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Patrick-Henry-Village: Stadt Heidelberg kann bald Grundstücke von der BImA kaufen

Erste Entwicklungsflächen festgelegt / Vorbereitung für Sanierung erster Wohnungen gestartet

2024 ist für die Entwicklung des Patrick-Henry-Village (PHV) ein Meilenstein-Jahr: Die Stadt Heidelberg kann bald die ersten Grundstücke von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) kaufen. Die Gespräche dafür sind auf der Zielgeraden und sollen in diesem Jahr zum Abschluss kommen. Die BImA wird auch nach dem Ankauf ein wichtiger Partner bleiben. Denn die Bundesanstalt wird einige Flächen selbst entwickeln und damit noch in diesem Jahr starten. Auf PHV sollen rund 10.000 Menschen leben und 5.000 Arbeitsplätze entstehen. Grundlage der Entwicklung ist der dynamische Masterplan, den der Gemeinderat im Juni 2020 beschlossen hat. Er sieht rund 5.350 Wohnungen vor. Baubeginn für die ersten 550 Einheiten soll noch 2024 sein.

 „Mit dem Patrick-Henry-Village bietet sich für Heidelberg die Chance, einen kompletten Stadtteil neu zu entwickeln. Wie auch bei der Bahnstadt und dem Mark-Twain-Village gehen wir als Stadt in die Rolle als Entwicklerin und planen mit vielen Partnern ein Quartier, das Vorbildcharakter für den Städtebau im 21. Jahrhundert haben wird. Bezahlbares Wohnen, klimafreundliche Energieproduktion und Mobilität, ressourcenschonendes Bauen und nachhaltiger Konsum – wir werden hier die großen Themen unserer Zeit für eine zukunftsfähige Stadt bearbeiten. Das wird angesichts der angespannten Haushaltslage bei Bund, Land und Kommunen eine enorme Herausforderung und wir müssen den Zeitplan sicherlich flexibel halten. Aber Heidelberg ist eine wachsende Stadt, der Bedarf ist da und ich freue mich sehr, dass die Entwicklung startet“, sagte Oberbürgermeister Eckart Würzner bei einem Pressegespräch auf dem Areal am Montag, 22. Januar 2024.

Gruppenfoto vor Gebäuden
Stadt Heidelberg und BImA haben festgelegt, wer künftig welche Flächen entwickelt: Oberbürgermeister Eckart Würzner (2. v. r.) und Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck (r.) präsentieren mit Susanne Dübon und Philipp Menges von der BImA die Aufteilung der Entwicklungsflächen. (Foto: Philipp Rothe)

„Wohnen, Mobilität, Umwelt, Energie, Stoffkreislauf – das sind nur einige Bereiche, mit denen wir uns intensiv beschäftigt haben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen der Stadtverwaltung sind im kontinuierlichen Einsatz, um die Planung auf PHV voranzutreiben. Dafür sind wir in engen Abstimmungen mit der BImA und auch dem Land Baden-Württemberg, vor allem mit Blick auf das Ankunftszentrum. Aktuell belegt es noch ein großes Areal im Zentrum von PHV. Wir benötigen daher einen schnellen Neubau der Gebäude, um die bisher blockierten Flächen im Herzen des Stadtteils entwickeln zu können. Bis dahin konzentrieren wir uns auf den südlichen Teil“, erklärte Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck.

Erste Entwicklungsflächen im Süden: BImA und Stadt haben sich geeinigt

Wer künftig welche Flächen entwickelt, darauf haben sich die Stadt Heidelberg und BImA kürzlich geeinigt. Konkret geht es um die Flächen im Süden PHVs, die in Richtung der Bundesstraße 535 liegen. Die BImA entwickelt vorrangig die südlichen Baufelder (Teilflächen von B2/B3/B4, siehe Plan). Die Stadt erwirbt acht Baufelder mit fünf Bestandsgebäuden und für drei Neubauten (auf Baufeldern B3/B4). Die Flächen sind insgesamt 2,4 Hektar groß. In den fünf Bestandsgebäuden, die die Stadt kaufen möchte, können rund 150 Wohnungen geschaffen werden, unter anderen auch für Wohngruppen und studentisches Wohnen. Darüber hinaus baut die Stadt auf diesen Flächen soziale Infrastruktur (Kita/Schule) und bietet Platz für kleinere Gewerbeeinheiten.

