20 Jahre Diskussion über Kongresszentrum in Heidelberg
Seit nunmehr 20 Jahren wird in Heidelberg über die Errichtung eines modernen Kongresszentrums diskutiert. Dabei wurden verschieden Standorte und Investorenmodelle geprüft. Eindeutiges Ergebnis: eine Erweiterung und Modernisierung der Stadthalle ist die beste Lösung, sowohl was die Kosten als auch die Attraktivität des Standorts anbelangt.
Die Chronologie der bisherigen Planungen und Diskussionen im Überblick
- 1989: „Probleme bei Veranstaltungen und Kongressen“
Ein Gutachten der Kultur-Congressbau-Consult (KCC) attestiert der Heidelberger Stadthalle 1989 „Defizite im Bereich der Tagungsorganisation“ und „räumliche Probleme bei Veranstaltungen und Kongressen“.
- 1995: Standortsuche beginnt
Insgesamt elf Standorte für ein neues Veranstaltungszentrum werden geprüft. Eine vertiefende Untersuchung nimmt fünf Standortvarianten in die engere Wahl:
- Berliner Straße (Westseite in Höhe des Bunsengymnasiums)
- Nordbrückenkopf der Ernst-Walz-Brücke (Grünfläche östlich der Berliner Straße)
- Bahninsel zwischen Hauptbahnhof und Czernyring (Bahnstadt)
- Stadthalle
- Poststraße (Tiefgarage)
- 1996: Ausschreibung für drei Standorte
Die Prüfung und Bewertung der Standorte führt zu einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderates vom 25. Juli 1996, eine Ausschreibung mit drei Standortvarianten durchzuführen: ehemalige Hauptpost, Schlosshotel und Stadthalle. Die öffentliche Ausschreibung erfolgt im September 1996, Sieger ist die Firma Holzmann Projekt AG, die das Projekt wegen kurz darauf erfolgender Insolvenz nicht verwirklichen kann.
- 2000: Zweite Ausschreibung
Nach einer Marktanalyse durch die Firma Arthur Andersen wird das Konferenzzentrum im August 2000 erneut öffentlich ausgeschrieben, diesmal nur für den Standort Hauptbahnhof. Im Dezember 2002 ergeht der Zuschlag an die Firma Bouygues Deutschland. Kurz darauf entscheidet die französische Konzernzentrale 2003, ihr Engagement in Deutschland einzustellen.
- 2004: Dritte Ausschreibung
Im Jahr 2004 erfolgt die dritte Ausschreibung, wieder für den Standort Hauptbahnhof, mit einer Öffnung für Nebenangebote. In den Bewerbungen gibt es zahlreiche Abweichungen vom Standort, vom Raumprogramm und von der Finanzierung, zum Teil auch in Kombination miteinander. Nach intensiver Erörterung entscheidet sich die Stadt dafür, sowohl am Standort als auch am Raumprogramm festzuhalten. Erstmalig wird ein städtischer Zuschuss in Erwägung gezogen. Mit dieser Entscheidung ist klar, dass das ursprüngliche Ausschreibungsverfahren, das keine finanzielle Beteiligung der Stadt vorsah, nicht zu Ende geführt werden kann.
- 2006: Vierte Ausschreibung
Entsprechend den europarechtlichen Wettbewerbsvorschriften für Vorhaben, die einen städtischen Zuschuss vorsehen, erfolgt die vierte Ausschreibung gemäß Gemeinderatsbeschluss vom 23. Mai 2006. Das zweistufige Wettbewerbsverfahren wird nicht zu Ende geführt, da der Gemeinderat sich in der Folge für den Standort Stadthalle entscheidet. Ein Wechsel des Standortes im laufenden Verfahren ist nicht möglich.
- April 2008: Entscheidung für Standort Stadthalle
Am 3. April 2008 entscheidet der Heidelberger Gemeinderat, das Konferenzzentrum am Standort Stadthalle zu verwirklichen. Das Ausschreibungsverfahren aus 2006 wird beendet. Die Verwaltung wird beauftragt, die Machbarkeit einer zukunftsorientierten Erweiterung der Stadthalle untersuchen zu lassen. Der beauftragte Frankfurter Architekt Professor Christoph Mäckler kommt dem Ergebnis, dass eine Erweiterung der Stadthalle auf der Ostseite machbar ist und sich die bestehenden schwerwiegenden logistischen Probleme der Stadthalle dadurch gut lösen lassen.
