An der Berliner Straße soll ein "Mathematikon" entstehen – Pläne öffentlich vorgestellt
Auf sechs Provisorien ist die Fakultät für Mathematik und Informatik der Universität Heidelberg derzeit verteilt – Grund genug für Dekan Prof. Dr. Rolf Rannacher, sich über das Angebot der Klaus Tschira Stiftung (KTS) zu freuen, bald in einem neuen Gebäude lehren und forschen zu können, das unter einem Dach ausreichend Platz für die gesamte Mathematik bietet. Der Neubau namens „Mathematikon“ soll auf dem Campus Neuenheimer Feld an der Berliner Straße entstehen und ein Geschenk der Stiftung an die Universität werden. „Wir hoffen sehr, dass Derartiges – in welcher Form auch immer – in den nächsten Jahren realisiert wird“, so Dekan Rannacher.
Nachdem der Heidelberger Gemeinderat am 10. November 2011 beschlossen hatte, für das Projekt „Mathematikon“ ein vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren einzuleiten, stellten die Klaus Tschira Stiftung und die Stadt Heidelberg das Projekt im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung am 1. Dezember 2011 im Bioquant-Gebäude öffentlich vor. Drei Stunden lang erläuterten Vertreter der Stiftung, der Stadt und Architekt Manfred Bernhardt das Vorhaben und stellten sich den Fragen von rund sechzig Bürgerinnen und Bürgern.
Das Mathematikon soll auf der Westseite der Berliner Straße nördlich der Mönchhofstraße errichtet werden. Es umfasst zwei Bauteile. Bauteil A mit maximal 17.000 Quadratmetern Geschossfläche soll Studierenden und Wissenschaftlern der Fakultät für Mathematik und Informatik sowie des Interdisziplinären Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen neue Räume bieten. Neben Büros für die Institute sind dort Seminarräume und die Institutsbibliothek geplant.
Transparente Fassaden
Bauteil B mit maximal 30.000 Quadratmetern Geschossfläche besteht aus zwei Gebäuden, die im Erdgeschoss miteinander verbunden sind. Bauteil B soll im Erdgeschoss Einzelhandels- und Gastronomieflächen, in den Obergeschossen Büroflächen enthalten. Die Büroflächen sollen vorrangig universitätsnah vermietet werden. Eine Ladenpassage im Erdgeschoss ermöglicht den Durchgang von der Berliner Straße zum Neuenheimer Feld. Die Fassaden der Geschäfte im Erdgeschoss sollen transparent werden. „Mit diesen Nutzungen wird der öffentliche Raum an der Berliner Straße belebt“, betonte der im Auftrag der KTS tätige freie Stadtplaner Stefan Läufer.
Alle Dachflächen werden begrünt. Die Bäume in der Berliner Straße bleiben erhalten, die Baumallee wird eine deutliche Aufwertung durch die Verbreiterung des Gehwegs erfahren, der künftig zwischen 11,50 und 13,50 Meter breit wird. Die Gestaltung der Vorfläche soll einem namhaften Landschaftsplaner übertragen werden, kündigte Läufer an.
Hochwertige Architektur
„Wir wollen eine hochwertige Architektur bauen“, betonte Architekt Manfred Bernhardt. Dies sei der ausdrückliche Wille der Klaus Tschira Stiftung. Bernhardt ist in Heidelberg kein Unbekannter: Er entwarf das einer Doppelhelix nachempfundene Advanced Training Center (ATC) des Europäischen Molekularbiologischen Laboratoriums (EMBL), das Haus der Astronomie (HdA) auf dem Königstuhl und das Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) am Schloss-Wolfsbrunnenweg.
Ersatz für Parkplätze und Bäume
Der Streifen entlang der Berliner Straße sollte nach dem geltenden Bebauungsplan eigentlich eine Grünfläche sein, faktisch wird er aber seit Jahren bereits als Parkfläche genutzt. Für die entfallenden 475 Parkplätze wird der Parkplatz der Pädagogischen Hochschule temporär nach Norden erweitert; die Zufahrt erfolgt über die vorhandene Schrankenanlage. Längerfristig plant das Land Baden-Württemberg die Errichtung eines weiteren Parkhauses. Für die Bäume, die der Bebauung weichen müssen, sind Ersatzpflanzungen vorgesehen.
Neben grundsätzlicher Kritik an der geplanten Überbauung des Grünstreifens bzw. der Parkplätze – über die aber bereits der Heidelberger Gemeinderat im Jahr 2008 mit dem einstimmig verabschiedeten „Entwicklungskonzept Berliner Straße“ entschieden hat – wurden Fragen laut, ob die Berliner Straße den zusätzlichen Verkehr verkraften kann. Da das Verkehrsgutachten derzeit noch nicht vorliegt, konnte diese Frage nicht abschließend beantwortet werden. Bedenken wurden laut, dass der großflächige Einzelhandel an der Berliner Straße sich nachteilig auf die kleineren Geschäfte in Neuenheim und Handschuhsheim auswirken könnte. Auch zu diesen Fragen wird im Zuge des Bebauungsplanverfahrens ein Gutachten erstellt werden. Dieter Teufel vom Handschuhsheimer Umwelt- und Prognose-Institut (UPI) regte an, in die Bebauung entlang der Berliner Straße Wohnungen aufzunehmen, um das Verkehrsaufkommen zu verringern. Denn wer im Neuenheimer Feld nicht nur arbeitet, sondern auch wohnt, muss nicht ins Auto steigen…
Vorhabenbezogenen Bebauungsplan beschlossen
Der Heidelberger Gemeinderat beschloss am 25. Oktober 2012 den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Neuenheim Mathematikon“ als Satzung.
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