In der Rubrik „Stimmen aus dem Gemeinderat“ kommen Mitglieder des Gemeinderates zu Wort. Die Autorinnen und Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge in vollem Umfang selbst verantwortlich, insbesondere auch in Bezug auf alle notwendigen Nutzungsrechte.
Wie wollen junge Menschen in Heidelberg ihre Freizeit verbringen? Welche Angebote fehlen? Und wie kann unsere Stadt auch abends lebendig, vielfältig und sicher bleiben? Mit diesen Fragen haben wir als Grünen-Fraktion eine Umfrage zum Nachtleben gestartet – die ersten Rückmeldungen zeigen: Das Thema bewegt viele!
Lebendiges Nachtleben ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Bestandteil urbaner Lebensqualität. (Foto Valentin bonjour/unsplash)
Aktueller Anlass ist eine Entscheidung zur Unteren Straße, einem der beliebtesten Ausgehviertel Heidelbergs. Aufgrund einer Gerichtsentscheidung mussten dort die Sperrzeiten verschärft werden, ein politischer Gestaltungsspielraum besteht nicht. Für uns ist aber klar: Diese Entwicklung darf nicht das Ende, sondern muss der Anfang einer breiteren Debatte sein. Wir wollen die Situation nicht einfach hinnehmen, sondern gemeinsam überlegen, welche Alternativen und Ergänzungen es für ein lebendiges Nachtleben geben kann.
Die ersten Ergebnisse der Umfrage geben eine klare Richtung vor: Viele junge Menschen gehen weiterhin aus – aber seltener und gezielter. Häufig fehlen passende Angebote, spontane Events und vor allem erreichbare Orte. Besonders deutlich wird der Wunsch nach mehr Open-Air-Formaten, Livemusik und vielfältigen Veranstaltungsorten jenseits der bekannten Hotspots. Gleichzeitig spielen Kosten und Erreichbarkeit, etwa durch den Nachtverkehr, eine wichtige Rolle. Daraus lassen sich erste Handlungsoptionen ableiten: zusätzliche legale Flächen für Open-Air-Veranstaltungen, bessere Rahmenbedingungen für kleinere und spontane Events sowie eine Stärkung von Angeboten für unterschiedliche Zielgruppen. Auch Fragen der Mobilität und der Zugänglichkeit müssen stärker in den Blick genommen werden.
Gleichzeitig gilt: Diese ersten Tendenzen wollen wir bewusst nicht überinterpretieren. Uns ist wichtig, Entscheidungen nicht über die Köpfe der Menschen hinweg zu treffen, sondern sie auf eine breite Grundlage zu stellen. Deshalb setzen wir weiterhin auf Ihre Rückmeldungen, um die Ergebnisse weiter zu vertiefen.
Für uns ist klar: Ein lebendiges Nachtleben ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Bestandteil urbaner Lebensqualität. Es trägt zur Attraktivität Heidelbergs als Studien-, Arbeits- und Wohnort bei und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unser Ziel ist ein Nachtleben, das für alle da ist – vielfältig, bezahlbar und offen. Damit uns das gelingt, brauchen wir Ihre Perspektiven. Nehmen Sie an der Umfrage teil und teilen Sie sie in Ihrem Umfeld: https://tinyurl.com/um fragenachtleben. Gemeinsam können wir Heidelbergs Nächte zukunftsfähig gestalten.
Stadthalle erstrahlt – und bleibt doch kurz stehen
Die Heidelberger Stadthalle ist fertig. Dank der großzügigen Spende von Wolfgang Marguerre konnten wir uns eine außergewöhnliche Renovierung unserer guten alten Stadthalle leisten – hin zu einem modernen Konzerthaus-Stadthalle-Heidelberg. Viele haben daran mitgewirkt: die Architekten, die Bauleitung, die Verantwortlichen der GGH und natürlich die zahlreichen Handwerkerinnen und Handwerker, die alles großartig umgesetzt haben. Ihnen allen gilt unser aufrichtiger Dank. Ohne dieses Zusammenspiel von Engagement, Fachwissen und Leidenschaft wäre ein solches Projekt nicht möglich gewesen.
Doch bei aller Freude über das gelungene Werk ist ein Detail ins Stocken geraten: Die Uhr über dem Eingang zur Stadthalle ist stehen geblieben. Und zwar bei 12:24 Uhr. Eine charmante Zeit vielleicht, aber auf Dauer keine tragfähige Lösung. Man könnte nun augenzwinkernd sagen: Immerhin nicht fünf vor zwölf – das wäre ein deutlich dramatischeres Signal gewesen. Oder man argumentiert ganz pragmatisch: Zweimal am Tag geht sie ja richtig! Und für die Altstadtkneipen eröffnet sich sogar eine neue Perspektive – eine feste, unverrückbare „Sperrzeitverlängerung“: Um 12:24 Uhr ist dann eben jeden Abend Schluss, ganz ohne Diskussion.
