Häufige Fragen und Antworten

zur Sanierung der Stadthalle

Wird die Stadthalle nach der Sanierung zu einem reinen Konzerthaus?

Nein, das Ziel der Sanierung ist es, Verbesserungen für alle Nutzer zu erreichen. Die Stadthalle wird nach der Sanierung mehrere Funktionen erfüllen: als Konzerthaus nach international erstklassigen Standards, als Ort für ein breites gesellschaftliches Veranstaltungsangebot und schließlich auch als Anbieter von Abendveranstaltungen für das neue Konferenzzentrum, das in den kommenden Jahren in der Bahnstadt entsteht.

Von wem kann das zukünftige Konzert- und Kulturhaus genutzt werden?

An der Nutzung der Stadthalle wird sich nach der Sanierung kaum etwas ändern. Weiterhin kann und wird die Stadthalle für Konzertveranstaltungen, wie beispielsweise den Heidelberger Frühling, bespielt werden. Aber auch das Hausorchester der Stadt, das Philharmonische Orchester, sowie die vielen kulturellen Initiativen und Vereine werden das neue Konzert- und Kulturhaus nutzen können, etwa beim Jugendtanztag, bei gesellschaftlichen Bällen, Festen und Empfängen. 

Nach dem Motto „Tagen im neuen Konferenzzentrum, Feiern in der Stadthalle“ wird die Stadthalle zudem Tagungsgästen bei Abendveranstaltungen eine optimale Ergänzung bieten. Einzig die Konferenzen und Tagungen selbst werden in die Bahnstadt umziehen, wo das neue Konferenzzentrum am Czernyring entsteht.

Welche Arbeiten sind vorgesehen?

Die Fassade der Stadthalle bleibt unangetastet. Die Arbeiten im Inneren gehen lediglich mit geringfügigen Veränderungen einher. Die Stadthalle wird sich dabei wieder stärker an den Originalzustand annähern. Etliche Einbauten aus den 70er und 80er Jahren sollen zurückgebaut werden. Die Bühne behält ihren Ort an der Stirnseite bei. Eine nachträglich eingezogene Rückwand soll jedoch entfernt werden, so dass die ursprüngliche Tiefe für ein großes Orchester wieder ermöglicht wird.

Sowohl die Bühne als auch die Sitzreihen sind auf Hubböden gelagert. Dadurch sind verschiedene Bühnengrößen möglich. Der Zuschauerraum kann wie heute als flaches Parkett oder mit ansteigenden Sitzreihen genutzt werden. Die ansteigenden Sitzreihen führen zu deutlich verbesserten Akustik- und Sichtbedingungen für die Zuschauer. Das ist das Ergebnis des Akustikgutachtens des renommierten Büros Müller-BBM, das unter anderem auch die Akustik in der Oper von Sydney untersucht hat.

Zudem werden durch die Sanierung bessere Zugangsmöglichkeiten zu einzelnen Bereichen der Stadthalle geschaffen: Bislang können Nebenräume nur durch Querung des Großen Saals erreicht werden. Künftig sollen diese Räume – etwa der Merian- und der Ballsaal – unabhängig vom Großen Saal und damit flexibler genutzt werden können. Der Bezug zum Neckar soll ebenfalls gestärkt werden: Hierfür sieht das Konzept vor, den Säulengang (Portikus) zum Fluss hin zu verglasen und die historisch vorhandenen Öffnungen innerhalb der Fassade freizulegen. Dieser Bereich wird dann sowohl als attraktiver Aufenthaltsbereich mit Blick auf den Neckar als auch als Durchgang zwischen Foyer und Meriansaal genutzt.

Zwei neue Aufzüge sollen einen barrierefreien Zugang zu den Garderoben und zum Saalniveau ermöglichen. Auch zwei behindertengerechte Toilettenanlagen sind vorgesehen.

Unterhalb des Montpellierplatzes entsteht eine Technikzentrale. In dieser werden technische Anlagen der Stadthalle untergebracht, die in einem modernen Veranstaltungshaus erforderlich sind und nicht mehr im Keller der Stadthalle verortet werden können – etwa die neue Lüftungsanlage. Dadurch wird im Untergeschoss der Stadthalle Platz geschaffen, der unter anderem für neue Garderoben für Künstler und Service-Personal sowie die Technik der Hubböden benötigt wird.

Wie sollen die vielfältigen Nutzungsvarianten ermöglicht werden?

Die unterschiedliche Nutzung der Stadthalle wird unter anderem durch den Einbau von Hubböden gewährleistet. Damit sind sowohl ansteigende Sitzreihen möglich als auch eine durchgehende Ebene. Die Bühne behält ihren Ort an der Stirnseite bei. Das Podium wird lediglich durch die Entfernung nachträglicher Einbauten an seiner Rückseite erweitert. Damit wird die Bühne aus der Gründungszeit der Stadthalle wiederhergestellt. Jeder Veranstalter kann frei wählen, wie er diesen Raum nutzt – ob als freien Bühnenraum, für einen Chor oder für zusätzliche Zuschauerreihen.