Grafik zum Bebauungsplan
Im Süden PHVs hin zur B 535 liegen die Baufelder B3 und B4, die derzeit noch der BImA gehören. Die Stadt Heidelberg plant dort, fünf Bestandsgebäude zu kaufen sowie drei Neubauten zu errichten (siehe in rot), sobald sie Eigentümerin der Flächen ist.  (Grafik: Stadt Heidelberg)

Gespräche mit möglichen Interessenten sollen parallel mit dem Abschluss der BImA-Verhandlungen bzw. der Flächenverfügbarkeit starten. Danach kann die Entwicklung im südlichen Bereich starten. Erster Schritt wird insbesondere der Rückbau nicht mehr benötigter Gebäude und Infrastruktur sowie daran anschließend der Aufbau der neuen Infrastruktur, unter anderem für Energie und Straßen, sein.

BImA entwickelt rund 550 Wohnungen

„Wir haben ein klares Ziel vor Augen: Insgesamt wollen wir in den nächsten Jahren rund 550 Wohnungen im preisgedämpften Segment auf den Baufeldern B2 bis B4 schaffen. Begonnen wird nun in der südlichsten Zeile mit der Aufstockung und Sanierung von zwei Gebäuden. Das Vergabeverfahren läuft bereits seit Dezember 2023 und wir sind guter Dinge, dass die Bauarbeiten - nach dem Genehmigungsverfahren und den Werkplanungen – noch in diesem Jahr beginnen können“, sagt Susanne Dübon, Leiterin der zuständigen Hauptstelle Portfoliomanagement der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Die BImA startet ihre Entwicklung im Süden von PHV in Richtung der Bundesstraße 535 (Baufelder B3/B4). Es entstehen dort rund 550 Mietwohnungen verschiedener Größen für bis zu rund 1.400 Menschen – vom kleinen Ein-Zimmer-Appartement bis zur geräumigen Familien-Bleibe mit fünf Zimmern. Rund 200 der 550 Wohnungen sind Bestandswohnungen in elf Gebäuden, die saniert werden sollen. Die restlichen über 300 Wohnungen werden neu geschaffen, in Neubauten sowie durch Aufstockungen und Dachausbauten in Bestandsgebäuden.

Die BImA plant, das erste Bauvorhaben Mitte des Jahres 2024 zu beauftragen. Bis ins Jahr 2028, so der aktuelle Plan, soll ein Großteil der Wohnungen fertiggestellt sein. Geplant ist, dass sich die Mietkosten im preisgedämpften Segment am unteren Rand der ortsüblichen Miete bewegen. Die Wohngebäude der BImA werden zu 100 Prozent preisgedämpft vermietet und dauerhaft im BImA-Vermögen verbleiben. Sanierung und Neubau kosten voraussichtlich einen unteren dreistelligen Millionenbetrag, so eine grobe aktuelle Schätzung.

Wohnraum für alle

Kernziel der Stadtteilentwicklung von PHV ist die Schaffung von Wohnraum für alle. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem preisgünstigen Segment. Gleichzeitig sollen Angebote für junge Familien, Starterhaushalte (Studierende und Auszubildende) und Senioren entstehen. Damit das gelingt, hat die Stadt Heidelberg mit dem Gemeinderat und Experten aus der Wohnungswirtschaft ein wohnungspolitisches Konzept entwickelt. Das gibt vor, dass die Hälfte der Wohnungen auf PHV preisgünstig angeboten werden soll. Das Verhältnis von Mietwohnungen und Eigentum liegt bei 50:50. Alle Wohnungsgrößen sollen vertreten sein. Das Konzept geht von insgesamt rund 5.350 Wohnungen auf PHV aus.

Besonders groß ist das Interesse an gemeinschaftlichen Wohnformen. Mit der Ansiedlung von Wohnprojekten und Baugruppen auf PHV soll die Vielfalt an Bauträgern und Wohnformen sowie eine kleinteilige Flächenentwicklung gefördert werden. Ein Netzwerktreffen für Interessierte am gemeinschaftlichen Wohnen findet am Donnerstag, 8. Februar 2024, in der Chapel (Südstadt) statt.

Urban Mining

Auf PHV plant die Stadt Heidelberg das Konzept des Urban Mining, dem sogenannten „Bergbau in der Stadt“, in die Praxis umsetzen. Das Pilotprojekt mit dem Namen „Circular City Heidelberg“ folgt dabei dem Motto: Die heutigen Gebäude sind die Rohstoffe von morgen. Bestandsgebäude, die nicht umgenutzt werden können, dienen dabei als Rohstofflager für neue Gebäude.

