In der Rubrik „Stimmen aus dem Gemeinderat“ kommen Mitglieder des Gemeinderates zu Wort. Die Autorinnen und Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge in vollem Umfang selbst verantwortlich, insbesondere auch in Bezug auf alle notwendigen Nutzungsrechte.
Zwei Heidelberger Institutionen feiern Jubiläum: Der Asylarbeitskreis wird 35, das Café Talk zehn Jahre alt. Beide begleiten Menschen mit Fluchtgeschichte beim Ankommen. Gefeiert wurde am 20. Oktober im Theater unter dem Motto „Kein Mensch ist illegal“. Bewusst mitten in der Stadt, denn wer hier angekommen ist, gehört dazu.
Grüner Besuch beim Café Talk zum zehnjährigen Jubiläum: Für viele Menschen mit Fluchtgeschichte ist das Café Talk die erste Anlaufstelle und ein sicherer Ort. (Foto: Grünen-Fraktion Heidelberg)
Der Asylarbeitskreis berät, begleitet zu Behörden und vermittelt Deutschunterricht, seit 35 Jahren getragen von Ehrenamtlichen. Im Café Talk bietet er donnerstags eine Sprechstunde zu Briefen von Behörden, Jobcenter und BAMF an. Das Café Talk entstand, weil vor zehn Jahren mehrere Menschen dieselbe Idee hatten und einfach angefangen haben. Der Asylarbeitskreis war von Beginn an dabei, gemeinsam mit der Evangelischen Kirche, dem Diakonischen Werk und der Initiative „Weststadt sagt Ja!“.
Zum Jubiläum haben Bülent Teztiker und ich das Café Talk in Bergheim besucht. Um 16 Uhr herrscht Gewusel, wenige Minuten später sitzen überall ruhige Lerngruppen, jedes Mal neu nach Sprachniveau zusammengestellt. Kinder spielen frei, während die Eltern lernen. Dazu gibt es Getränke, selbst gebackenen Kuchen und Snacks, zubereitet aus Lebensmitteln der Tafel. Für viele ist das Café Talk die erste Anlaufstelle und ein sicherer Ort: Hier lernt man Deutsch, bekommt Hilfe mit Behördenpost und findet Anschluss.
Was daraus wird, zeigt sich oft Jahre später. Sigrid Zweygart-Pérez, die auch als Seelsorgerin im Ankunftszentrum im PHV arbeitet, erzählt von ehemaligen Gästen des Café Talk, die zurückkommen, um Danke zu sagen. Es gebe viele Erfolgsgeschichten, sagt sie. Diese Menschen tragen unsere Gesellschaft mit: als Kolleg*innen, Nachbar*innen, Eltern und oft selbst als Ehrenamtliche.
Am Laufen halten das Café Talk Ehrenamtliche in ihrer Freizeit, unterstützt z.B. von Praktikant*innen aus der Sozialpädagogik. Ehrenamt braucht aber einen festen Ort, Material und Koordination, sonst trägt es nicht. Die Stadt fördert das Café Talk als freiwillige Leistung. Wir Grüne setzen uns dafür ein, dass strukturell wichtige Angebote wie das Café Talk weiter verlässlich finanziert werden. Denn wir wollen eine offene Stadt, in der das Ankommen gelingt.
Beiden Organisationen gratulieren wir und danken allen Engagierten. Wer mitmachen möchte, gerade beim Café Talk in der Kinderbetreuung: Das Café Talk ist dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet, Vangerowstraße 3–5.
Mit einer feierlichen Jahresfeier in der Alten Aula hat die Universität Heidelberg im 640. Jahr ihres Bestehens das neue Akademische Jahr eröffnet. Grund zur Freude gibt es reichlich: Sie bleibt ab 2027 für weitere sieben Jahre Exzellenzuniversität, so viele junge Menschen wie nie beginnen hier ihr Studium, und audimax, Study Hub und die neue Mensa in Bergheim stärken die Qualität des Standorts weiter.
Im Mittelpunkt der Feier stand der Transfer: Das Wissenschaftsgespräch „Wissenschaft für das wirkliche Leben“ zeigte, wie vielfältig Forschung den Menschen nützt – von der Medizin über die Sammlungen bis zur Cybersicherheitsforschung am Institut für Politische Wissenschaft, die direkt in die Politikberatung einfließt. Im Joint Doctorate-MBA-Programm mit der Mannheim Business School wird aus Forschung ein Unternehmen.