Doch Spaß beiseite: Unsere Stadthalle steht für Geschichte, Kultur und das lebendige Herz Heidelbergs. Dazu gehört auch, dass ihre Uhr verlässlich schlägt. Sie ist nicht nur Zierde, sondern Orientierung – für Gäste wie für Bürgerinnen und Bürger. Deshalb sollten wir uns nun auch dieser letzten Aufgabe widmen und dafür sorgen, dass die historische Uhr wieder in Gang kommt. Damit in Heidelberg nicht nur die Zeit stillsteht, wenn es schön ist – sondern damit jeder jederzeit weiß, wie viel Uhr es geschlagen hat.
Seit Monaten flattern in Ziegelhausen-Peterstal und Schlierbach bunte Bänder im Wind: an Gartenzäunen, Haustüren oder Regenrohren – immer gut sichtbar. Sie sind ein Statement für eine vielfältige, tolerante und demokratische Gesellschaft! Dass sich so viele Bürger:innen aus Ziegelhausen-Peterstal und Schlierbach an dieser Aktion beteiligen, ist toll und schweißt zusammen! Die Initiative für diese wunderbare Idee kommt von der Zukunftswerkstatt Ziegelhausen, einem losen Zusammenschluss engagierter Frauen, die gern in ihrem Stadtteil leben und die Vielfalt schätzen. Sie wollen, dass dies auch so bleibt und dass man füreinander da ist. So organisieren sie u.a. auch regelmäßig Konzerte im Seniorenzentrum in Ziegelhausen. Manche von ihnen waren schon vor fast 30 Jahren bei der ersten Zukunftswerkstatt Ziegelhausen dabei, damals initiiert von Beate Weber für alle Stadtteile in HD. Dann aber kam – wie man so schön sagt - das Leben irgendwie dazwischen: Kinder, berufliche Herausforderungen usw. Nun haben alle wieder etwas Zeit und knüpfen an ihr altes Engagement an. Auch neue engagierte Frauen gesellen sich dazu, alle eint, ihr Ziegelhausen-Peterstal lebenswert und vielfältig zu erhalten. Es ist bewundernswert, mit welchem Elan diese Frauen ans Werk gehen. Meinen Respekt für diesen großartigen Einsatz und vielen, vielen Dank! Ach ja, bunte Bänder gibt es gegen Spende noch im REWE in Schlierbach an der Kasse – wer noch mitmachen will!
Bei der Diskussion um die letzten Gaslaternen in Heidelberg geht es nicht um veraltete Technik, sondern um 22 wertvolle Zeitzeugen unserer Stadtgeschichte. Seit über 150 Jahren prägen sie das Stadtbild. Sie stammen aus der Zeit, als Robert Bunsen hier forschte und die Grundlagen moderner Gas- u. Verbrennungstechnik legte. Sein Schüler Carl Auer von Welsbach machte das Gaslicht weltweit leistungsfähig.
Die Verwaltung bestätigt: Der CO2-Anteil ist „nicht signifikant“. Trotzdem sollen rund 240.000 Euro investiert werden, ohne dass der Stadt finanzielle Einsparungen entstehen. Das ist weder wirtschaftlich noch sinnvoll priorisiert. Für LED wären zusätzliche Leuchten nötig, das historische Lichtbild ginge verloren. Andere Städte erhalten Gaslaternen als Wahrzeichen. Heidelberg würde ein Stück eigener Wissenschafts- u. Technikgeschichte verlieren.
Gerade als Wissenschafts- u. Kulturstadt sollten wir unser eigenes Erbe sichtbar erhalten, statt es für 240.000 Euro endgültig aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen. Diese 22 Gaslaternen sind kein Kostenpro-blem, sondern ein identitätsstiftendes Freilichtmuseum. Unser Ziel bleibt: sinnvoll investieren, Identität bewahren und Entscheidungen faktenbasiert treffen.