Was ändert sich durch die Sanierung für Besucherinnen und Besucher der Stadthalle?

Besucherinnen und Besucher werden von der Sanierung enorm profitieren. Durch die Möglichkeit, die Sitzreihen über Hubpodien ansteigen zu lassen, erhalten Besucher einen wesentlich besseren Blick auf die Bühne und kommen in den Genuss einer deutlich besseren Akustik. Das Sanierungskonzept von Waechter und Waechter Architekten stellt laut Akustikgutachter „die bestmögliche akustische Verbesserung dar“. Diese Akustik-Qualität kann durch einen optimierten Ist-Zustand ohne Hubpodien nicht erreicht werden. Dank der Hubpodien kann der Große Saal aber auch weiterhin als ebenes Parkett genutzt werden – genau in der Höhe und in der Größe, wie es heute der Fall ist.

Zudem werden die Besucherinnen und Besucher mit Mobilitätseinschränkungen im Hinblick auf die Barrierefreiheit stark von der Sanierung profitieren: Zwei neue Aufzüge werden einen barrierefreien Zugang zu den Garderoben und zum Saalniveau ermöglichen. Auch zwei behindertengerechte Toilettenanlagen sind vorgesehen.

Welche Stühle sind im Großen Saal geplant?

Der Große Saal wird im Parkett mit neuen, von Hand aufzustellenden Stühlen ausgestattet. Der Haupt- und Finanzausschuss des Gemeinderates hat sich in seiner Sondersitzung am 13. Februar 2020 mit knapper Mehrheit für eine lose Bestuhlung und gegen automatisch versenkbare Stühle entschieden. Die neuen Stühle werden je nach Bedarf für Veranstaltungen per Hand auf- und abgebaut sowie in einem Raum zwischengelagert.

Nach dieser Grundsatzentscheidung wird in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz und dem Akustikgutachter das genaue Modell, Bezug und Farbe der Stühle ausgewählt. Auch die vielen Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern bei einem öffentlichen „Probesitzen“ am 31. Januar 2020 in der Stadthalle werden hier miteinfließen. Insbesondere der Wunsch nach ausreichend Beinfreiheit wurde häufig geäußert.

Auf der Empore nähert sich die Bestuhlung wieder dem Originalzustand an: Seitlich sind fünf Reihen statt bislang drei geplant – wie bei der Eröffnung der Stadthalle vor fast 120 Jahren. Die zusätzlichen Stühle werden aus dem mittleren Bereich entnommen. An der Stirnseite sind sechs Reihen vorgesehen (bislang fünf). Die dortigen Stühle werden in Abstimmung mit dem Denkmalschutz ausgewählt.

Wie wird die Barrierefreiheit in der Stadthalle verbessert?

Besucherinnen und Besucher im Rollstuhl konnten bislang nicht über den Haupteingang und das Foyer in den Großen Saal gelangen. Sie mussten nach Abgabe ihrer Garderobe wieder aus der Stadthalle heraus und – ungeschützt vor dem Wetter und mit Unterstützung des Personals – an der Seite einen Aufzug nutzen. Die vorhandenen Aufzüge sind zudem nicht ausgelegt für die schwereren elektrischen Rollstühle.

Im Zuge der Sanierung wird im Foyer ein neuer Aufzug eingebaut, der insbesondere älteren Besuchern und Menschen mit Behinderungen zu Gute kommt. Sie können damit künftig ganz einfach und selbstständig mit dem Aufzug nach unten zur Garderobe sowie nach oben zum Großen Saal und zur Empore fahren. Zudem ist ein neuer Aufzug am östlichen Eingang der Stadthalle geplant. Zwei barrierefreie Toiletten werden ebenfalls gebaut.

Für Rollstuhlfahrer und deren Begleitpersonen werden im Großen Saal bei Veranstaltungen weiterhin ausreichend Plätze zur Verfügung stehen.

Wo werden sich im Großen Saal die Plätze für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer befinden?

Bei flachem Boden im Großen Saal werden für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer künftig ohne fremde Hilfe alle Sitzreihen erreichbar sein. Das ist bislang nicht möglich. Bei ansteigenden Sitzreihen sehen die Planungen vor, dass sich insgesamt sechs Plätze für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer auf dem gleichem Höhenniveau des Foyers im hinteren Bereich des Saals und seitlich unter der Empore befinden. Durch die ansteigenden Sitzreihen wird eine gute Sicht und Akustik auf den Plätzen gewährleistet. Zudem sind auf der Empore zwei Plätze für Rollstuhlfahrer in mittiger Position an der Stirnseite geplant. Wenn zusätzlicher Bedarf besteht, können weitere Plätze für Rollstuhlfahrer im Parkett zur Verfügung gestellt werden, indem reguläre Stühle weggelassen werden.
 
In beiden Varianten – sowohl mit flachem Parkett als auch mit ansteigenden Sitzreihen – werden im Großen Saal ausreichend Plätze für Rollstuhlfahrer und Begleitpersonen zur Verfügung stehen. Die Planung erfolgte im Austausch mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen (bmb).

