JGR-Stimmen
Verantwortlich für den Inhalt: Jugendgemeinderat der Stadt Heidelberg
Geschäftsstelle: Sven Richard, Telefon 06221 58-10360, E-Mail jugendgemeinderat@heidelberg.de
- Liniennetzoptimierung
- Jugendgemeinderat befürwortet autofreie Plöck
- Jugendgemeinderat unterstützt HeiKo
- Brief an die Fraktionen zum Bahnbetriebswerk
- Bahnbetriebswerk
Liniennetzoptimierung
Der Jugendgemeinderat der Stadt Heidelberg möchte im Folgenden Stellung zur Liniennetzoptimierung des ÖPNV nehmen.
Viele Schüler sind auf den öffentlichen Verkehr angewiesen, die vorgesehenen Kür-zungen bringen insbesondere längere Anfahrtszeiten, mehrere Umstiege und noch extremere Auslastung mit sich. Eine deutliche Verschlechterung wird besonders bei den folgenden Linien deutlich:
Aufhebung der Linie 29
Die Expresslinie 27, die als Ersatz für die Linie 29 zu Hauptverkehrszeiten eingeführt werden soll, bietet keinen direkten Anschluss zum Schulzentrum Rohrbach (Helm-holtz-Gymnasium und Gewerbeschulen). Das Anfahren der Haltestelle S-Bahnhof Weststadt/Südstadt ist dabei nicht vorgesehen, obwohl dies den Schülern einen weiten Fußweg mit schweren Schultaschen ersparen würde.
Wir begrüßen das Einführen der Expresslinie sehr, dennoch gilt es anzumerken, dass aufgrund des Ganztagsschulkonzepts mehrere Expresslinien über den Tag verteilt zur Verfügung stehen müssen. Eine Hauptverkehrszeit kann nur schwer festgelegt werden, da der Unterricht über den Tag verteilt zwischen 12-19 Uhr endet. Schüler/innen, die im vorgestellten Konzept außerhalb der festgelegten 'Hauptverkehrszeiten' auf den Boxberg/Emmertsgrund fahren wollen, müssen künftig durch die Kürzung der Linie 24 sowie die Aufhebung der Linie 29 auf die Linie 33 ausweichen. Ein längerer Nachhauseweg von etwa 15min. ist damit einzuplanen.
In Hinblick auf die Schließung der Hauptschule Boxberg im nächsten Jahr, ist eine noch extremere Auslastung der Busse zu erwarten. Die Schüler/innen werden in die innerstädtischen Schulen ausweichen müssen und somit zu einer noch stärkeren Auslastung des öffentlichen Verkehrs beitragen.'
Aufhebung der Linie 34
Auf den Strecken der Linie 34/35/5 liegen zahlreiche Schulen (Thadden-Gymnasium, Waldorf Schule und Gewerbeschulen) sowie die SRH-Fachhochschule und die Kur-pfalz-Klinik.
Zu Stoßzeiten ist die Linie 34 unentbehrlich! Allein am Hauptbahnhof steigen morgens bereits so viele Schüler/innen ein, dass man einige Bahnen und Busse abwarten muss, um sich endlich einen einzelnen Stehplatz zu sichern.
Die Linie 5 weicht zudem von der Streckenführung der Linien 34/35 ab. Die zwei Buslinien sind dabei besonders beliebt, da ihre Haltestelle einen kürzeren Fußweg zu den einzelnen Schulen garantiert.
Bei der Aufhebung der Linie 34 im Bereich Hauptbahnhof - Wieblingen Nord käme es bei den jetzt schon extrem ausgelasteten Linien zu noch höheren Fahrgastzahlen in den Linien 35/5.
Insbesondere für die Linie 35, deren Fahrtstrecke Zugang zu sowohl der SRH in Wieblingen, als auch der SRH in Neckargemünd bietet, ist eine behindertengerechte Mobilität unerlässlich. Bereits bei heutiger Auslastung ist diese Mobilität nur selten gewährleistet.
Es ist nicht akzeptabel, dass die vorgesehenen Einsparungen auf Kosten der Heidel-berg Schüler/innen gehen. Für viele Familien sind die ca. 35 Euro, die im Monat für eine Schülerkarte (Maxx-Ticket) ausgegeben werden, viel Geld und – um dies zu betonen – auch eine der größten Einnahmequellen der RNV. Die derzeitige Auslastung von Bussen und Bahnen stößt jetzt schon zu Hauptverkehrszeiten an die Grenzen der Belastbarkeit aller Fahrgäste.
