Die Stadthalle: Von der provisorischen Festhalle aus Holz zum internationalen Konzerthaus
Die Stadthalle in der Altstadt hat seit jeher eine außergewöhnliche Bedeutung für Heidelberg und die Bürgerinnen und Bürger: von der Errichtung des Vorgängerbaus im Jahr 1886 über den Bau der Stadthalle von 1901 bis 1903 bis hin zur kurz bevorstehenden Wiedereröffnung der umfassend sanierten Stadthalle an diesem Sonntag, 1. Februar 2026: Sie war von Beginn an ein Zentrum gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Veranstaltungen in Heidelberg.
Der Blick in die Historie der Stadthalle zeigt auch berühmte Besucherinnen und Besucher auf – darunter mit Konrad Adenauer und Helmut Kohl zwei Bundeskanzler, mit Ludwig Erhard einem späteren Bundeskanzler, den Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann und Königin Silvia von Schweden.
Nachdem offenbar immer mehr Wünsche aus der Bürgerschaft nach einer Festhalle aufgekommen waren, wurde 1886 – an gleicher Stelle wie die spätere Stadthalle – ein Vorgängerbau zum 500. Jubiläum der Universität Heidelberg errichtet: eine provisorische Festhalle aus Holz, deutlich größer als die heutige Stadthalle. Die Rufe nach einer Stadthalle wurden in der Folge lauter. Ab 1901 baut schließlich die Stadt Heidelberg die Stadthalle in ihrer heute bekannten Form als Versammlungs- und Festgebäude für die Bürgerschaft.
Am 5. August 1903 wird die Stadthalle offiziell eröffnet. Sie bietet der 100-Jahr-Feier der Universität Heidelberg seit ihrer Wiederbegründung und Erneuerung durch Großherzog Carl Friedrich von Baden einen stilvollen Rahmen. „Der heutige Tag ist nicht nur für die Universität, sondern auch für die Stadt Heidelberg ein Tag aufrichtiger Freude. […] Hat doch die Frage der Erstellung eines Saalbaus in hiesiger Stadt die Bevölkerung Jahrzehnte lang beschäftigt“, sagte der damalige Heidelberger Oberbürgermeister Karl Wilckens: Großherzog Friedrich von Baden, der sich anlässlich des Aufenthaltes in Heidelberg auch in das Goldene Buch der Stadt Heidelberg eintrug, wünschte bei der Eröffnung, „dass das herrliche Unternehmen der Stadt zum Segen gereichen werde.“ Der Bau der Stadthalle kostete die für diese Zeit riesige Summe von 1.025.000 Goldmark.
Die Stadthalle wurde durch die Heidelberger Architekten Jakob Henkenhaf (1855-1927) und Friedrich Ebert (1850-1914) entworfen. Die Südseite zeigt Porträts Heidelberger Professoren und berühmter Künstler wie Adolf von Vangerow, Johannes Caspar Bluntschli, Karl Josef Anton Mittermaier, Adolf Kussmaul, Albert Mays, Karl Gottfried Nadler, Richard Wagner, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach, Franz Liszt und Ludwig van Beethoven.
Kriegslazarett im Ersten und Zweiten Weltkrieg
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg diente die Stadthalle als Kriegslazarett. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude von der US Armee als Special Service Center genutzt – mit Jazzabenden, Filmvorführungen und Tanzabenden. Erst 1951 bekam Heidelberg seine „gute Stube“ zurück. In den 1970er Jahren zeichnet sich immer mehr ab, dass die Stadthalle sanierungsbedürftig ist. Über die Zukunft werden leidenschaftliche Diskussionen geführt, sogar ein Abriss steht zur Debatte. 1979/80 wird die Stadthalle renoviert und in Kongresshaus Stadthalle Heidelberg umbenannt. Dabei werden unter anderem auch die Ausgänge zum Säulengang am Neckar verschlossen, eine Holzverkleidung hinter der Bühne eingezogen und ein Rondell am Montpelierplatz gebaut – Maßnahmen, die mit der aktuellen Sanierung wieder rückgängig gemacht wurden. Die Stadthalle nähert sich dadurch wieder ihrem Originalzustand an. Seit 1997 ist die Stadthalle zentrale Spielstätte des Musikfestivals Heidelberger Frühling.
Berühmte Besucherinnen und Besucher in der Stadthalle
Im Jahr 1929 waren der Schriftsteller Thomas Mann sowie der Schriftsteller und Dramatiker Gerhart Hauptmann anlässlich der Eröffnung der Schlossfestspiele in Heidelberg zu Besuch, auch in der Stadt. Zwischen 1950 und 1960 waren unter anderem der amerikanische Jazzmusiker Duke Ellington, die schwedische Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander und der österreichische Sänger Udo Jürgens zu Gast. Anlässlich 100 Jahre Deutscher Industrie- und Handelstag wurden 1961 Bundeskanzler Konrad Adenauer und sein Nachfolger Ludwig Erhard, zu diesem Zeitpunkt noch Wirtschaftsminister, in der Stadthalle begrüßt – zum Jubiläum ein Vierteljahrhundert später im Jahr 1986 kam Bundeskanzler Helmut Kohl.
Im gleichen Jahr besuchte auch Königin Silvia von Schweden, gebürtige Heidelbergerin, anlässlich der 600-Jahr-Feier der Universität Heidelberg die Stadthalle. Der Philosoph Hans-Georg Gadamer erhielt 2000 in der Stadthalle, zu seinem 100. Geburtstag, die Ehrenbürgerwürde der Stadt Heidelberg verliehen.


