Archiv JGR-Stimmen
Verantwortlich für den Inhalt: Jugendgemeinderat der Stadt Heidelberg
Geschäftsstelle: Sven Richard, Telefon 06221 58-10360, E-Mail jugendgemeinderat@heidelberg.de
- Stolpersteine
- Fahrradstraße Plöck
- Jugendgemeinderat unterstützt den Bildungsstreik
- Meine Stadt - meine Wahl: Online-Jugendwahl 2009!
- Jugendliche können auf Villa Nachttanz nicht verzichten
Stolpersteine
„Identifikation mit der Geschichte der eigenen Stadt bedeutet nicht nur generelles Interesse an der Vergangenheit, sondern vielmehr das Bekenntnis der Bürger/innen, Verantwortung zu übernehmen und über das Geschehene nachzudenken. Die Auseinandersetzung mit der Verfolgung anderer Konfessionen und Andersdenkender im nationalsozialistischen Heidelberg kann zudem Diskriminierung und Gewalt vorbeugen.
Solidarität zu den Menschen, denen Unrecht widerfahren ist, sowie Eigeninitiative und bürgerliches Engagement, zeigt ein hohes Maß an Verantwortung, das die Bürger/innen bezüglich der Vergangenheit übernehmen.
In den letzten Jahren war die Initiative Stolpersteine an einer Fachkonferenz gescheitert, bei der die Stimme Heidelberger Sinti und Roma sowie die der jüdischen Gemeinde, welche die Stolpersteine aus religiösen Gründen ablehnte, ausschlaggebend für die ablehnende Entscheidung war. Konträr zu den Heidelberger Sinti und Roma unterstützt der Landesverband Baden-Württemberg die Stolpersteine.
Die Motivation dieser Gemeinden ist nachvollziehbar, darf aber nicht das Gedenken an andere Gruppen von Verfolgten einschränken, wie z.B. Homosexuelle, Gewerkschafter oder Zeugen Jehovas. In der Reihe der vorgeschlagenen Gedenksteine sind nun Juden sowie Sinti und Roma ausgenommen. Um sicherzustellen, dass konträre Meinungen, was diese und womöglich folgende Stolpersteine angeht, nicht übergangen werden, ist Recherche gefragt. Familienangehörige beispielsweise müssen sich zur Verlegung äußern, wenn sie nicht schon von ihnen initiiert wurde.
Der Jugendgemeinderat unterstützt aus diesem Grund die Verlegung von Stolpersteinen in Heidelberg.“
Nicolas Apfel-Totaro
Fahrradstraße Plöck ?
Was ist die Plöck eigentlich?
Wir im Jugendgemeinderat haben in unserer Sitzung ausgiebig darüber diskutiert und würden es vermutlich einem Nichtheidelberger so erklären:
Die Plöck ist die berühmte Straße in Heidelberg, in der jeden Tag hunderte von Leuten mit ihren Fahrrädern durchrauschen. Studenten die zur Uni fahren und wieder zurück, Menschen die zur Arbeit in die Altstadt müssen, Schüler und Schülerinnen..... die Liste ist endlos. Heidelberg ist eine Fahrradstadt und wer in die Altstadt will und wieder zurück, fährt durch die Plöck, die mit ihrem Charme einfach viele Straßen Heidelbergs übertrifft.
Hier gibt es immer wieder Konfliktpotenzial. Aber wo ist die Problematik – vielleicht die Unfallgefahr?
Bereits vor 3 Jahren dachten Kommunalpolitiker/ innen darüber nach, was die Plöck denn so gefährlich macht. Wir vom JGR sind der Meinung, vor allem die Mischung aus Autos, Fußgänger/innen und Fahrradfahrer/innen ist problematisch. Allerdings machte die Polizeidirektion Heidelberg deutlich, dass die Unfallgefahr in der Plöck nicht höher ist als auf anderen Straßen.
Dennoch wurde jetzt die Plöck für den Radverkehr einseitig gesperrt wegen einer Baustelle auf Höhe des Kaufhofs. Allerdings ist die neue Verkehrsführung für die Radfahrer/innen durch die Friedrich-Ebert-Anlage durch die kurvige und enge Verkehrsführung bei der Baustelle am Friedrich-Ebert-Platz viel gefährlicher.
Also, wie erklärt man den vielen Radlern/innen dann, dass man zwar auf zwei Wegen mit dem Auto Richtung Universität, Schloss und raus aus Heidelberg kommt, Fußgänger/ innen oftmals sowieso lieber durch die berühmte Hauptstraße wollen, aber Fahrradfahrer/ innen jetzt nicht mal mehr durch die Plöck zurückfahren dürfen?
Vielleicht sollen die Fahrradfahrer/innen dadurch schon langsam daran gewöhnt werden, dass die Plöck irgendwann mal ganz fahrradfrei ist??
