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Informationen zu Veranstaltungen rund um den ersten Mai


Heidelberger Thingstätte

Keine Feier zur Walpurgisnacht

Risikoeinschätzung des Gutachters (Grafik: Stadt Heidelberg)
Grafik zur Risikoeinschätzung des Gutachters (Grafik: Stadt Heidelberg)

Die Stadt Heidelberg untersagt künftig die sogenannte Walpurgisnachtfeier auf der Thingstätte. Die Stadt hatte bereits im Dezember 2017 angekündigt, dass sie damit die Konsequenzen aus mehreren bedenklichen Vorfällen in der jüngeren Vergangenheit zieht – im Jahr 2017 gab es zum Beispiel einen Schwerverletzten sowie einen Waldbrand. Das Event mit bis zu 15.000 Besucherinnen und Besuchern auf dem Heiligenberg hatte keinen offiziellen Veranstalter oder ein grundlegendes Sicherheitskonzept.

Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Gefährdungsbeurteilung hat jedoch eine Reihe von hohen, zum Teil unzumutbaren Gefahrenquellen aufgezeigt. Die Stadt Heidelberg ist nicht nur als Eigentümerin der Thingstätte in der Pflicht – sie trägt als Ortspolizeibehörde auch die Verantwortung für die öffentliche Sicherheit. 

Was ist die Walpurgisnachtfeier auf der Thingstätte?

Die Walpurgisnacht ist ein traditionelles nord- und mitteleuropäisches Brauchtumsfest in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Die Anfänge der sogenannten Walpurgisnachtfeier auf der Thingstätte reichen bis zum Anfang der 1990er Jahre zurück. Was bei einem Lagerfeuer mit wenigen Menschen begann, entwickelte sich in den Folgejahren durch Mundpropaganda und die sozialen Netzwerke immer weiter. In den vergangenen Jahren trafen sich dann bis zu 15.000 Besucherinnen und Besucher auf dem Heiligenberg. Das Event hatte keinen offiziellen Veranstalter oder ein grundlegendes Sicherheitskonzept.


Warum verbietet die Stadt die Feier ab 2018?

Die Stadt Heidelberg zieht mit dem Verbot der sogenannten Walpurgisnachtfeier auf der Thingstätte ab 2018 die Konsequenzen aus mehreren bedenklichen Vorfällen in der jüngeren Vergangenheit. Das Gelände ist unübersichtlich, nicht ausgeleuchtet, es gibt unzählige Sturzfallen und keinerlei Organisationsstruktur. Im Jahr 2017 gab es zum Beispiel einen Schwerverletzten und einen Waldbrand. Das Feuer breitete sich auf einer Fläche von 3.500 Quadratmetern in einem Waldbiotop aus, bevor es schließlich 50 Feuerwehrleuten gelang, die Flammen einzudämmen.
 
Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Gefährdungsbeurteilung hat eine Reihe von hohen, zum Teil unzumutbaren Gefahrenquellen aufgezeigt. Die Stadt Heidelberg ist nicht nur als Eigentümerin der Thingstätte in der Pflicht – sie trägt als Ortspolizeibehörde auch die Verantwortung für die öffentliche Sicherheit. In der Vergangenheit hatte die Stadt zwar Vorkehrungen getroffen, um ein Mindestmaß an Sicherheit für die Besucherinnen und Besucher zu schaffen. Die Ereignisse im Jahr 2017 machen nun ein rigoroseres Handeln notwendig.


Wie setzen Stadt und Polizei das Verbot durch?

Für die Thingstätte und den Heiligenberg besteht ab Montag, 30. April 2018, ab 14 Uhr, bis Dienstag, 1. Mai, 6 Uhr, ein Betretungsverbot. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei und der Stadt sowie weitere Sicherheitskräfte werden in der Walpurgisnacht vor Ort sein. Die gesamte Thingstätte wird in diesem Zeitraum ausgeleuchtet und eingezäunt. Die Haupt-Waldwege sind gesperrt und werden kontrolliert. An den Zugangswegen zum Heiligenberg weisen zudem Hinweisschilder auf das Betretungsverbot hin.
 
Wer den Wald trotz der Sperrung betritt, womöglich noch mit Fackeln oder vergleichbaren brennenden Gegenständen, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer empfindlichen Geldbuße belegt werden kann. Jede Person, die versucht, die Thingstätte zu betreten, macht sich wegen Hausfriedensbruchs strafbar, und dies kommt konsequent zur Anzeige.    
    


Welche Vorkehrungen trifft die Stadt für die Walpurgisnacht 2018?

Um die Untersagung der Walpurgisnachtfeier wirksam durchsetzen zu können, wird die Thingstätte in der Nacht zum 1. Mai 2018 eingezäunt und von einem Sicherheitsdienst bewacht. Zudem werden konkrete Gefahrenquellen ausgeleuchtet, um Personen, die im Vorfeld nichts über die polizeirechtliche Untersagung der Veranstaltung erfahren haben, zu schützen. Zusätzlich sollen eine verstärkte Polizeipräsenz und die Anwesenheit städtischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Sicherheit sorgen. Die Einzäunung wird umgehend nach Aufhebung des Waldbetretungsverbotes am 1. Mai abgebaut, so dass die Thingstätte wieder frei zugänglich ist.


Zu welchen Ergebnissen kommt die Gefährdungsbeurteilung?

Die Gefährdungsbeurteilung der Firma Event Consult Europa hat in 23 Kategorien insgesamt 17 Mal die höchste Risikostufe („nicht zu vertretende und kalkulierbare Risiken“) festgestellt. Der aktuelle Zustand sei für die Stadt Heidelberg und für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben nicht hinnehmbar. „In der Gesamtbetrachtung ist das Happening baulich und organisatorisch als mangelhaft einzustufen und kann in dieser Form auf keinen Fall weitergeführt werden“, heißt es im Fazit der Beurteilung.
 
Die Fachleute untersuchten unterschiedliche Kriterien – von der Geländebeschaffenheit über Zu- und Abgangswege bis hin zum Besucherverhalten oder einer eventuellen Räumung des Areals im Schadensfall. Als besonders kritische Punkte nennt das Gutachten:
 
- kein offizieller Veranstalter und kein organisierter Ablauf
- unkontrollierte Feuerstellen im Waldgebiet mit hoher Brandgefahr
- Vielzahl von Sturzstellen und Stolperfallen auf dem Gelände
- kein System für Zu- oder Ableitung von Besucherinnen und Besuchern
- kein System von Rettungs- und Fluchtwegen
- keine Beleuchtung