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Stadt will Kreativschaffende verstärkt bei der Suche nach temporären Arbeitsräumen unterstützen

Agentur für Zwischennutzung hat ihre Arbeit aufgenommen

Der „FensterPlatz“ ist ein Paradebeispiel für die Zwischennutzung leerstehender Räume in Heidelberg: Das ehemalige Pförtnerhäuschen der Heidelberger Druckmaschinen AG in der Kurfürsten-Anlage 58 ist Schaufenster, Workshopraum, Coworking Space und Treffpunkt für Heidelbergs Kreativwirtschaft. (Foto: Kehrel)
Der „FensterPlatz“ ist ein Paradebeispiel für die Zwischennutzung leerstehender Räume in Heidelberg: Das ehemalige Pförtnerhäuschen der Heidelberger Druckmaschinen AG in der Kurfürsten-Anlage 58 ist Schaufenster, Workshopraum, Coworking Space und Treffpunkt für Heidelbergs Kreativwirtschaft. (Foto: Kehrel)

Kreativschaffende, die Projektideen umsetzen oder den Sprung in die Gründung eines eigenen Unternehmens wagen wollen, brauchen vor allem eines: möglichst kurzfristig bezahlbare Arbeits- und Produktionsräume. Mit einer Agentur für Zwischennutzung will die Stadt Heidelberg Kreative und Künstler deshalb bei der Suche nach temporär leerstehenden privaten und öffentlichen Räumen und Immobilien unterstützen. Die Mitglieder des neugewählten Heidelberger Gemeinderats werden darüber in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 18. September 2019 informiert.

„Wir wollen Zwischennutzungen unkompliziert ermöglichen, fachlich begleiten und mehr bezahlbare Arbeits- und Produktionsräume für Kreative und Künstler in unserer Stadt schaffen, um sie auch langfristig hier zu halten“, sagt Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner. „Durch die kreative Belebung leerstehender Räume profitieren nicht nur Kreativschaffende, sondern auch Eigentümer von Immobilien, die dadurch nachteilige Leerstände überbrücken können und die Stadtgesellschaft, die neue Dienstleistungen, urbane Formate und künstlerische Trends für sich entdecken kann“, so Würzner.

„Wir sprechen hier von einer Branche mit großem Wachstumspotenzial. In Heidelberg zählt bereits jedes zwölfte Unternehmen zur Kultur- und Kreativwirtschaft. Seit 2013 ist der Umsatz der Kultur- und Kreativunternehmen in Heidelberg um knapp 20 Prozent gestiegen. Insgesamt haben die rund 900 Betriebe im Jahr 2017 über 720 Millionen Euro Umsatz gemacht. Der wirtschaftliche Aspekt ist aber nur eine Seite. Kultur- und Kreativschaffende sorgen mit ihren Ideen, Produkten und Dienstleistungen auch immer für eine Belebung und Aktivierung urbaner Quartiere. Ihre Impulse bereichern das Umfeld“, erklärt Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck.

Immobilieneigentümer mit leerstehenden Objekten und Kreative mit konkreten Geschäfts- und Projektideen sind ab sofort aufgerufen, sich bei Interesse an der Vermietung oder Anmietung von Räumen an die Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt Heidelberg zu wenden. Den Auftrag, Zwischennutzungen zu ermöglichen und neue Räume für Kreativschaffende zu entwickeln, gab im vergangenen Dezember der Heidelberger Gemeinderat. Zur Unterstützung und Umsetzung des Leerstandsmanagements in Heidelberg hat die Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft eine externe Agentur beauftragt: Die „Superworkgroup“, eine Arbeitsgemeinschaft der Breidenbach GmbH und der Yalla Yalla! GbR, hat zum 1. Juli 2019 ihre Arbeit aufgenommen.

