Oberbürgermeister Eckart Würzner: So sind Wirtschaft und Wissenschaft für 2022 aufgestellt
Wie sind Heidelberger Wirtschaft und Wissenschaft für die Zukunft aufgestellt und welche Herausforderungen gilt es zu meistern? Heidelbergs Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner gibt im Interview Einblick in seine Schwerpunkte für diese Bereiche. Hier das Gespräch in verschriftlichter Form.
Herr Würzner, wie sind aus Ihrer Sicht Wirtschaft und Wissenschaft in Heidelberg für das neue Jahr aufgestellt?
Prof. Dr. Eckart Würzner: Wir haben eigentlich alle erwartet, dass die Wirtschaft durch die Corona-Pandemie massiv beeinträchtigt wird. Das war am Anfang auch der Fall. Bei uns in Heidelberg hat sich die Situation aber relativ schnell beruhigt. Das liegt sicher auch daran, dass wir ein sehr attraktiver Wirtschaftsstandort sind, der divers aufgestellt ist. Wir haben viele Branchen vor allem im Wissenschafts- und Bildungsbereich mit vielen neuen Unternehmen, die sich in Heidelberg entwickelt haben.
Welche Herausforderungen kommen denn 2022 im Bereich Wirtschaft und Wissenschaft auf Heidelberg zu und was kann die Stadt tun, um sie anzugehen?
Würzner: Wir haben auch in Heidelberg Bereiche, die massiv von Corona betroffen sind. Da denke ich jetzt mal vor allem an das Hotelgewerbe oder an den Einzelhandel, der durch eine Verlagerung auf das Online-Geschäft massiv unter Druck geraten ist. Das hat uns dazu bewogen, dass wir eine Wirtschaftsoffensive gestartet haben, dass wir sehr viele Angebote gemacht haben, zum Beispiel über die Dankeschein-Aktion, um den Einzelhandel zu unterstützen; dass wir Gebühren erlassen haben für den Hotellerie- und Gastronomiebereich, dass wir auch neue Wege gegangen sind in der Verwaltung, wo wir keine Genehmigungsverfahren mit Gebühren belegt haben oder Vorhaben sogar genehmigungsfrei gestellt haben, um einfach mehr Luft zu geben. Ich glaube, wenn wir diesen Weg konsequent weitergehen, werden wir gut aufgestellt sein. Denn wir gehören nach der McKinsey-Studie zu den sogenannten Superstar Hubs, die in den letzten 15 Jahren die stärkste Entwicklung auch gerade in den Zukunftsfeldern gemacht haben, und die WirtschaftsWoche sieht Heidelberg unter den Top-Vier-Standorten in ganz Deutschland.
Heidelberg ist ein beliebter Wirtschaftsstandort. Wie sieht es mit der Herausforderung aus, Flächen bereitzustellen?
Würzner: Das wird sicherlich die spannendste und auch die schwierigste Frage. Wir haben in Heidelberg ganz klar gesagt, dass wir nicht unendlich wachsen, sondern uns auf die Konversionsflächen konzentrieren wollen. Wir wollen keine großen landwirtschaftlichen Flächen und Freiflächen umnutzen. Das bedeuten, dass wir andere Wege gehen müssen. Das machen wir im Süden durch eine Zusammenarbeit mit der Stadt Leimen beim Interkommunalen Gewerbe- und Industriegebiet und das wollen wir auch in anderen Stadtquartieren weiterentwickeln. So versuchen wir gerade auch in den neueren Stadtquartieren wie der Bahnstadt den Bereich Forschung und Wissenschaft gewerblich zu realisieren. Diese Zukunftsfelder haben aber auch auf Patrick-Henry-Village einen idealen Nährboden. Dort kann man wie auf einem Expo-Gelände auch ein bisschen experimentieren – und das ist mit Sicherheit für Unternehmen auch sehr interessant.
Welche Schwerpunkte möchten Sie persönlich 2022 im Bereich Wirtschaft und Wissenschaft setzen?
Würzner: Wir haben in den letzten Jahren strategische Kooperationen im Bereich Wissens- und Bildungsindustrie mit dem Silicon Valley und Wissenschaftszentren wie gerade in Hangzhou in China geschlossen. Ich glaube, es wird entscheidend sein, diese Strukturen auszubauen. Denn nur, wenn wir auf dieser Ebene international wettbewerbsfähig bleiben, dann werden wir auch eine Zukunftsperspektive haben mit dem, was wir momentan als Wirtschaftsstandort anstreben.
