of Literature“:

  • 12. Mai 2012: Podiumsdiskussion „Literaturstadt Heidelberg“
    Was macht eine Literaturstadt aus? Über diese Frage diskutieren drei Experten am Samstag, 12. Mai 2012, um 16 Uhr bei den Heidelberger Literaturtagen im Spiegelzelt auf dem Universitätsplatz: Alison Bowden, Direktorin des UNESCO City of Literature Trust in Edinburgh, Halldór Guðmundsson, Schriftsteller und Leiter des größten isländischen Verlages in der jüngsten UNESCO-Literaturstadt Reykjavík, sowie Jürgen Boos, Heidelberger und seit 2005 Direktor der Frankfurter Buchmesse. Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion steht die geplante Bewerbung Heidelbergs als UNESCO City of Literature und die Erfahrung der beiden UNESCO-Literaturstädte Edinburgh und Reykjavík.
  • 23. Mai 2012: Ausstellungseröffnung „Heidelberg inspiriert, produziert und veröffentlicht“
    „Heidelberg inspiriert, produziert und veröffentlicht – UNESCO City of Literature“ ist der Titel einer Ausstellung, die am Mittwoch, 23. Mai 2012, um 18 Uhr im Rathausfoyer von Bürgermeister Dr. Joachim Gerner eröffnet wird. Studentinnen und Studenten der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim haben sich unter Anleitung des Heidelberger Designers Markus Artur Fuchs mit einem Printmedium für die Darstellung der heidelbergspezifischen „Literature“-Themen auseinandergesetzt und aussagekräftige, eigenständige Publikationen entwickelt, die in der Ausstellung gezeigt werden. Der Begriff „Literature“ beschreibt im englischen Sprachraum nicht nur die Literatur, sondern auch Publikationsthemen rund um Verlag und Produktion. Zur Einführung sprechen Markus Artur Fuchs und Frank Zumbruch, Beauftragter für Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt Heidelberg. Die Ausstellung ist bis zum 1. Juni 2012 im Rathaus zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr.

"Danke" oder "Langsam": Dialog-Displays gegen zu schnelles Fahren jetzt in Heidelberg

Erster Bürgermeister Bernd Stadel (l.) bei der Vorstellung der Dialog-Displays an der Ziegelhäuser Neckarschule gemeinsam mit Kinderbeauftragten, Vertreterinnen des Bezirksbeirates und dem Amt für Verkehrsmanagement. (Foto: Rothe)Die meisten Unfälle geschehen durch zu hohe Geschwindigkeit. Insbesondere bei Unfällen mit Fußgängern können einige Stundenkilometer mehr oder weniger über Leben oder Tod entscheiden. Dialog-Displays arbeiten nach dem Prinzip „Motivation statt Strafe“: Bei angepasster Geschwindigkeit bekommt der Verkehrsteilnehmer ein „Danke“ in grüner LED-Schrift, bei überhöhter Geschwindigkeit leuchtet ein rotes „Langsam“ auf. Dieser konstruktive Dialog zeigt nachweislich Wirkung – und zwar nachhaltig, ohne Gewöhnungseffekt.

Erster Bürgermeister Bernd Stadel stellte die neuen Dialog-Displays jetzt gemeinsam mit Heidelberger Kinderbeauftragten und Vertretern des Amtes für Verkehrsmanagement an der Neckarschule in Heidelberg-Ziegelhausen vor. „Eine sympathische und individuelle Kommunikation, der sich der Autofahrer nur schwer entziehen kann – mit diesem emotionalen Wirkungsprinzip überzeugt das Dialog-Display“, so der Erste Bürgermeister. „Studien belegen, dass das Dialog-Display gerade die hohen Geschwindigkeiten dauerhaft reduziert und somit wesentlich zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beiträgt.“ Eine Langzeitstudie des Berliner Senates an einem Fußgängerüberweg bestätigt seit der Installation des Dialog-Displays im Jahre 2004 konstant niedrigere Geschwindigkeiten. Die Wirkung hält sogar nach dem Abbau der Dialog-Displays an.

Insgesamt 14 solcher Dialog-Displays werden in Heidelberg in diesem Jahr installiert, nach etwa zwei bis drei Jahren sollen sie ihren Standort wechseln. Die Standorte werden in Abstimmung mit den Kinderbeauftragten der Stadtteile festgelegt. Sieben Displays gibt es bereits, alle befinden sich in der Nähe von Schulen oder Kindertagesstätten: Ziegelhausen, Peterstaler Straße; Bergheim, Bergheimer Straße in Höhe der Tankstelle; Schlierbach, Wolfsbrunnensteige, Neuenheim, Mönchhofstraße; Boxberg, Buchwaldweg; Kirchheim, Albert-Fritz-Straße; Rohrbach, Kolbenzeil. Weitere sieben Displays werden noch folgen.



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