Jugendgemeinderat Heidelberg
(Kommission für Stadtentwicklung und Verkehr, Februar 2011))
Jugendgemeinderat befürwortet autofreie Plöck
Bereits im Januar 2007 hat sich der Jugendgemeinderat mit einer Forderung nach einer autofreien Plöck auseinander gesetzt. Gerade wegen der ständigen Verkehrsproblematik und der aktuellen Baustelle am Theaterplatz ist diese Forderung immer noch aktuell.
Die Plöck ist für Fahrradfahrer/innen die wichtigste Verbindung in den hinteren (östlichen) Teil der Altstadt und für Fußgänger/innen eine gute Alternative zur oft sehr vollen Hauptstraße. Jedoch macht es die Verkehrssituation in der Plöck für Fußgänger/innen und Fahrradfahrer/innen immer schwerer, sich dort sicher zu bewegen. Die Bürgersteige sind schmal und die Straße ist viel von Autos befahren, die wenig Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer/innen und das Tempolimit von 15 km/h nehmen, weshalb das Verkehrschaos unüberschaubar und sehr gefährlich ist.
Durch eine Sperrung der Plöck zwischen Sofien- und Nadlerstraße und zwischen Friedrich-Ebert-Platz und Universitätsbibliothek für den Autoverkehr würde sie für Fußgänger/innen und Fahrradfahrer/innen attraktiver und sicherer werden. Wir sind der Meinung, dass auch der in der Plöck ansässige Einzelhandel von diesem Schritt profitieren würde, denn das Einkaufen in der Plöck könnte wieder eine angenehme Alternative zur Hauptstraße werden.
Um den Autofahrerinnen und –fahrern das Erreichen der Parkhäuser am Kaufhof und an der Universitätsbibliothek auch weiterhin zu ermöglichen, könnte die Plöck zwischen Nadlerstraße und Friedrich-Ebert-Platz für den Autoverkehr frei bleiben. Dies gilt auch für den Verkehr zu und von der Theaterbaustelle.
Vorstand des Jugendgemeinderates (Juni 2010)
Jugendgemeinderat unterstützt HeiKo
Mit Beteiligung des Jugendgemeinderates hat sich neben der Bürgerinitiative LindA, die sich für die Interessen der Altstadtbewohner einsetzen will, die Initiative „Heidelberg Konstruktiv“, kurz HeiKo, gegründet. Dort haben sich eine Reihe von verschiedenen Gruppen und Organisationen zusammengeschlossen, um gemeinsam Lösungsvorschläge für die Probleme um Lärm, Dreck und Randale in der Altstadt zu entwickeln. Die Mitglieder von HeiKo wollen damit dem restriktiven Maßnahmenkatalog des Runden Tisches „Pro Altstadt“ einen Ansatz entgegensetzen, der sich durch konstruktive Vorschläge und soziale Kontrolle statt durch Verbote und Beschränkungen auszeichnet. HeiKo bemängelt die repressive Stoßrichtung des Katalogs, der darauf abzielt, das Nachtleben als solches mit Verboten und begrenzenden Maßnahmen und Kollektivstrafen einzudämmen. Im Gegensatz zu anderen Gruppen, die oftmals einseitig, fordernd und destruktiv auftreten, möchte HeiKo den Wünschen und Bedürfnissen aller Beteiligter gerecht werden und bemüht sich um die Entwicklung tragfähiger Kompromisse und verantwortungsvoller Ideen rund um die Spannungen in der Stadt Heidelberg. HeiKo hat das Ziel, dass hier auch weiterhin das lebendige und vielfältige, attraktive, lebenswerte und fröhliche Herz der Metropolregion Rhein-Neckar schlägt. Für Jung und Alt, Besucher wie Bewohner, Partygänger oder Partymuffel.
Zu HeiKo gehören (neben dem Jugendgemeinderat)
- Fachschaft Jura
- FALK
- generation.HD
- Grüne Hochschulgruppe (GHG)
- Grüne Jugend Heidelberg
- Junge Liberale Heidelberg (JuLis)
- Junge Union Heidelberg (JU)
- RCDS Heidelberg
- Rettet Heidelberg
HeiKo ist damit ein überparteiliches und überkonfessionelles Bündnis, das für weitere Mitglieder offen ist und alle interessierten Gruppen einlädt, sich ihm anzuschließen. Mehr unter www.heidelberg-konstruktiv.de
Vorstand des Jugendgemeinderates (Juni 2010)
Brief an die Fraktionen zum Bahnbetriebswerk
Sehr geehrte Damen und Herren,
das Kulturzentrum „Bahnbetriebswerk“ nimmt Form an. Wir arbeiten derzeit eng mit dem Verein Bahnbetriebswerk zusammen. Dieser hat sich Mitte Juni gegründet und besteht aus interessierten Nutzer/-innen mit mehr oder weniger Erfahrung im kulturellen Bereich.
Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Ansprechpartner für Stadt und Presse und vor allem als Interaktionsplattform für interessierte Nutzer/-innen da zu sein, sowie für alle, die sich aktiv einbringen möchten.
Der Verein hat gemeinsam mit der Kulturkommission des Jugendgemeinderates ein Konzept ausgearbeitet, welches auf die bereits beschlossenen Punkte eingeht und eine ausführliche Verwaltungsstruktur darlegt.
Der Jugendgemeinderat freut sich sehr, für das Projekt nun einen geeigneten Träger gefunden zu haben und dass dieser auf den Rückhalt in den bedeutendsten Kultureinrichtungen und Initiativen bauen kann; so unterstützt die Halle 02, der Karlstorbahnhof, die Werkstatt e.V., das Kulturfenster, das DAI und die Villa Nachttanz das Projekt aktiv und es findet ein regelmäßiger Austausch mit weiteren Einrichtungen statt.
Ziel ist es nun weiter, Öffentlichkeit in das Projekt mit einzubinden - beispielsweise gestaltet der Verein in Kooperation mit dem Karlstorbahnhof eine Party in den Räumlichkeiten des Karlstorbahnhofs, um potenziellen Vereinsmitgliedern einen kulturellen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten des Bahnbetriebswerks zu geben. Eine Ausstellung ist ebenso angedacht wie ein Auftritt auf dem Heidelberger Herbst. Es soll jedoch auch eine Auseinandersetzung mit den Kritikern des Konzepts stattfinden.
Solcherlei Aktionen sind für die nächsten Monate in Planung. Der JGR begrüßt diese Initiative und wird sich auch aktiv daran beteiligen. Außerdem werden die Prüfungsergebnisse des BBW´s und somit die Freigabe der Pläne spätestens Ende September erwartet, sodass wir dann mit Ihnen ins direkte Gespräch kommen möchten.
Selbstverständlich findet auch weiterhin die städtische AG BBW mit Herrn Bürgermeister Gerner, Herrn Kulturamtsleiter Mumm sowie anderen Vertretern der Verwaltung statt.
Dennoch möchten wir Sie nicht nur in unserer gemeinsamen Sitzung am 17. November sondern auch in den Wochen und Monaten davor und danach zu Gesprächen einladen.
Selbstverständlich können Sie sich bei Fragen auch bereits jetzt schon melden und/oder unsere Homepage besuchen.
Außerdem werden wir Ihnen unser vorgeschlagenes Nutzungskonzept, welches sicherlich einige Fragen im Voraus beantwortet, nachreichen.
Mit freundlichen Grüßen
Laura Thimm-Braun
Vorsitzende des Jugendgemeinderats
Bahnbetriebswerk (BBW)
Der Jugendgemeinderat plädiert dafür, aus dem Bahnbetriebswerk ein sozio-kulturelles Zentrum für Jugendliche zu machen.Dabei sind uns die folgenden Punkte besonders wichtig:
Tolerant und antidiskriminierend
Das BBW soll offen sein für alle, es sei denn sie verhalten sich diskriminierend, oder sie vertreten eindeutig diskriminierendes (z.B. rassistisches) Gedankengut.
Unabhängig
Das Bahnbetriebswerk soll nicht eines der städtischen Kulturhäuser sein, sondern im weiteren Verlauf unabhängig arbeiten können. Ein/e städtische/r Mitarbeiter/in würde die Eigenverantwortung der Jugendlichen und den Fortbestand des Bahnbetriebswerks als unkommerzielles, ehrenamtlich organisiertes Zentrum in Frage stellen.
Fakten zum BBW - Einwände und Kritik, deren wir uns bewusst sind
- Anwohner: Der Dialog mit den Anwohnern soll frühzeitig gesucht werden, da diese sich als von dem Projekt als direkt betroffen sehen. Dem stimmen wir zu. Ein Brief an die Siedlungsgemeinschaft Ochsenkopf wurde schon geschrieben und Gespräche sind im Rahmen des öffentlichen Dialogs geplant.
- Sozialarbeiter: Einige Parteien fordern eine/n städtische/n Sozialarbeiter/in im Bahnbetriebswerk. Das ist unserer Meinung nach unangebracht (s.o.), auch weil wir mit diesem Zentrum dem Anspruch gerecht werden möchten, frischen Wind und direkte Mitwirkungsmöglichkeiten in der Kulturszene zu schaffen, die es in dieser Form und Dimension in Heidelberg nie gegeben hat und auch in städtischen Jugendhäusern wie dem Haus der Jugend nicht bestehen.
