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"Vorzeigestadt beim Klimaschutz"
In der aktuellen Ausgabe 38/2019 berichtet DIE ZEIT in der Reihe "Wer rettet das Klima" über die Rolle von Heidelbergs Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner als Vorreiter und sein beispielhaftes Handeln im Bereich Umwelt- und Klimaschutz. mehr dazu

Interview OB Würzner in der hr-Sendung "alle wetter!"

Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner in der hr-Sendung "alle wetter!"
Heidelbergs Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner war am 12. August 2019 zu Gast bei der hr-Sendung "alle wetter!" und sprach dort über Heidelbergs Ziele und Maßnahmen zum Klimaschutz. zum Video

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Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner (Foto: Hentschel)
Prof. Dr. Eckart Würzner
Oberbürgermeister
Rathaus - Marktplatz 10
69117 Heidelberg
Telefon 06221 58-20100/-20110

Zeitungsartikel über Oberbürgermeister Prof. Dr. Würzner in DIE ZEIT. (Foto: Stadt Heidelberg)

Reihe "Wer rettet das Klima?": Oberbürgermeister Prof. Dr. Würzner in der Wochenzeitung DIE ZEIT

In der Reihe "Wer rettet das Klima" berichtete DIE ZEIT über Vorreiter und beispielhaftes Handeln im Bereich Umwelt- und Klimaschutz.

"Sie machen den Anfang": Der Politiker

Heidelberg gilt als Vorzeigestadt beim Klimaschutz. Das liegt am Oberbürgermeister.

Vor ein paar Monaten fiel Lena Grazé, 33, zufällig auf, dass sie in Deutschland ein Vorbild ist. In den Nachrichten hatte die Lehrerin die  »Fridays for Future«-Demonstranten gesehen, ihre Plakate, ihre Forderung nach Klimarettung. Zu Hause am Computer tippte Grazé Zahlen in einen CO2-Rechner: Sie wollte herausfinden, wie ihr ökologischer Fußabdruck aussieht. Gar nicht schlecht, stellte sich heraus, verglichen mit anderen im Land sogar ziemlich gut. Zu diesem beruhigenden Ergebnis hat Lena Grazé selbst nicht nennenswert beigetragen. Ihre Klimabilanz verdankt sie der Wohnung, auf deren Balkon sie an diesem Sommertag im Rattansessel sitzt. Drei Zimmer, Küche, Bad, für sie, ihren Mann und die anderthalbjährige Tochter. Zu Besuch bei der Familie sieht man sofort, dass sie die Ersten sind, die hier leben. Die Wände leuchten in frischem Weiß, Böden, Fliesen, Fenster sind makellos. Nur eines ist ungewöhnlich: Heizkörper sind fast nirgends zu entdecken. »Ein paar gibt es, aber die sind winzig.« Grazé deutet hinter sich ins Wohnzimmer. »Und wir machen sie nie an.«

Das Gebäude, in dem die Familie wohnt, ist ein Passivhaus. Es ist so gebaut, dass Menschen selbst bei Minusgraden im Winter in den Räumen nicht frieren. Eine Anlage filtert die Luft, sodass sie immer frisch ist und die Fenster nur selten geöffnet werden. Auf diese Weise sparen Grazés Energie – so wie auch alle anderen Bewohner in der Bahnstadt, einem Neubauviertel in Heidelberg. Es ist die größte Passivhaussiedlung der Welt, Stadtplaner kennen sie als Beispiel für gelungenen Klimaschutz.

Auf Orte wie das Zuhause der Grazés kommt es an. Denn wie Häuser saniert oder gebaut werden, auf welche Weise Bürger ihre Wohnungen heizen – auch davon hängt ab, ob die Klimaziele erreicht werden. Mehr als 60 Prozent des Kohlendioxids werden weltweit in Städten ausgestoßen. Darum forderte Bundesumweltministerin Svenja Schulze die Kommunen auf, mehr zu tun. An vielen Orten basteln Beamte an Ideen, das CO2 zu reduzieren. Städte wie Köln riefen den Klimanotstand aus.
In Heidelberg kann man über solche Maßnahmen nur lächeln. Die Stadt hat sich schon vor Jahren verpflichtet, bis 2050 die CO2-Emissionen um 95 Prozent zu reduzieren, den Energiebedarf will sie um die Hälfte senken.

Manchen geht auch das noch nicht weit genug. Doch in Heidelberg ist schon auf der Straße zu erkennen, was in anderen Orten höchstens in guten Vorsätzen zu lesen ist: Einige Hundert Meter hinter Lena Grazés Wohnhaus verläuft ein neuer Radschnellweg. Er gehört zum städtischen Verkehrskonzept, mit Elektrobussen, Fahrradbrücken, erweiterten Bahnstrecken. Ein paar Kilometer weiter werkeln Bauarbeiter an einem riesigen Wärmespeicher. Er soll das Wasser warm halten, um Energie zu sparen, wenn Grazé und ihre Nachbarn gleichzeitig duschen wollen. Auch außerhalb der Bahnstadt, an der Universität, in Betrieben und in der Verwaltung wurde dafür gesorgt, dass Mitarbeiter weniger CO2 verbrauchen. Allein bei den städtischen Gebäuden konnte der Energieverbrauch um die Hälfte gesenkt werden. Warum aber klappt, was so viele fordern, ausgerechnet in Heidelberg schon jetzt so gut?