Rektorin Prof. Dr. Frauke Melchior erinnerte auch an die besondere Verantwortung der Universitäten heute. Sie stehen für Wissenschaftsfreiheit und Demokratie ein, behaupten sich in geopolitischen Umbrüchen und gestalten den Wandel durch KI mit. „Eine Universität lebt von der Vielfalt ihrer Disziplinen und ihrer Menschen“, so Melchior.
Wissenschaft steht am Beginn jeder Wertschöpfungskette und liefert Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit, von Gesundheit über Sicherheit bis zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dafür braucht sie eine Stadt, die sie trägt. Als CDU-Fraktion wollen wir der Universität und dem Studierendenwerk ein verlässlicher Partner bleiben – vom Ausbau studentischen Wohnens bis zur Gründungsförderung. Heidelberg ohne seine Universität wäre nicht Heidelberg. Wir sind dankbar für 640 Jahre „Semper apertus“ und freuen uns auf ein Semester voller Neugier!
Heidelberg muss sparen. Gebühren für Kitas, Schulbetreuung und Schwimmbäder steigen, beim ÖPNV wird gespart. Familien zahlen mehr. Doch Autofahrende werden entlastet: Die Parkraumbewirtschaftung der Bahnstadt hat ihre Ziele erreicht, Falschparken reduziert und die Sicherheit verbessert. Über 500.000 Euro wurden eingenommen. Trotzdem sollen die Gebühren sinken, auf bis zu 250.000 Euro jährlich wird verzichtet. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen!
Ironisch ist die Begründung, günstigere Parkgebühren hielten den Stadtteil „lebendig“. Lebendigkeit bedeutet für mich sichere Wege, Aufenthaltsqualität und öffentlichen Raum für Menschen, kein „Recht“ auf günstiges Parken. Die Bahnstadt wurde verkehrsarm geplant. Nun eröffnet mit dem SkyHub trotz bester ÖPNV-Anbindung das größte Parkhaus in HD mit 800 Stellplätzen. Gleichzeitig soll Straßenparken günstiger werden, bevor die Parkhaustarife feststehen. Das widerspricht dem Ziel, Autos von der Straße in Parkhäuser zu verlagern.
Das SkyHub-Gutachten zeigt: Über den Langen Anger und die Kosselstraße ist mit Schleichverkehr zu rechnen. Zugleich soll der Radschnellweg RS 16 an der Pfaffengrunder Terrasse anschließen. Damit brauchen Pendelnde und Kinder sichere Radwege. Statt erst nach einem Jahr zu prüfen, müssen wir jetzt vorsorgen, mit Durchfahrtssperren und Fahrradstraßen, die das Gutachten vorschlägt.
Lebensqualität heißt vorausschauend planen: sichere Wege und Platz für Menschen statt mehr Autoverkehr!
Der am 1. Januar 2026 offiziell gestartete Klinikverbund Heidelberg-Mannheim verbindet das Universitätsklinikum Heidelberg und das Universitätsklinikum Mannheim zu einem der größten und leistungsfähigsten universitären Medizinzentren in Deutschland und Europa. Es gehört zu unseren Aufgaben, gute Rahmenbedingungen für die medizinische Versorgung in unserer Stadt zu schaffen.
Am 3. November dürfen wir Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel im Saal des Restaurants Zum Achter begrüßen. Als Vorstandsvorsitzender des neuen Klinikverbunds Heidelberg-Mannheim wird er uns den entstehenden Klinikverbund vorstellen und Einblicke in die zukünftige Zusammenarbeit der beiden Universitätskliniken geben. Sie sind herzlich eingeladen, dabei zu sein!
Wenn Familien auseinandergerissen werden, weil sich die Eltern trennen, ist das für alle schmerzhaft. Besonders Kinder können mit Langzeitfolgen traumatisiert werden. Diese Wohnformen gibt es nach der Trennung:
Das Residenzmodell, bei dem die Kinder bei einem Elternteil leben und das andere Elternteil in größeren Abständen treffen.
Das Wechselmodell, bei dem die Kinder zwischen den Wohnungen der Eltern pendeln.