Werden Denkmalschutz und Statik bei der Sanierung berücksichtigt?

Ja, beide Aspekte werden vollumfänglich berücksichtigt. In die Planungen waren sowohl die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt als auch das Landesamt für Denkmalpflege eng eingebunden. Es gab regelmäßige Besprechungen von Bauherr, Fachplanern und Vertretern der Denkmalschutzbehörden. Vertreter des Denkmalschutzes waren zudem über Tage und Wochen vor Ort, um die historische Bausubstanz der Stadthalle genauestens in Augenschein zu nehmen. Vorhaben des Bauträgers wurden bereits im Entwurfsstadium abgestimmt. Das Landesamt für Denkmalpflege war weit über das vorgeschriebene Maß hinaus in die Planungen eingebunden. Durch die Beteiligung des Landesamtes für Denkmalpflege wurde sichergesellt, dass die Maßnahmen auch unter besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes zugelassen werden können. Das Regierungspräsidium hat hierzu eine Liste von 29 Vorgaben festgehalten, die die Beteiligten im Zuge des Genehmigungsverfahrens abgestimmt haben.

Es ist zudem eine absolute Selbstverständlichkeit, dass alle Maßnahmen durch statische Berechnungen abgesichert werden. Ohne Statik-Nachweis wird keine Baugenehmigung erteilt.

Was wird die Sanierung kosten und wie wird diese finanziert?

Der bisherige Kostenrahmen von 32,9 Millionen kann komplett durch das großzügige Engagement von Wolfgang Marguerre gedeckt werden. Gemeinsam mit seiner Familie und seinem Unternehmen Octapharma hat er 33 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
 
Aufgrund einer Ausweitung des Genehmigungsprozesses und einem damit einhergehenden verspäteten Baubeginn, Vertragsanpassungen und einer enorm angestiegenen Baupreisentwicklung sowie notwendiger Zusatzmaßnahmen wie etwa Umplanungen der Technikzentrale zum Erhalt des Jubiläumsbaumes auf dem Montpellierplatz ist mit einer Kostensteigerung zu rechnen. Die genannten Gründe führen aktuell zu einer Überschreitung des bisherigen Kostenrahmens von 32,9 Millionen Euro aus dem Jahr 2019 um 10,9 Millionen Euro. Fördermittel bis zu maximal rund 1,8 Millionen Euro sind beantragt. Darüber wurde der Haupt- und Finanzausschuss am 6. April 2022 informiert

Wozu musste die Stadthalle an eine Stiftung übergeben werden?

Die Modernisierung wird aufgrund der Finanzierung durch Dritte – wie auch schon bei der erfolgreichen Theatersanierung – über die Theater- und Orchesterstiftung Heidelberg erfolgen, auf die die Stadthalle samt Grundstück nach Gemeinderatsbeschluss vom 5. Oktober 2017 übertragen wurde. Verwaltet wird die Stiftung von der Stadt Heidelberg. Dieses Modell bietet sowohl für die Stadt wie auch für Spender steuerliche Vorteile. Gleichzeitig wird damit die Verwendung der Stadthalle in dieser Form über den Stiftungszweck dauerhaft festgeschrieben.

Wer entscheidet, was mit der Stadthalle passiert?

Weiterhin der Heidelberger Gemeinderat: Die Einflussnahme der Stadt auf die Theater- und Orchesterstiftung Heidelberg erfolgt über den gemeinderätlichen Haupt- und Finanzausschuss als "oberstes Organ" der Stiftung. Dieser beschließt unter anderem über den Haushaltsplan und erteilte die Maßnahmen für den Umbau der Stadthalle. Damit steuert er auch nach der Übertragung der Stadthalle auf die Theater- und Orchesterstiftung Heidelberg voll und ganz die weitere Entwicklung der „guten Stube“ Heidelbergs. Verwaltet wird die Stiftung von der Stadt Heidelberg.

Wurden die bisherigen Nutzerinnen und Nutzer der Stadthalle in die Planungen zur Sanierung eingebunden?

Ja. Die Stadthalle wird so saniert, dass alle bisherigen Nutzerinnen und Nutzer die ,gute Stube Heidelbergs‘ auch in Zukunft in gewohnter Weise nutzen können. Zu diesem Zweck hat die Heidelberg Marketing GmbH einen Experten- und Nutzerkreis eingerichtet. Dabei sind Mitglieder des Philharmonischen Orchesters, Vertreter der Interessensgemeinschaft Karneval- und Brauchtumsveranstaltungen, das Kulturhaus Karlstorbahnhof, Interessengemeinschaft Kultur- und Konzerthaus Stadthalle, Enjoy Jazz, Klangforum, Bürgerstiftung Heidelberg, Internationales Musikfestival Heidelberger Frühling gGmbH, Haus der Jugend und der Stadtteilverein Altstadt/Verein Alt-Heidelberg. Sie haben die Planung intensiv mitbegleitet. Mit Vereinen und Veranstaltern bespricht Heidelberg Marketing auch Möglichkeiten für alternative Veranstaltungsorte während der Umbauzeit der Stadthalle.