- Heidelberger Architekten: „Impuls für Innenstadtentwicklung“
Die Heidelberger Architekturbüros Jürgen Mayer und Schröder, Stichs, Volkmann werden von sich aus initiativ und prüfen die Machbarkeit eines Konferenzzentrums am Neckar. Auch sie kommen zu einem positiven Ergebnis und zeigen zudem auf, dass ein Ausbau an diesem Standort einen wichtigen Impuls für eine qualitativ hochwertige Innenstadtentwicklung geben würde.
- Dezember 2008: Gemeinderat beschließt Realisierungswettbewerb
Am 18. Dezember 2008 gibt der Heidelberger Gemeinderat mit großer Mehrheit grünes Licht für einen Realisierungswettbewerb Stadthallen-Ergänzung. Die Erweiterung soll die Stadthalle wieder wettbewerbsfähig machen und gleichzeitig ihre unverwechselbare historische Ausstrahlung erhalten. Zusätzlich soll der Realisierungswettbewerb Lösungen hervorbringen, in denen die Bezüge der Stadthalle zur Altstadt und zum Neckarufer vertieft werden.
- November 2009: Münchner Architekten Karl & Probst gewinnen Wettbewerb
Das Preisgericht des Realisierungswettbewerbs „Erweiterung Stadthalle“ unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dr. Werner Durth spricht am 12. November 2009 den mit 27.000 Euro dotierten ersten Preis dem Entwurf des Münchner Architekturbüros Karl & Probst zu. „Die Stärke dieser Arbeit liegt in ihrer Klarheit und Verständlichkeit“, schreibt die international besetzte Jury in ihrer Würdigung des Entwurfs. Die Erweiterung der Stadthalle erfolgt mit einem langgestreckten und schlanken Baukörper. „Der Entwurf ist ein wunderbares Pendant zur alten Stadthalle, setzt ihr den Neubau als ‚schlanke Schwester’ daneben“, so der Jury-Vorsitzende Professor Durth.
- März 2010: Große Mehrheit für Siegerentwurf
Der Gemeinderat bestätigt am 11. März 2010 mit großer Mehrheit – 27 Ja- und 14 Nein-Stimmen – die Entscheidung des Preisgerichts des Realisierungswettbewerbs „Erweiterung Stadthalle“ und beschließt, die weitere Planung auf der Grundlage der Entwürfe des ersten Preisträgers umzusetzen.
- April 2010: 18.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren
In einem Bürgerbegehren unterzeichnen mehr als 18.000 Bürgerinnen und Bürger die Forderung, über die Erweiterung der Stadthalle in Form eines Bürgerentscheids abstimmen zu lassen. OB Dr. Eckart Würzner spricht sich für einen Bürgerentscheid aus: „Wenn 18.000 Heidelbergerinnen und Heidelberger einen Bürgerentscheid in Sachen Stadthallen-Erweiterung wünschen, kann es für mich als von diesen Bürgerinnen und Bürgern gewähltes Stadtoberhaupt nur eine Antwort geben: Die Bürgerschaft soll die Möglichkeit zur direkten demokratischen Mitbestimmung bekommen.“
- Mai 2010: Gemeinderat beschließt Bürgerentscheid
Am 20. Mai 2010 beschließt der Heidelberger Gemeinderat mit großer Mehrheit, einen Bürgerentscheid zur Stadthalle am 25. Juli 2010 durchzuführen. Damit sind die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger der Stadt Heidelberg aufgefordert, über folgende Frage zu entscheiden: „Soll die Stadt Heidelberg einen Anbau oder Neubau für ein erweitertes Kongresszentrum an der Stadthalle errichten?“
- Juli 2010: In einem Bürgerentscheid sprach sich am 25. Juli 2010 eine Mehrheit gegen das Projekt aus.
26.324 Bürger/-innen und damit 67,1 Prozent der 39.235 Wählerinnen und Wähler mit gültigem Stimmzettel sagten "Nein" zur neuen Stadthalle. 12.911 Heidelberger Bürger/-innen und damit 32,9 Prozent der Wähler/-innen votierten mit "Ja". Die Wahlbeteiligung lag bei 38,9 Prozent. Da die Nein-Stimmen das erforderliche Quorum von 25 Prozent (25.310 Stimmen) der 101.237 Wahlberechtigten erreicht haben, ist das Ergebnis bindend. Die Erweiterung der Stadthalle kann in den nächsten Jahren nicht umgesetzt werden.



