Hilde-Domin-Preis
für Literatur im Exil
Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2026 der Stadt Heidelberg geht an Julia Cimafiejeva
Der mit 15.000 Euro dotierte Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2026 der Stadt Heidelberg geht an die 1982 in Belarus geborene Autorin Julia Cimafiejeva. Die Auszeichnung wird alle drei Jahre an Schriftstellerinnen und Schriftsteller vergeben, die im Exil in Deutschland leben oder als Nachkommen mit diesem Thema in Berührung kamen, sich literarisch damit auseinandersetzten und in deutscher Sprache publizieren.
Die Preisverleihung findet am 20. Oktober 2026 in Heidelberg statt. Nähere Details werden zeitnah bekannt gegeben.
Die Jury erklärte in ihrer Begründung: „Die belarusische Dichterin und Übersetzerin Julia Cimafiejeva nimmt in ihrem Werk – insbesondere im Gedichtzyklus ‚Blutkreislauf‘ (edition.fotoTAPETA 2025) – das eigene Erleben und Exil zum Anlass, um in fein gewebten Bildern Erfahrungen und Erinnerungen zu Heimat, Flucht, Vertreibung und ‚Ankommen' zu reflektieren. Dabei kehrt sie zurück in die Geschichte des blutigen 20. Jahrhunderts – nach Tschernobyl ebenso wie in NS-Zwangsarbeitslager, wo Familienangehörige interniert waren. Ihr immer neu ansetzendes Nachdenken wird von einer lyrischen Sprache getragen, die gleichermaßen sich selbst wie vertraute Vorstellungen von Europa hinterfragt: Wem gehört Erinnerung? Wie gelangen auch intergenerationelle Erfahrungen des Exils zum Ausdruck? Was gibt Anlass zu Hoffnung?“
Die Jury
Mitglieder der Jury des Hilde-Domin-Preises waren:
- Dr. Doerte Bischoff, Professorin für Neuere deutsche Literatur und Leiterin der Walter A. Berendsohn Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur an der Universität Hamburg
- Gregor Dotzauer, Literaturkritiker, Essayist und Kulturredakteur; seit 1999 Literaturredakteur bei „Der Tagesspiegel“ (Berlin)
- Marie Luise Knott, Publizistin, Übersetzerin, Kritikerin, Herausgeberin u.a. von Hannah-Arendt-Schriften
- Axel Springer-Lehrstuhl für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, Exil und Migration
Dr. Kerstin Schoor, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin; Inhaberin des Axel Springer-Lehrstuhls für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, Exil und Migration an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) - Cornelia Zetzsche, Literaturkritikerin, Kuratorin und Kulturjournalistin
Zur Preisträgerin 2026
Julia Cimafiejeva, geboren 1982 in Brahin, Belarus, ist eine belarusische Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin. Sie verbindet in ihrem Schreiben poetische und dokumentarische Formen, persönliche Erinnerungen und kollektive Geschichte. Seit 2014 erschienen von ihr fünf Gedichtbände auf Belarusisch und etablierten Cimafiejeva als eine der wichtigsten Stimmen ihrer Generation. Ihre Bücher wurden in Übersetzungen in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Schweden und den USA veröffentlicht. Auf Deutsch erschienen von ihr in der edition.fotoTAPETA, Berlin, die Bände „Zirkus“ (2019), „Minsk. Tagebuch“ (2021), „Der Angststein“ (2022) sowie 2025 „Blutkreislauf“, in der Übersetzung von Tina Wünschmann. Eine Sammlung von Collagen und Gedichten erschien ebenfalls 2025 unter dem Titel „Ich zerschneide die Geschichte“ (edition frölich, Berlin). Als Übersetzerin hat Cimafiejeva Gedichte unter anderem von Walt Whitman und Stephen Crane ins Belarusische übertragen, außerdem Kinderbücher von Maja Lunde und Stian Hole. 2020 musste Cimafiejeva zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Alhierd Bacharevič, Belarus aus politischen Gründen verlassen. Das Paar verbrachte anschließend im Exil Stationen in Graz, Chemnitz, Zug und Hamburg. Seit 2025 leben Julia Cimafiejeva und ihr Mann in Berlin. Dort war sie im gleichen Jahr 2025 Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des daad sowie 2026 Fellow an der Robert Bosch Academy Berlin.
Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger
- 2023 Bachtyar Ali
- 2019 Natascha Wodin
- 2016 Edgar Hilsenrath
- 2013 Abbas Khider
- 2010 Oleg Jurjew
- 2007 Sherko Fatah
- 2005 Hamid Skif
- 2001 Stevan Tontic
- 1998 Boris Chasanow und Annelore Nitschke (Übersetzerin)
- 1996 SAID
- 1992 Hilde Domin
Weitere Informationen zum Preis
Die Stadt Heidelberg stiftete 1992 anlässlich des vermeintlichen 80. Geburtstags der Ehrenbürgerin und ersten Preisträgerin Hilde Domin (1909-2006) den Preis "Literatur im Exil". Aus Anlass des Todes von Hilde Domin wird der Preis seit 2006 zu ihrem Gedenken als "Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil" vergeben.
Satzung (84 KB)
