Vielfalt muslimischen Lebens sichtbar machen
Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus starten in Heidelberg am 1. Juli
Die Stadt Heidelberg beteiligt sich auch in diesem Jahr wieder an den bundesweiten Aktionswochen rund um den Tag gegen antimuslimischen Rassismus am 1. Juli. Begegnung, Dialog und gesellschaftliche Teilhabe stehen im Mittelpunkt des Programms, das in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Migrationsbeirat und dem Runden Tisch gegen Rassismus der Stadt Heidelberg entwickelt wurde.
„Muslimisches Leben prägt Heidelberg auf vielfältige Weise. Die Aktionswochen machen sichtbar, wie viele Menschen sich in Gemeinden, Vereinen und Initiativen für unsere Stadt engagieren und Verantwortung übernehmen“, sagt Stefanie Jansen, Bürgermeisterin für Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit der Stadt Heidelberg. „Begegnung und persönlicher Austausch sind wichtige Voraussetzungen für ein gutes Zusammenleben. Sie schaffen Verständnis, bauen Vorurteile ab und stärken den Zusammenhalt in unserer Stadt“, so Jansen.
Die Aktionswochen setzen ein Zeichen für Respekt. Aktuelle Entwicklungen zeigen, wie wichtig solche Begegnungsräume bleiben. Die CLAIM-Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit dokumentierte für das Jahr 2024 bundesweit 3.080 antimuslimische Vorfälle – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Muslimische Menschen und Menschen, die als muslimisch wahrgenommen werden, erleben Ausgrenzung und Anfeindungen in vielen Bereichen des Alltags.
Das Programm der Aktionswochen
Den Auftakt macht am Mittwoch, 1. Juli 2026, ein Aktionstag gegen antimuslimischen Rassismus im Karlstorbahnhof mit der Berliner Komikerin und Ärztin Anissa Loucif. Aufgewachsen mit muslimischen Eltern und christlichen Großeltern zwischen Zuckerfest und Weihnachten verarbeitet Loucif ihre Erfahrungen mit viel Humor auf der Bühne. In Heidelberg gibt sie nicht nur Einblicke in das Leben als Muslima, junge Mutter und Ärztin, sondern auch eine inspirierende Lektion in Selbstverwirklichung. Im Anschluss findet ein Podiumsgespräch zu Rassismus, Rechtsextremismus und Resilienz statt, bei dem unterschiedliche Generationen miteinander ins Gespräch kommen.
Am Sonntag, 5. Juli 2026, um 12 Uhr lädt die Yavuz Sultan Selim Moschee zu einer Führung durch das muslimische Gotteshaus ein. Dabei erhalten Interessierte Einblicke in den muslimischen Alltag, die Moschee als Gebets- und Begegnungsort sowie in Fragen rund um das muslimische Leben in Heidelberg.
Am Samstag, 11. Juli 2026, um 18 Uhr findet im Restaurant Yalla, Kurpfalzring 110/1, das Poetry-Format „çay & poetry“ mit dem bundesweit aktiven Netzwerk i,Slam e. V. statt, das jungen muslimischen Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform für Literatur, gesellschaftliche Themen und Austausch bietet.
Am Freitag, 17. Juli 2026, ab 18 Uhr zeigt das Karlstorkino den Film „To make a stranger your own“ mit anschließendem Regiegespräch zwischen dem Filmemacher Ayon Mukherji und der Religionswissenschaftlerin Leyla Jagiella.
Die Aktionswochen leben vom Engagement zahlreicher Menschen, Gemeinden, Vereine und Initiativen in Heidelberg. Gemeinsam setzen sie sich für Dialog, Teilhabe und ein gutes Miteinander in der Stadt ein. Beteiligt sind unter anderem der Türkisch-Islamische Kulturverein Heidelberg e. V., die Ahmadiyya Muslim Jamaat Heidelberg, EVA Heidelberg e. V., Freunde arabischer Kunst und Kultur e. V., der Migrationsbeirat der Stadt Heidelberg, die Muslimische Akademie Heidelberg sowie Mosaik Deutschland e. V. Gefördert wird das Programm durch das Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg im Rahmen des Runden Tisches gegen Rassismus.
Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Mehr Informationen zu Programm und Anmeldungen gibt es online unter www.muslimische-akademie-heidelberg.de.
Plakatkampagne, Social Media und Straßenquiz begleiten die Aktionswochen
Wie bereits in den vergangenen Jahren beteiligt sich Heidelberg auch in diesem Jahr wieder an der bundesweiten Plakatkampagne der CLAIM-Allianz zur Sensibilisierung für antimuslimischen Rassismus. Unter dem Motto „Muslime – Teil von Dir!“ regen die Plakate dazu an, gewohnte Perspektiven zu hinterfragen. Die Plakate werden im Heidelberger Stadtgebiet sichtbar sein und die Aktionswochen begleiten. Unter www.allianzgegenhass.de können alle bundesweiten Aktionen und Veranstaltungen der Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus eingesehen werden. Begleitet wird das Veranstaltungsprogramm von einer Social-Media-Kampagne sowie einem interaktiven Straßenquiz in verschiedenen Heidelberger Stadtteilen. Dabei sind Passantinnen und Passanten eingeladen, sich auf spielerische Weise mit Fragen rund um Religion, religiöses Leben und gesellschaftliche Vielfalt auseinanderzusetzen.
Hintergrund: Tag gegen antimuslimischen Rassismus
Am 1. Juli 2009 wurde Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden ermordet. Der Mord an der schwangeren, 32-jährigen Pharmazeutin aus Ägypten wurde auch international zur Zäsur dafür, was Islam- und Muslimfeindlichkeit für Folgen haben können. Als internationaler Tag gegen antimuslimischen Rassismus steht der 1. Juli seitdem für entschiedenes Eintreten für eine solidarische, demokratische, freiheitliche und multireligiöse Gesellschaft.