Egal wen man fragt – den Bauleiter des Energiespeichers, den Planer der Bahnstadt, die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung –, sie alle erzählen von Eckart Würzner. Der ist hier Oberbürgermeister.
Er war es, der die Pläne zur Bahnstadt umsetzte, die vor seinem Amtsantritt seit Jahren unangetastet in der Schublade schlummerten. Er sorgte dafür, dass die Stadt jene Unternehmen fördert, die das Klima schonen. Und er war es, der Heidelberg zusammen mit 19 anderen Kommunen vor sieben Jahren zur Modellstadt machte, beim »Masterplan 100 Prozent Klimaschutz« des Umweltministeriums.

Eckart Würzner sitzt im Rathaus auf einem Ledersessel. Die Beine ausgebreitet, die Hände auf die Knie gestützt, lobt er sich selbst: »Bei solchen Projekten kommt es immer auf die political leadership an.« Er schiebt später nach, dass »viele Menschen hier in der Stadt« mitgeholfen hätten. In Heidelberg scheint man sich einig: Wenn es einen Klimahelden in der Stadt gibt, dann ist es der Bürgermeister. Mit den akkurat gebügelten Anzugfalten wirkt Würzner nicht wie der klassische Öko-Pionier. Er ist parteilos. Ins Rathaus kam er 2006 mithilfe der CDU und der FDP. »Parteipolitisch bin ich sicher kein Grüner, aber inhaltlich.« Wie kommt es, dass gerade er die Klimapolitik vorantreibt?

Eckart Würzner erzählt, er habe sich schon in seinem Geografie- und Jura-Studium für die Umwelt interessiert. Damals war das Waldsterben ein großes Thema, und er schrieb seine Doktorarbeit über die Auswirkungen von Umweltgiften. Im Rathaus übernahm er Jahre später den Posten des Umweltfachberaters. Als er schließlich ins Büro des Bürgermeisters umzog, war klar, dass die Natur auch in diesem Job sein Thema bleiben wird. Nach beinahe drei Amtsperioden hat das Folgen. Die Menschen beschreiben ihn als »Macher«, als einen, »der es anpackt«. Ein Angestellter in der Verwaltung sagt: »Er führt die Stadt wie ein CEO.« Würzner treibe Projekte voran, statt sie bloß zu verwalten – notfalls mit ungewöhnlichen Mitteln.

Zum Beispiel im Jahre 2006, als das Projekt »Passivhaussiedlung in der Bahnstadt« zu scheitern drohte. Damals fehlten Investoren. Also gründete der Bürgermeister mit der Heidelberger Sparkasse, einer Städtischen Wohnungsbaugesellschaft und der Landesbank Baden-Württemberg eine kommunale Entwicklungsgesellschaft, und man kaufte die vorgesehene Fläche selbst. Die Stadt investierte 300 Millionen Euro. In nicht einmal zehn Jahren wurden hier Wohnungen für bislang 4319 Menschen gebaut und Büros für knapp 3000 Arbeitsplätze. Nicht jedem im Rathaus gefällt Würzners Vorgehen. »Manche stöhnen über seine zahlreichen Pläne«, erzählt ein Mitarbeiter der Stadt. 

Vermutlich liegt es aber gerade an dieser Art, dass Würzner in Heidelberg noch mehr geschafft hat. Man erfährt es, wenn man Lena Grazé auf dem Balkon länger zuhört. Wie vielen ihrer Nachbarn war auch ihr der ökologische Fußabdruck ziemlich egal, als sie vor fünf Jahren den Mietvertrag unterschrieb: »Neubau, Erstbezug, das war für uns entscheidend.« Und doch stellte die Familie ihren Lebensstil nach und nach um. Die meisten Wege geht Grazé heute zu Fuß. Die Kita ihrer Tochter liegt nur wenige Minuten entfernt. Um die Ecke gibt es Ärzte, Bäcker, Spielplätze. Neuerdings auch ein Passivhaus-Kino und eine ökumenische Kirchengemeinde. »Außer zur Arbeit brauche ich das Viertel kaum noch zu verlassen«, sagt Grazé. Fährt sie doch einmal zum Shoppen in die Innenstadt, lässt sie den Golf inzwischen daheim. »Hier gibt es eine neue Haltestelle.« Die Bahn ist komfortabler.

Der Bürgermeister hat einen Weg gefunden, jene zu erreichen, die (genau wie er selbst) auf den ersten Blick nicht ins Klischee des Öko-Pioniers passen. Würzner machte den CO2-Verbrauch einfach unattraktiv.

Von LAURA CWIERTNIA

Artikel erschienen in der Ausgabe 38/2019 der überregionalen Wochenzeitung DIE ZEIT. 

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