Durch Künstliche Intelligenz (KI) schreitet die Digitalisierung in allen Lebensbereichen immer schneller voran. In Heidelberg und Umgebung spielen mehrere Unternehmen eine Vorreiterrolle bei KI-Anwendungen. Das bedeutet, dass sich ein Teil der Heidelberger*innen beruflich mit der Herstellung und Verbreitung von KI-Anwendungen beschäftigen. Hinzu kommen unsere wissenschaftsorientierte Wirtschaftsstruktur und unsere Eigenschaft als Studierendenstadt. Diese tragen dazu bei, dass sich die Mehrheit der Bevölkerung mit KI-Anwendungen beschäftigen. Den Trend haben einige Player in der Stadt wie Universität, DAI und Karlstorbahnhof aufgegriffen und wichtige Wissensvermittlungsangebote gemacht. Die große Chance dabei ist, dass immer mehr Dienstleistungen der Stadt digitalisiert werden können, weil die Berührungsängste der Bevölkerung dazu abnehmen. Diese Chance birgt auf der anderen Seite die Gefahr, dass sich die Kluft zwischen einer digital affinen Bevölkerung und einer digital abgehängten Bevölkerung ausweitet. Daher ist es ein Gebot der Gerechtigkeit bei aller Modernisierung wichtig, den Zugang zu allen städtischen Dienstleistungen niederschwellig für alle zu gestalten.
Hinter uns liegt das letzte Wochenende mit den alten Sperrzeiten in der Kernaltstadt. Die Entwicklung mit den neuen Sperrzeiten werden wir vorsichtig verfolgen müssen. Was sind die Konsequenzen für das Feier- und Nachtleben in Heidelberg, besonders als jüngste Stadt Deutschlands?
Als Stadt ist es nun unsere Aufgabe, Herausforderungen, die aufseiten der Gastronomie, der Bevölkerung als auch der Anwohnerschaft entstehen, abzufedern. Unser fraktionsübergreifender Arbeitsauftrag zur Sensibilisierung für die früheren Sperrzeiten und zum Start einer Sauberkeitsoffensive sind wichtige Punkte. Denn mit dem Wegfall der nächtlichen Gastronomiestrukturen eröffnen sich leider Fenster für eine erhöhte Lärm- und Abfallbelastung.
In Heidelberg hat man zur Wirtschaft manchmal ein eigenartiges Verhältnis. Auf der einen Seite beschließt der Gemeinderat einen Nachtragshaushalt, freut sich dabei über eine deutlich verbesserte Finanzlage und weiß natürlich genau, wem das zu verdanken ist: den Unternehmen, die hier ausbilden, investieren und Gewerbesteuer zahlen.
Auf der anderen Seite behandelt man genau diese Wirtschaft häufig wie einen lästigen Störfaktor, den man möglichst elegant verwalten, belehren oder abbremsen muss. Dabei ist die Lehre aus der Haushaltskrise simpel. Wer auf stabile Einnahmen angewiesen ist, sollte diese nicht politisch erschweren. Sonst sägt man ausgerechnet an dem Ast, auf dem der Haushalt sitzt.
Heidelberg hatte großes Glück, dass die Fläche Lammerskopf aus dem Regionalplan herausgenommen wurde. Leider wird diese demokratische Entscheidung nicht akzeptiert – und es beginnt eine unwürdige Posse, so zu tun, als wäre ein von der Stadtpolitik oktroyierter Bürgerentscheid im Sinne des Stadtfriedens. Dabei ist klar, dass den Gegnern Zeit genommen werden soll, sich zu organisieren. Und es soll verhindert werden, dass die Bürger selbst einen Bürgerentscheid gegen eine absehbare falsche Entscheidung des Gemeinderats, ein Naturschutzgebiet zu zerstören, anstreben können. So könnten sie fairer ihre Sicht der Dinge darlegen. Der oktroyierte Entscheid wird massiv einseitig von Klimapropaganda dominiert sein.
Wir doch nicht. Immer wieder lesen Sie, dass die Stadt kein Geld hat und bei Sozialem, Bildung, Sport, Kultur und Infrastruktur sparen muss. Und dann lesen Sie von Geldverschwendung bei Seecontainern, ein für mich von vornherein zum Scheitern verurteiltes Revisionsverfahren gegen das „Altstadtlärm-Urteil“ mit einem Streitwert von 22.500 €. Nun ist auch noch ein Windpark-Bürgerentscheid für lockere 300.000 € geplant, der einen Beschluss herbeiführen soll, den auch der Gemeinderat treffen könnte.
Die Stadt möchte eine Bürgerbefragung zum Windkraftpark ...
... Lammerskopf durchführen. Doch was ist eine solche Abstimmung wert, wenn die Bürger einseitig informiert werden und die horrenden Risiken der sogenannten Energiewende offiziell verschwiegen werden?