- Security: Das Argument für viele ist hierbei, dass kein Event heutzutage ohne Security verlaufen kann. Wenn der Anspruch lautet, eine zweite Nachtschicht oder ein „deep“ einzurichten, auf die der Begriff Kultur nicht ernsthaft angewendet werden kann, dann ist Security vielleicht nötig. Da wir im Bahnbetriebswerk zudem Toleranz an oberste Stelle setzen und Diskriminierung ächten, fällt ein Sicherheitsdienst völlig aus dem Konzept heraus. Selbstverwaltete Gruppen haben den Grundsatz der Gleichheit besser verinnerlicht als Sicherheitsdienste, sodass beim Eingriff in brenzlige Situationen nicht Geschlecht, politische Orientierung oder Outfit zählen, wie es bei bezahlten Sicherheitsdiensten der Fall ist. Vorfälle vor allem in Nachtschicht und Halle 02 belegen dies.
- Mögliche Fluktuationen im Personal: Dem soll durch eine gesicherte und strukturierte Vereinsarbeit etwas entgegengesetzt werden.
Die Idee ist, noch im nächsten halben Jahr einen Trägerverein aufzubauen, der diese Grundsätze und Regeln hat und dann seine Arbeit bereits im Aufbau des BBW´s aufnehmen kann.
Dieser Punkt ist für uns zentral, da unsere Amtsperiode in weniger als einem Jahr enden wird und die Fortführung des Themas durch den JGR nicht gewährleistet werden kann. Aus diesem Grund drängen wir auf die Gründung eines Trägervereins, der kompetenter, als wir es in dieser Lage sein könnten, die praktischen Modalitäten und die Funktionsweise des Bahnbetriebswerks ausarbeitet und dabei die postulierten Grundrisse beachtet.
Aktueller Stand
Im März 2009 fand eine erste Ideenwerkstatt mit Vertretern aus den Bereichen Jugend, Kultur und Kommunalpolitik statt, weitere – öffentliche – Veranstaltungen dieser Art sollen folgen. In diesem Rahmen fanden auch die ersten der oben genannten Gespräche mit Anwohnern statt.
Die städtische Arbeitsgruppe BBW, die auf Vorschlag des Oberbürgermeisters Herrn Dr. Würzner und unter Leitung des Bürgermeisters für Familie, Soziales und Kultur Herrn Dr. Gerner eingerichtet wurde, hat nun die Aufgabe, die Werkstattergebnisse aufzubereiten und den Prozess weiter voranzutreiben. Zunächst sollen die gemeinderätlichen Gremien über die Ergebnisse informiert, Experten zur Machbarkeit der Ideen befragt und dann eine zweite Ideenwerkstatt zur Konkretisierung des Projekts einberufen werden. Im Spätjahr 2009 soll ein erstes Zwischenergebnis öffentlich präsentiert werden.
Daneben sind wir im Dialog mit vielen Jugendlichen, um auch deren Ideen zum BBW direkt einzubringen.
Weiteres Vorgehen
Interessierte, die sich an der Gründung des Trägervereins beteiligen möchten, sollten zu einem Treffen zur Gründung des Vereins eingeladen werden. Bei diesem Treffen soll eine Satzung ausgearbeitet werden, welche die Grundsätze eines selbstverwalteten, sozialen, politischen Kulturzentrums beachtet. Die weitere Planung in punkto Finanzierung, Renovierung und Organisation des Bahnbetriebswerks bleibt dem Trägerverein in Zusammenarbeit mit der Stadt, Fachkräften, Architekten etc. überlassen, dem sicherlich auch Mitglieder des JGR angehören werden. Der JGR sieht sich jedoch weiterhin als Gremium, bei dem die Fäden zusammenlaufen könnten.
Der Ankauf des Bahnbetriebswerks von der EGH und die Bereitstellung von Mitteln zur Renovierung durch die Stadt wäre vermutlich notwendig. Danach könnte die Stadt das BBW dem Trägerverein für einen symbolischen Betrag vermieten, der von diesem Zeitpunkt an die Aufgabe hat, unter Beachtung der erstellten Prinzipien das Zentrum ohne Verlust zu betreiben.
Was nach kühnen Forderungen klingen mag, ist die einzigartige Möglichkeit, einem alten Industriedenkmal und gleichzeitig der Kulturszene Heidelbergs neues Leben einzuflößen. Damit könnte man endlich einen Schlussstrich unter die seit einem Jahrzehnt laufende Diskussion um Räume für junge Kultur ziehen und der Raumnot entgegenwirken, welche die junge Kulturszene plagt.
Raoul Klooker