Das Nestmodell, bei dem die Kinder in der Familienwohnung bleiben und die Eltern abwechselnd dieselbe Wohnung mit den Kindern teilen. Wenn Eltern nicht bei den Kindern sind, bewohnen sie also eine zweite Wohnung.
Ein intaktes Nestmodell stellt dabei das Kindeswohl voran: Die Kinder unterliegen nicht dem organisatorischen Stress ständig zwischen den Wohnungen eines Elternteils zu pendeln. Sie können so ihr schulisches und soziales Umfeld behalten. Während die familiäre Situation instabil wird, bleibt wenigstens das soziale Umfeld stabil. Diese Rücksichtnahme der Eltern gegenüber den Kindern wird jedoch von der Stadt durch eine Zweitwohnungssteuer erschwert. Unsere Fraktion ist dagegen, Kindern nach der Trennung der Eltern noch zusätzliche Belastungen aufzuerlegen.
Seit Anfang 2014 können Menschen mit Heidelberg-Pass und Sozialticket günstig mit Bahn und Bus fahren. Zu besten Zeiten kostete es nur 3 EUR im Monat und wurde von mehr als 5.000 Personen genutzt. Zuletzt wurde es aber immer teurer. Heute liegt der Preis bei 44 EUR im Monat.
Das Projekt hd4mobility ist der Sparpolitik zum Opfer gefallen. Ist diese Entwicklung alternativlos? Wir sagen Nein! Eine Alternative ist der Mobilitätspass. Die Kommune kann Abgaben einführen, die eine günstige Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) für alle ermöglicht. Die Einnahmen werden für den ÖPNV genutzt.
Wir kämpfen als Die Linke/Bunte Linke im Interesse einer sozial-ökologischen Politik für eine progressive Mehrheit.
Wenn Künstliche Intelligenz richtig eingesetzt wird, bietet sie große Chancen, Heidelberg moderner und effizienter zu gestalten. Ob bei Bürgeranfragen oder der Bearbeitung von Anträgen kann KI uns unterstützen. Die FWV setzt sich für einen verantwortungsvollen Einsatz von KI ein. Datenschutz und menschliche Kon-trolle müssen selbstverständlich sein. KI soll die Mitarbeiter unterstützen und nicht ersetzen. Gerade bei der schwierigen Personalsituation sollte KI Erleichterung bringen. Es werden zwar frei werdende Stellen nicht immer besetzt werden können, aber durch den gezielten Einsatz von KI und eventuelle Umstrukturierungen kann dies besser aufgefangen werden. Denn auch in den Verwaltungen ist Fachpersonal schwierig zu gewinnen.
Beim Kommunalforum2 der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag letztes Wochenende konnte ich viel Wertvolles von Dr. Susanne Fürst und Mag. Hannes Amesbauer, Minister in der FPÖ-Landesregierung der Steiermark, mitnehmen. Besonders anregend war die Arbeitsgruppe Problemviertel-Gesetzgebung in Dänemark, welche massiven Zuspruch im Volk findet. Der Bericht über die Stadt Wels, wo der FPÖ-Bürgermeister den Schuldenberg massiv abgebaut hat, ohne Investitionen zu vernachlässigen. Und, dass man bei linken NGOs nicht nur kürzen, sondern ihnen komplett den Stecker der staatlichen Finanzierung ziehen kann. Hier kann Heidelberg viel lernen. Die Querbewegung bei den Zuwendungsempfängern ist der falsche Weg. Der Rotstift ist der Richtige.
Auch im wohlhabenden Heidelberg leben viele Menschen in Armut, besonders Kinder und Alleinerziehende. Bis Montag machen 57 Organisationen mit Aktionstagen auf Armut und Ausgrenzung aufmerksam. Steigende Kosten und Förderkürzungen gefährden wichtige Hilfsangebote. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, den wir nicht alleinlassen dürfen. Bei den Haushaltsberatungen trägt der Gemeinderat Verantwortung für die Schwächsten unserer Gesellschaft und muss ihre Unterstützung nachhaltig sichern.
Er spricht von ausgelebter Meinungsfreiheit „bis fast zum Exzess“. War seine Polizeiarbeit von Vorurteilen geprägt? Wie politisch ist der Umgang der Heidelberger Polizei mit kritischen Bürgern?