Auf PHV wurden Gebäude anhand eines entwickelten Konzepts nach Alter, Größe und Bauweise analysiert. So konnten Daten erfasst werden, aus denen hervorgeht, welche Materialien verbaut wurden. Diese helfen, Verwertungswege für die Materialien bereits vor dem Rückbau zu finden und diese so in neuen Projekten einzusetzen. So kann Abbruchmaterial beispielsweise für den Straßenbau genutzt werden – das wurde bereits am Heidelberg Innovation Park (hip) umgesetzt.

Mobilität: Anbindung und Parkway

Eine erste Busverbindung gibt es mit der Linie 717, die PHV im 30-Minuten-Takt anfährt und an den Heidelberger Hauptbahnhof und an Speyer anbindet. Darüber hinaus besteht montags bis samstags zwischen 6 und 23.30 Uhr stündlich eine Anbindung mit der Ruftaxilinie 1011, sonn- und feiertags zwischen 11 und 23.30 Uhr. Das ÖPNV-Angebot wird in Zukunft weiter ausgebaut. Die Anbindung mit einer Straßenbahn oder Seilbahn wird derzeit untersucht

Die zentrale Verkehrsader von PHV wird der sogenannte Parkway. Die geschwungene, ringförmige Straße, die so geplant wird, dass bestehende Großbäume weitestgehend berücksichtigt und erhalten werden können, erschließt den neuen Stadtteil. Der Parkway wird allen Verkehrsteilnehmenden zur Verfügung stehen. Der öffentliche Nahverkehr ist auf einer Spur untergebracht, auf einer anderen liegt eine Fahrradstraße. Radfahrende haben dort Vorfahrt vor Autos. PHV soll ein stellplatzfreies, autoarmes, aber nicht autofreies Quartier werden. Es wird möglich sein, die Gebäude mit dem Auto anzufahren, um beispielsweise mobilitätseingeschränkte Personen abzuholen oder Einkäufe zu transportieren. Sämtliche Fahrzeuge finden in Quartiersgaragen einen Platz zum Abstellen.

Wettbewerb für Neubau des Ankunftszentrums

Das Ankunftszentrum für Geflüchtete des Landes Baden-Württemberg, das derzeit im Zentrum von PHV liegt, wird auch künftig auf PHV verbleiben und in den neuen Stadtteil integriert. Dafür ist ein Neubau im Norden auf zwei jeweils an den Parkway angrenzenden Flächen geplant.
Bauherr des neuen Ankunftszentrums ist das Land. Derzeit läuft ein zweistufiger städtebaulicher Wettbewerb für den Neubau. Die Ergebnisse werden im März und abschließend im Juli 2024 erwartet. Danach soll die Konkretisierung der Ergebnisse, die Schaffung von Baurecht und die Umsetzung erfolgen.

Der Neubau soll so zügig wie möglich umgesetzt werden, damit die Stadt die aktuell blockierten Flächen entwickeln kann. Dabei ist der Stadt auch wichtig, die Wegeführung des von der Speyerer Straße zu PHV führenden Graswegs durch PHV zu verlängern. Der Grasweg wird momentan als Zufahrt für das Ankunftszentrum genutzt. Dieser soll als weitere Fahrradanbindung für das PHV geöffnet werden und ist auch als Zufahrt zu künftigen Baustellen unbedingt nötig. Das Land hat diesen Änderungen in Gesprächen mit der Stadt zugestimmt. Spätestens mit Bezug der ersten Bewohner im Süden von PHV soll dieser Zugang öffentlich nutzbar sein.

Umwelt- und Energiekonzept/Freiraumplanung

Die Planung eines innovativen Freiraums, gekoppelt mit klimaneutraler Energieversorgung, zeichnet den neuen Stadtteil aus: Es werden viele neue Freiräume geschaffen, die quer durch das Quartier von Ost nach West führen. Diese werden „Grüne Finger“ genannt. Sie bilden ein diverses Freiraumnetz aus Gärten, naturnahen Flächen, Spiel- und Gemeinschaftsflächen und sind gleichzeitig Frischluftschneisen. Besonders entscheidend für das Ökosystem auf PHV ist auch, dass die Wasserkreisläufe konsequent nachhaltig sind. Das Prinzip einer Schwammstadt, in der das Regenwasser vor Ort versickert, soll hier umgesetzt werden.

Ergänzend:
Weitere Informationen zur PHV-Entwicklung gibt es im Internet unter www.phv-verbindet.de, auch eine Video-Serie aus der PHV-Planungswerkstatt.

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