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Eine gute Moderation beginnt weit im Voraus

Claudia Kramatschek zu Gast bei den Heidelberger Literaturscouts

von Heidelberger Literaturscout Klara

Stell dir vor, du stehst als Moderatorin auf der Bühne und interviewst einen französischen Autor. Der Dolmetscher wirkt müde und schläft irgendwann betrunken ein, während der französische Autor nicht aufhört, zu reden…

Claudia Kramatschek ist Moderatorin und Literaturkritikerin. Sie studierte Germanistik und Italianistik und machte sich 1997 als freie Literaturkritikerin und Kulturjournalistin selbstständig. In dieser Zeit kam sie viel herum und moderierte unter anderem auch auf einer Buchmesse in Abu Dhabi. Seit 2019 ist sie nun ein festes Mitglied des Teams der UNESCO City of Literature Heidelberg.
In mehr als 25 Jahren Berufserfahrung hat sie einiges erlebt und dazu gelernt.

Am 11. Februar 2026 besuchte sie die Literaturscouts und gab uns Tipps für das Moderieren und Einblicke in ihren Beruf. Das Treffen begann sie, indem sie zunächst sich und ihren Beruf vorstellte, bevor sie schnell zu den wichtigsten Aspekten beim Moderieren überging.
Sie betonte, wie wichtig es sei, nur Moderationen anzunehmen, auf die wir auch wirklich Lust hätten, sei es aus eigenem Interesse, oder weil man z.B. den Autor kennt. Ein Genre, welches für sie zum Beispiel gar nicht in Frage käme, sei Kinderliteratur. So hat eben jeder seine Vorlieben.
Doch was gehört nun alles zu einer Moderation? Der Teil auf der Bühne ist nämlich nur ein kleiner Teil der Arbeit. Eine gute Moderation beginnt weit im Voraus.
Claudia Kramatschek macht sich hierzu im Vorfeld immer Exzerpte und sammelt alles Wichtige rund um die Autorin und das Buch. Allerdings dient dieses Wissen nur als Absicherung - der Gast spricht!
Auch müssen im Vorfeld verschiedene Aspekte geklärt werden: Wie lang dauert der Abend? Welche Lesepassagen sind vorgesehen? Wie sieht es auf der Bühne aus? Sind Publikumsfragen vorgesehen? Gibt es Getränke? Wenn ja, sollte man diese eventuell öffnen und bereits vorher einschenken. Solche Kleinigkeiten können später viel ausmachen.
Claudia Kramatschek brachte hier den Vergleich, dass man die Bühne kennen sollte, wie sein Wohnzimmer. Es sei wichtig, dass sich der Gast wohlfühlt.
Ebenfalls im Vorfeld überlegt man sich die Fragen, die man dem Gast stellen möchte. Die Fragen sollten offen gestellt werden, also so, dass der Gast nicht einsilbig antworten kann. Sie sollen ein Gespräch anregen, bei dem der Moderator konkret nachfragen und auch mal von dem Geplanten abweichen kann. Hier muss man immer im Hinterkopf behalten, was wichtig ist und was nur als Spielmasse dient! Umgangssprachlich wird diese Spielmasse auch „Speck“ genannt.

Wenn die Vorarbeit geleistet ist, geht es auf die Bühne. Zunächst wird das Publikum begrüßt, anschließend die Veranstaltung genannt und zuletzt der Gast willkommen geheißen. Wichtig zu beachten ist, dass der Gast im Rampenlicht steht und nicht der Moderator. Claudia Kramatschek gab uns einen Überblick über die wichtigsten Punkte und die Struktur der Fragen. Sinnvoll sei es, die Fragen so zu strukturieren, dass sie im Groben starten und nach und nach ins Detail eintauchen. Aber auch Notizen während der Moderation können helfen, den Überblick zu behalten oder auch Rückfragen zu stellen, welche Aufmerksamkeit demonstrieren. Weiter berichtete sie uns, welche Möglichkeiten es gibt, in schwierigen Moderationen zu handeln. Hier brachte sie Beispiele ein, wie man einen Autor stoppen könnte, der nicht aufhört zu reden oder wie man mit jemandem umgehen kann, der nuschelt.

Jederzeit ist es empfehlenswert echt zu reagieren. Claudia Kramatschek berichtete, dass echte Reaktionen Präsenz erzeugen. Wichtig ist: Das Publikum bekommt alles mit!
Die Moderatorin berichtete, dass für den Abschluss der Moderation häufig ein wunderbarer Aspekt fällt, den man aufgreifen und zum Beenden nutzen kann. Am Ende bedankt man sich beim Publikum, aber vor allem auch beim Gast.  Mit all diesen Informationen beendete Claudia Kramatschek das Treffen.

Insgesamt hat mir das Treffen sehr geholfen die Arbeit, die hinter einer Moderation steckt, zu verstehen und ich fand es wirklich interessant. Claudia Kramatschek war während des gesamten Gesprächs freundlich und durchgehend offen für Fragen. Sie konnte über sich selbst und ihre Erfahrungen lachen und das Treffen mit ihr verlief sehr lustig. Ich habe an diesem Nachmittag viel dazu gelernt.

Die Heidelberger Literaturscouts moderieren ab und zu bei ausgewählten Veranstaltungen des DAI Heidelberg mit. Siehe hierzu auch diese Artikel auf dieser Website:

  • „To Capure Things How They Feel“: Interview mit Amy Kurzweil
  • „Diese Frauen haben das Denken verändert“: Interview mit Charlotte Kerner
  • „Paula Steingäßers Blick – wir Menschen und die Klimakatastrophe“

demnächst auch: 

  • Interview mit Tilman Lahme zu Thomas Mann
  • Interview mit Ira Peter und Inna Hartwig

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