Jeder kennt das Bild einer verschmutzten und rußverschmierten Feuerwehreinsatzkraft, welcher nach einem langen Einsatz die geleistete harte Arbeit anzusehen ist. Dieses Bild war bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts auch auf den Feuerwachen präsent. Eine nach Brandrauch riechende Schutzausrüstung und ein verschmutzter Helm waren das Erkennungsmerkmal einer erfahrenen und engagierten Einsatzkraft.
Dieses Bild hat sich in den vergangenen Jahren allerdings gewandelt. Seit vielen Jahren machen Mediziner und Feuerwehrleute darauf aufmerksam, dass die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, wesentlich höher liegt, wenn man häufig den aus Bränden entstehenden Giftstoffen und toxischen Rauchgasen ausgesetzt ist. Grundlage dieses Umdenkens ist unter anderem eine in Kanada durchgeführte Studie, wonach 86 Prozent der untersuchten Todesfälle bei aktiven Feuerwehrleuten durch Krebs verursacht wurden. Zudem wurde ermittelt, dass bestimmte Krebsarten im Bereich der Lunge, Lymphdrüsen, Hoden oder Prostata bei Feuerwehrleuten dreimal so häufig auftreten wie bei der übrigen Bevölkerung.Während des Einsatzes können sich die Einsatzkräfte durch Atemschutz vor toxischen Rauchgasen schützen. Die kanadische Studie konnte allerdings nachweisen, dass krebserregende Gase und Partikel noch wochenlang in der Feuerwehrkleidung und in den Einsatzwagen verbleiben, wenn nach einem Brandeinsatz keine sofortige Reinigung erfolgt. Feuerwehrleute können die Giftstoffe somit über die Haut oder Lunge verzögert aufnehmen. Insbesondere in der kurzen Zeit direkt nach dem Einsatz ist der Körper der Einsatzkraft besonders aufnahmefähig für diese kanzerogenen Stoffe: durch die körperliche Anstrengung öffnen sich die Poren der Haut und Schadstoffe können umfassend vom Körper aufgenommen werden.
Um die langfristige Gesundheit ihrer Einsatzkräfte gewährleisten zu können, reagiert die Feuerwehr Heidelberg nun auf diese Erkenntnisse mit der Einführung eines langfristig geplanten Konzeptes zur Einsatzstellenhygiene. Bisher war jeder Einsatzkraft ein personalisierter Satz Schutzausrüstung zugewiesen, welcher beispielsweise nach einer Kontamination durch Brandgase auf der Feuerwache getauscht werden konnte. Dies führte allerdings zu einer längerfristigen Aufnahme der kanzerogenen Verbrennungsprodukte und zu einer Kontaminationsverschleppung in die Fahrzeuge und auf die Feuerwachen. Mit der Einführung des neuen Hygienekonzeptes verbleibt die Kontamination an der Einsatzstelle und die Einsatzkräfte können sich schnellstmöglich der kontaminierten und oftmals nassen Kleidung entledigen.