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Pflegequote in Heidelberg vergleichsweise niedrig

Verwaltung legte Pflegebedarfsplanung bis 2030 vor – Zahl der Älteren mit Pflegerisiko wird zunehmen

Mit einem Durchschnittsalter der Bevölkerung von rund 40 Jahren ist Heidelberg derzeit die jüngste Stadt Deutschlands. Doch mit dem prognostizierten Bevölkerungszuwachs in den kommenden Jahren wird auch die Zahl älterer Menschen anwachsen. Im Jahr 2035 werden voraussichtlich 20 Prozent mehr über 75-Jährige in Heidelberg leben als noch 2020. Dadurch steigt auch der Anteil der Heidelbergerinnen und Heidelberger, die ein erhöhtes Pflegerisiko haben. Das zeigt die aktuelle Pflegebedarfsplanung, die das Amt für Soziales und Senioren der Stadt Heidelberg am 22. September 2022 im Ausschuss für Soziales und Chancengleichheit vorlegt.

Eine alte Dame sitzt auf dem Bettrand, vor ihr ein Rollator und eine Altenpflegerin hilft ihr beim Aufstehen.
Die Zahl der älteren Menschen mit Pflegerisiko wird in den kommenden Jahren auch in Heidelberg zunehmen. (Foto: Peter Dorn)

Weichen für die nächsten Jahre stellen

Grundlage sind die Zahlen der Pflegestatistik des Landes von 2019 und entsprechende Bevölkerungsprognosen des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Heidelberg. „Heidelberg ist durch seine dezentrale Seniorenpolitik der letzten Jahrzehnte gut aufgestellt und bleibt den Prognosen nach eine junge Stadt. Dennoch müssen wir verstärkt die Bedarfe von Seniorinnen und Senioren in den Blick nehmen. Denn bis 2035 steigt die Zahl der Älteren in unserer Stadt kontinuierlich. Themen wie barrierefreies Wohnen im Alter oder lebenslanges Lernen und Bewegungsförderung als Schutz vor kognitivem und körperlichem Abbau werden deshalb immer wichtiger, ebenso das Thema Pflege. Die Bedarfsplanung kommt deshalb zur rechten Zeit. Wir müssen auf Basis der vorliegenden Daten gemeinsam mit dem Gemeinderat jetzt die Weichen für die nächsten Jahre stellen“, sagt Sozialbürgermeisterin Stephanie Jansen.

Stadtteilorientierte Planungen wichtig

Die Pflegebedarfsplanung zeigt deutlich: Mit Ausnahme des Stadtteils Boxberg steigt in jedem Stadtteil Heidelbergs die Zahl der Menschen über 65 Jahre. So ist der prozentuale Anteil der über 65-jährigen in den Stadtteilen Emmertsgrund, Ziegelhausen und Pfaffengrund besonders hoch, während in den Stadtteilen Rohrbach, Handschuhsheim und Kirchheim absolut betrachtet besonders viele Ältere leben. Wegen der unterschiedlichen Entwicklungen in den Stadtteilen werden dezentrale stadtteilorientierte Ansätze deshalb auch künftig von großer Bedeutung sein. Das betrifft den Bedarf an Pflegeinfrastruktur ebenso wie beispielsweise die Entwicklung der Arbeit in den Seniorenzentren.

Pflegequote in Heidelberg heute geringer als im Landesschnitt

Drei Prozent der Heidelberger Bevölkerung, also knapp 5.000 Menschen, haben derzeit einen eingestuften Pflegegrad, sind also auf Unterstützung angewiesen. Damit liegt Heidelberg deutlich unter der Quote von Baden-Württemberg (4,3 Prozent) und dem Rhein-Neckar-Kreis (4,9 Prozent). Bis 2039 wird die Heidelberger Quote auf 3,5 Prozent ansteigen.

Gute Infrastruktur rund um das Thema Pflege

Derzeit stehen in zehn Heidelberger Stadtteilen insgesamt 1316 Pflegeplätze in 14 Pflegeeinrichtungen zur Verfügung. Die Auslastung liegt zwischen 97,5 und 100 Prozent. 24 ambulante Pflegedienste von freien und privaten Trägern ergänzen das stationäre Angebot. Der Pflegestützpunkt in der Dantestraße 7 bietet Pflegebedürftigen und deren Angehörigen kostenlose Beratung, Information und Vermittlung von Angeboten. Auch der soziale Dienst des Amtes für Soziales und Senioren der Stadt Heidelberg unterstützt in Fragen der Pflegebedürftigkeit. Die elf Seniorenzentren in den Stadtteilen haben eine wichtige Funktion als Begegnungs- und Beratungsstätten und sind das Herzstück der aktivierenden Heidelberger Seniorenarbeit. Ihr Ziel ist es, ältere Menschen darin zu unterstützen, möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld zu leben.

Neue Formate rund um das Thema Pflege

In jüngster Zeit hat die Stadt mit kommunalen Pflegekonferenzen, der Beteiligung am landesweiten Innovationsprogramm für ambulante Pflege „D-Care-Lab“, der digitalen Pflegeplatzbörse sowie durch verschiedene Arbeitskreise, neue Formate und Werkzeuge im Bereich der Pflege unterstützt und etabliert.

Fachkräftemangel ist Herausforderung

„Die Pflegebedarfsplanung gibt uns nun wichtige Hinweise für die künftigen Bedarfe vor Ort“, resümiert Sozialbürgermeisterin Stefanie Jansen. „Im Bereich der Kurzzeitpflege und der stationären Pflege erfüllen wir bereits heute die für 2030 prognostizierte Quote. Allerdings steht zu befürchten, dass sich die bundesweit schlechte Situation in Bezug auf den Fachkräftemangel auch bei uns weiter verschärft. Hier braucht es bundes-, landes- und gesamtgesellschaftliche Anstrengungen, damit wird die Herausforderungen meistern können, vor die uns der demografische Wandel stellt“, so Jansen.

Ergänzend: Infos zum Thema Pflege in Heidelberg auch unter www.heidelberg.de/senioren.

Foto zum Download

(Erstellt am 21. September 2022)

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