Lokale Agentur mit Expertise und Netzwerk

Die Arbeitsgemeinschaft überzeugte in einem zweistufigen Vergabeverfahren durch ihre fachliche Expertise in der Umsetzung von Zwischennutzungsprojekten. „Mit der Unternehmerin Shiva Hamid und dem Architekten Wulf Kramer haben wir erfahrene und äußerst kompetente Akteure gewinnen können, die über gute Kontakte sowohl zur Kultur- und Kreativwirtschaft als auch zu Immobilienunternehmen in Heidelberg verfügen“, erklärt die Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik Dr. Gabriela Bloem.
Die Breidenbach GmbH ist seit 2011 am Standort Heidelberg und in der Rhein-Neckar-Region als Betreiberin von fünf Coworking-Spaces tätig. In den „breidenbach studios“ in der Hebelstraße 18 startete das junge Team um Shiva Hamid, Enno Fedderken und Birk Bauer 2011 mit der künstlerischen Aktivierung und kreativen Umnutzung einer leerstehenden Gasflaschenfabrik. In den bis heute befristet genutzten „breidenbach studios“ entstanden fortan nicht nur günstige Ateliers und Werkstätten für lokale und internationale Künstlerinnen und Künstler, sondern auch der kollaborative Gedanke zur Transformation von Räumen durch kreatives Potential. Das spiegelt sich auch in der Gestaltung und Einrichtung der eigens vermieteten Arbeitsräume wider. Der 2018 eröffnete Coworking-Space „B_Fabrik“ in der Bergheimer Straße 104 wurde etwa durch das Büro für Architektur und Innenarchitektur „Yalla Yalla! – studio for change“ entworfen.

Als Experten für die Umsetzung von Zwischennutzungsprojekten sind auch die beiden Architekten Wulf Kramer und Robin Lang, Geschäftsführer von Yalla Yalla! – studio for change, in der Region bekannt. Das Kreativunternehmen wurde 2014 in Mannheim gegründet und betreibt seit Frühjahr 2018 bereits das Leerstands- und Zwischennutzungsmanagement der Stadt Mannheim. Für die Heidelberger Zwischennutzungsagentur arbeiten beide Unternehmen nun zusammen. 

Kick-Off-Veranstaltung am 5. November

Am 5. November ab 19 Uhr stellt sich die Zwischennutzungsagentur im Rahmen einer Kick-Off-Veranstaltung interessierten Immobilienentwicklern und Kultur- und Kreativschaffenden vor. Der genaue Ort wird noch bekannt gegeben. Die offizielle Begrüßung wird ab 19 Uhr durch Ersten Bürgermeister Jürgen Odszuck erfolgen. Interessierte haben an diesem Abend die Möglichkeit, die Zwischennutzungsagentur kennenzulernen und erste Projektideen einzubringen.

Zwischennutzung fördert nachhaltige Wirtschafts- und Stadtentwicklung

Als Zwischennutzung werden zeitlich befristete Übergangsnutzungen von leerstehenden Gewerbe-/Büro- oder Ladenflächen bezeichnet. Zwischennutzungen dienen als Instrument zur Aktivierung von brachliegenden Flächen, denn Leerstände stellen ein Problem für eine positive Stadtentwicklung dar. Zwischennutzungen im Rahmen von kurzfristigen künstlerischen Projekten, temporären Pop-up-Stores oder auch mittelfristigen Nutzungen durch Kreativunternehmen unterstützen damit nicht nur die prosperierende Kultur- und Kreativwirtschaft, sondern auch die Entwicklung von Quartieren und Stadtteilen.

In Heidelberg konnten in den letzten Jahren vereinzelt Zwischennutzungsprojekte umgesetzt werden, etwa die breidenbach studios in der Hebelstraße 18 oder die Zwischennutzung des ehemaligen Gebäudes der Heidelberger Druckmaschinen AG in der Kurfürsten-Anlage 52-58. Seit Sommer 2016 haben hier mehrere Kleinunternehmen und Selbständige aus der Kultur- und Kreativwirtschaft temporäre Arbeitsplätze bezogen.

Mit der neuen Agentur für Zwischennutzung in Heidelberg sollen in Zukunft zusätzliche temporäre Nutzungen von Räumen und Zwischennutzungsprojekte ermöglicht und umgesetzt werden. Profitieren sollen vor allem junge Kultur- und Kreativschaffende mit geringen finanziellen Ressourcen sowie Start-ups in diesem Bereich. Aber auch andere Klein- und Kleinstunternehmen sowie Kreativunternehmen in der Wachstumsphase können durch Zwischennutzungen und günstigere Mieten für Arbeitsräume in Heidelberg stark profitieren.

Zu den Wirtschaftsbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft gehören die elf Teilmärkte Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Darstellende Kunst, Designwirtschaft, Architekturmarkt, Pressemarkt, Werbewirtschaft sowie die Software- und Gamesindustrie.

Kontakt: Stabsstelle Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt Heidelberg, E-Mail: kreativwirtschaft@heidelberg.de, Telefon 06221 58 21520/-21.

(Erstellt am 30. September 2019)