Spätestens seitdem einzelne Fraktionen und Teile der Bevölkerung Heidelbergs gegen die einseitige Sperrung der Plöck protestiert haben, wäre es – so die Meinung des JGR – die Aufgabe der Stadtverwaltung gewesen, die unklare Regelung wieder aufzuheben
In Heidelberg ist neues Konfliktpotenzial entstanden und auch wenn die Sperrung nicht im Zuständigkeitsbereich des Gemeinderates liegt, sondern in dem der Verwaltung, sollte er eine öffentliche Diskussion im Gemeinderat und mit der Heidelberger Bevölkerung beginnen. Uns ist nämlich absolut unverständlich warum diese Regelung besser und vor allem sicherer sein sollte!
Hannah Eberle
Jugendgemeinderat unterstützt den Bildungsstreik
Am 11.3.2009 beschloss der Jugendgemeinderat in seiner Sitzung, die bunt zusammengewürfelte Gruppe KriSA (Kritische Schüler/innen Aktion), bestehend aus Heidelberger Schüler/innen, finanziell zu unterstützen. Im Zuge des Schulstreiks, der im November 2008 stattfand, wollten auch Schüler/innen aus der Region etwas gegen die Bildungsmisere unternehmen - aus der Idee des Schulstreiks hat sich so im Dezember 2008 eine ganze neue Dimension entwickelt, der Bildungsstreik 2009 war geboren.
KriSA steht für eine radikale Veränderung des Bildungswesens.
Zum einen werden Grundsätze einer guten Bildung immer wieder diskutiert und Forderungen sowie Alternativen verfasst – beispielsweise die Kritik am mehrgliedrigen Schulsystem, das Turbo- Abitur, der absolute Leistungsdruck und die fehlenden finanziellen, aber auch personellen Mittel, eine wirklich gute Schule in Deutschland und überall zu errichten.
Zum anderen beschäftigt sich die politische Gruppe mit theoretischen Forderungen und alternativen Schulwesen; so fordert KriSA eine Abschaffung vom starren Frontalunterricht, eine Abkehr von Drohungen wie Sitzenbleiben und Schulausschluss, und schließlich ein demokratisches gleichwertiges Recht, Lehrinhalte aber auch Schule mit zu gestalten. Selbstbestimmt lernen und leben soll in der Schule vermittelt werden.
Aus diesen und vielen weiteren Gründen kämpft KriSA in der Woche vom 15.6.2009-19.6.2009 auch in Heidelberg mit Studierenden, Arbeitnehmer/innen, Eltern, Lehrenden und anderen gesellschaftlichen Bewegungen für eine Veränderung des Bildungswesens, für eine humane und selbstbestimmte Bildung.
Mitdenken! Mitmachen! Neu Gestalten!
Weitere Infos unter:
www.bildungsstreik2009-hd.de
www.bildungsstreik2009.de
oder unter hdschulstreik@web.de
Verfasser:
die Mitglieder bei KriSA aus dem JGR (Hannah Eberle, Nicolas Apfel-Totaro, Malte Burmester)
Meine Stadt, meine Wahl – Online-Jugendwahl 2009!
Der Jugendgemeinderat unterstützt den Stadtjugendring Heidelberg bei der Durchführung der Online-Jugendwahl vom 13. bis 27. Mai 2009!
Hier die näheren Infos:
Am 7. Juni 2009 werden in Baden-Württemberg die Volksvertretungen der Landkreise und Gemeinden gewählt. Die Wahlbeteiligung der letzten Kommunalwahl 2004 in Heidelberg war erstaunlich niedrig. Jeder zweite Heidelberger ging nicht zur Gemeindewahl. Über Gründe zu spekulieren ist müßig – daran zukünftig etwas ändern zu wollen und die Lebendigkeit der Demokratie zu fördern ist dagegen Ziel der Online-Jugendwahl 2009, die im Zuge der Kommunalwahlen nun erstmalig auch in Heidelberg stattfinden soll und sich um alle zukünftigen Jungwähler im Alter von 14 bis 17 Jahren bemüht.
Die Online-Wahl hat dreierlei Vorteile:
- sie spricht Jugendliche direkt an
- es kann ohne Aufwand von zu Hause, den Verbänden und Schulen aus gewählt werden
- die Stadt Heidelberg wird das Wahl-Tool allen ihren Bürgern zur Verfügung stellen, die vorab die Wahl einmal ausprobieren wollen.
Die Jugendwahl 2009 bietet eben auch hierfür eine Test-Plattform:
Über ein Online-Wahl-Tool kann zwei Wochen lang, vom 13. bis 27. Mai, ganz einfach das Prozedere des Panaschierens und Kumulierens erprobt werden. Nebenbei wird so ein Spiegel des politischen Interesses der Heidelberger Jugend entstehen.
