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Anna, Jana und Romie auf Spurensuche in Shanghai

Stadtarchiv mit außergewöhnlichem Projekt in den chinesischen Medien

Die IGH-Schülerinnen Jana Hahn, Anna Schlemmer und Romie Niedermayer Am Tag der Ausstellungseröffnung im Jewish Refugees Museum (Foto: Stadtarchiv Heidelberg)
Die IGH-Schülerinnen Jana Hahn, Anna Schlemmer und Romie Niedermayer Am Tag der Ausstellungseröffnung im Jewish Refugees Museum

„Last Refuge: Shanghai“: Circa 20.000 Juden überlebten den Holocaust in Shanghai. Diesem Thema widmet das Archiv zunächst eine Ausstellung und eine Spurensuche. In Kooperation mit Jewish Refugees Museum, Shanghai Municipal Archives, Konfuzius Institut an der Universität Heidelberg und weiteren Institutionen.

Ausgangsbasis ist der von dem langjährigen Wahlheidelberger Dr. Steven Less verwahrte Nachlass des Vaters. John (Hans) Less floh mit den Eltern vor der nationalsozialistischen Bedrohung nach Shanghai. Was der Teenager und Twen im Shanghaier Exil erlebte und ein Leben lang bis ins hohe Alter beschäftigen sollte, findet in unzähligen Skizzen, Aquarellen, Gemälden, aber auch schriftlichen Zeugnissen des später in den USA erfolgreichen Werbegrafikers signifikanten Ausdruck.

Die Ausstellung schöpft aus diesem eindrucksvollen Lebenswerk und ruft eine äußerst entbehrungsreiche Zeit in Erinnerung. Und die Schau verweist darauf, dass - obschon die im Ghetto zusammengedrängten jüdischen Flüchtline unvermeidlich den ohnehin schon kargen Lebensraum der ansässigen chinesischen Wohnbevölkerung Hongkous zusätzlich belasteten - von der chinesischen Bevölkerung keinerlei verbale oder gar tätliche Intoleranz ausging! Eine beispielhafte menschliche Haltung, an die gerade vor dem Hintergrund der Migrationsdiskussion in Deutschland erinnert wird, die seit Halle eine neue Dimension erreicht hat.

Die Heidelberger Gruppe bei der Ausstellungseröffnung mit Generalkonsulin Dr. Christine Althauser in der Mitte (Foto: Stadtarchiv Heidelberg)
Die Heidelberger Gruppe bei der Ausstellungseröffnung mit Generalkonsulin Dr. Christine Althauser in der Mitte

Die Ausstellung wurde am 5. September im Jewish Refugees Museum feierlich eröffnet. Wobei die deutsche Generalkonsulin Dr. Christine Althauser mit ihrem Erscheinen und ihrer Ansprache die Heidelberger Ausstellung aktuell aufgewertet hat. Neben chinesischen Medienvertreter/-innen waren dazu auch zahlreiche Kolleg/-innen mit Heidelberg langjährig befreundeter Archive in Nanjing, Shanghai und Wuxi eigens ins einstige jüdische Ghetto nach Hongkou gekommen

Die Ausstellung des Archivs begleiteten Dr. Steven Less sowie drei Oberstufenschülerinnen der Internationalen Gesamtschule nebst ihrem Lehrer Christian Jäcklin. Den knapp einwöchigen Aufenthalt in Shanghai hat das Stadtarchiv gewissermaßen als historische Spurensuche ausgestaltet. Das abwechslungsreiche wie dichte Programm (siehe Ablaufplan) führte die kleine Heidelberger Delegation zu früheren Wohn- und Aufenthaltsorten von John Less und seinen Leidensgenoss/-innen in den Stadtteil Hongkou.

Freundliche Begegnung mit einer heutigen Bewohnerin des einstigen Ghettos (Foto: Stadtarchiv Heidelberg)
Freundliche Begegnung mit einer heutigen Bewohnerin des einstigen Ghettos

Ungeachtet überall in Shanghai virulenter Bodenspekulation haben sich dort Straßenzüge und Winkel mit teils überraschend originaler Anmutung erhalten. Die dort vielfach noch heute herrschenden Lebensbedingungen erlaubten erstaunlich häufig ein Hineinversetzen in die damalige, von Not und Unsicherheit beherrschte Lebenswelt. In nur scheinbarem Gegensatz dazu erlebten die Schülerinnen die oft ansteckende Freundlichkeit der heute dort lebenden Menschen.

Abgesehen von dem Eintauchen in den früheren „arme-Leute-Distrikt“ Hongkou lernten die Schülerinnen beim Besuch unterschiedlicher Einrichtungen - Archive, Museen, Dokumentationstellen, aber eben auch moderner städtebaulicher Highlights - die Geschichte Shanghais wie ebenso die moderne 23-Millionen-Metropole kennen. Eine Tagesexkursion zum weltgrößten, zudem automatisierten Tiefseecontainerhafen Yangshan und der vom Hamburger Stararchitekten Meinhard von Gerkan entworfenen Future City Lingang ließ zudem auch die ungeheure Dynamik und Wirtschaftskraft des heutigen China erkennen.

Tafel Nr.1 der Heidelberger Archivausstellung (Foto: Stadtarchiv Heidelberg)
Ausstellung Tafel 1

Zurück in Heidelberg erfolgt nun die Nachbereitung der Reise. Demnächst sollen die drei IGH-Schülerinnen über die Studienexkursion des Archivs im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung berichten, zu der der chinesische Generalkonsul in Frankfurt, der das Projekt von Beginn an unterstützt hatte, sein Kommen bereits zugesagt hat. - Einstweilen verbreitet die chinesische staatliche Nachrichtenagentur Xinhua auf ihrer Homepage einen auf Interviews fußenden Artikel über das Aufsehen erregende Heidelberger Projekt.
(Alle Fotos: Stadtarchiv Heidelberg)

Nachrichtenagentur Xinhua

Shanghai Exkursion Ablaufplan (137,2 KB)