Logo facebook Logo Twitter Logo YouTube Logo RSS Logo YouTube Logo Instagram

Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar im Rathaus

Verfolgte Homosexuelle stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung mit Gastredner Volker Beck

Die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Die Stadt Heidelberg erinnert daher am Sonntag, 27. Januar 2019, – dem bundesweiten Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – um 12 Uhr im Großen Rathaussaal, Marktplatz 10, 69117 Heidelberg, mit einer Gedenkfeier an die Opfer der NS-Terrorherrschaft. In diesem Jahr steht im Mittelpunkt der Veranstaltung die Erinnerung an homosexuelle Mitmenschen, die unter Gewalt litten. Alle Interessierten sind zu der öffentlichen Gedenkveranstaltung im Rathaus herzlich eingeladen.

Nach dem Empfang und der Rede von Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner wird als Gastredner der Grünen-Politiker Volker Beck sprechen. Er gehörte von 1994 bis 2017 als Abgeordneter dem Deutschen Bundestag an. Von 1991 bis 2004 war er Sprecher des (Lesben- und) Schwulenverbandes in Deutschland (L)SVD e.V. Seit vielen Jahren setzt sich Beck für die Entschädigung aller Opfer des Nationalsozialismus sowie ein angemessenes Gedenken ein. Er wirkte unter anderem bei der Errichtung eines Denkmals im Berliner Tiergarten für in der NS-Zeit verfolgte Homosexuelle mit.

Zeitzeugen berichten vom fortbestehenden Unrecht in der frühen Bundesrepublik

Daneben werden die Zeitzeugen Klaus Schirdewahn und Helmut Kress sowie die Historikerin Claudia Weinschenk berichten, wie in Deutschland auch nach Ende der NS-Zeit in der früheren Bundesrepublik noch Homosexuelle unter Verfolgung leiden mussten. Im Anschluss der Gedenkstunde besteht die Möglichkeit, mit der Historikerin Ilona Scheidle (lesbisch-schwule Geschichtswerkstatt Heidelberg-Ludwigshafen-Mannheim) und dem Historiker Karl-Heinz Steinle (Universität Stuttgart) ins Gespräch zu kommen.

Der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches stellte sexuelle Handlungen zwischen Männern seit 1871 unter Strafe. Die Nationalsozialisten verschärften diesen 1935 mit einer Anhebung der Höchststrafe von sechs Monaten auf fünf Jahre Gefängnis. Zwischen 1933 und 1945 wurden rund 50.000 Männer wegen Homosexualität abgeurteilt – circa 5.000 bis 6.000 von ihnen kamen in ein Konzentrationslager, wo sie durch einen rosa Winkel gekennzeichnet wurden. Homosexuelle Frauen wurden im Nationalsozialismus ebenfalls in Konzentrationslager deportiert, in Psychiatrien eingewiesen, entmündigt, zwangssterilisiert oder Opfer sexueller Gewalt. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) führte Listen über lesbische Frauen.

Der Paragraf 175 wurde im geltenden Recht der Bundesrepublik fortgeführt und – nach Reformierungen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre, die mit deutlichen Rückgängen von Verurteilungen einhergingen – erst 1994 gänzlich gestrichen. Insgesamt wurden circa 140.000 Männer nach diesem Paragraf verurteilt. Es dauerte gar bis in das Jahr 2017, bis nahezu alle wegen homosexueller Handlungen verurteilten Personen strafrechtlich rehabilitiert wurden. Auch das Unrecht gegen lesbische Frauen wurde fortgeführt: So verloren lesbische Frauen noch bis in die 1980er Jahre hinein das Sorgerecht für ihre Kinder.

Hintergrund

Am 27. Januar jährt sich die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Jahre 1945. Roman Herzog hat 1996 als damaliger Bundespräsident den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ins Leben gerufen. Die Stadt Heidelberg gedenkt jährlich der NS-Opfer mit einer Veranstaltung, bei der jeweils andere Gruppen von Verfolgten im Mittelpunkt stehen.