Intentionen der Jugendwahl sind:
- sie bildet die Jugend und bemüht sich um Demokratie, die vom Mitmachen allein lebt
- damit findet auch die Jugendwahl 2009 ihren Platz in aktuellen Bildungsoffensiven
- sie macht Werbung für eine zukünftige, hohe Wahlbeteiligung, gerade auf kommunaler Ebene
- sie bietet dafür eine Laborsituation, in der Kommunalwahl einmal durchgespielt werden kann
- sie eröffnet einen ersten, verstehenden Zugang zu Lokalpolitik
- sie vermittelt Jugendlichen ein zusammenhängendes Bild von kommunalen Angelegenheiten und politischen Entscheidungsprozessen
- sie diskutiert jugendliche Interessen und Probleme
- sie zeichnet ein Bild der politischen Stimmung der Heidelberger Jugend
- sie prüft, wie demokratie-sicher Jugendliche sein können
- durch den Verzicht der Beschränkung auf EU-Wähler wird versucht, auch Jugendliche mit Migrationshintergrund in das Projekt einzubinden: politische Beteiligung fördert gesellschaftliche Integration.
Das Projekt der Jugendwahl 2009 wird als Kooperative des Stadtjugendrings Heidelberg, des Jugendgemeinderats und der Stadt Heidelberg durchgeführt.
Gleichzeitig findet es landesweit statt und wird u.a. vom Landesjugendring Baden-Württemberg koordiniert. Neben einer engen Einbindung der Jugendverbände und Schulen Heidelbergs wird es ein Rahmenprogramm geben, das das Projekt begleiten wird. So ist etwa eine Podiumsdiskussion mit Heidelberger Schülern und Kommunalpolitikern geplant.
Am Wahl-Abend des 7. Juni wird es dann eine Wahlparty geben, zu der der Stadtjugendring herzlich einlädt: dort werden die Ergebnisse der Online-Wahl präsentiert, aber hoffentlich auch eine erfolgreiche Jugendwahl mit Musik und guter Laune gefeiert.
Informationen rund um das Projekt sowie die Termine des Rahmenprogramms werden auf den Seiten des Stadtjugendrings regelmäßig aktualisiert: www.sjr-heidelberg.de
Anna Friedmann-Luzkova
Jugendliche können auf Villa Nachttanz nicht verzichten
Stellungnahme des Jugendgemeinderates vom 18. Dezember 2008
Seit vielen Jahren leistet der Verein Aktioen 2001 erfolgreiche unabhängige Arbeit im Bereich selbstständige Kultur. Der Jugendgemeinderat Heidelberg erachtet die Villa Nachttanz, was junge selbstorganisierte Kultur angeht, als wichtigste Einrichtung. Der Standort ist jedoch gefährdet und das Haus soll im April 2009 einem Industriegebiet weichen. Es scheint nicht klar geworden zu sein, welcher immense Verlust auf die Heidelberger Kulturlandschaft zukommen, wenn der Mietvertrag nicht verlängert werden sollte. Aus diesem Grund entschied der Jugendgemeinderat in der Sitzung am 18.11.08 einstimmig, die Mietvertragsverlängerung zu unterstützen. Die Beschlussvorlage besagt, dass die Villa Nachttanz als Kulturzentrum mindestens bis zur Verwirklichung des Kulturzentrums Bahnbetriebswerk bestehen bleiben muss. Das öffentliche Interesse an der Villa ist generationenübergreifend, doch vor allem bei Studenten und Schülern gigantisch, weswegen eine Umwandlung in ein Gewerbegebiet mehr Nutzen zerstören würde als es finanziell ausgedrückt herstellen könnte. Die Villa ist für uns nicht in Geld aufzuwiegen, der wirtschaftliche Vergleich für eine Kulturstadt wie Heidelberg also völlig unzutreffend.
Einen Ersatz für ein Gewerbegebiet wäre leicht zu finden, ein gleichwertiger Ersatz für die Villa ist auf die Schnelle unmöglich. Am 28.11.2008 entschied der JHA die Formulierung des JGRs nicht zu unterstützen. Vor der entscheidenden Sitzung des JGRs am 18.12.2008 möchten wir an die Gemeinderäte appellieren: Heidelberg lebt durch Kultur. Nicht nur durch akademische, sondern auch durch neue, innovative Ausdrucksformen, die Kunst und Musik erst eine Dynamik der Weiterführung verleihen.
Deshalb gilt es klare Prioritäten zu setzen und der wohl prägendsten Charakteristik dieser Stadt nicht die Zukunft zu nehmen.
Nicolas Apfel-Totaro
Pressesprecher Jugendgemeinderat
