Quartiersentwicklung: Interview mit Gero Seidler
Raum- und Umweltplaner Gero Seidler koordiniert das Projekt Südstadt
Gero Seidler ist ein Mann der ersten Stunde. Sein erster Arbeitstag bei der Konversionsgesellschaft Heidelberg: der 1. Januar 2016. Seitdem gehören die ehemaligen Südstadt-Militärflächen der Stadt Heidelberg. Gero Seidler leitet das Projektmanagement Südstadt der Konversionsgesellschaft mbH für die Stadt Heidelberg.
Damals, nach dem Abzug der Amerikaner im Jahr 2013, gab es auf dem Areal zu beiden Seiten der Römerstraße nur leerstehende Gebäude, umrahmt von vielen Zäunen, Toren und Mauern. Ein Sicherheitsdienst, der im Eddy House hinter dem Mark-Twain-Center saß, bewachte im Auftrag des Bundes das große leerstehende Areal bestehend aus den Campbell Barracks und dem Mark-Twain-Village.
Am 1. Januar 2016 startete für Gero Seidler die Aufgabe, die 43 Hektar große frühere Militärfläche in ein lebendiges Stadtquartier zu verwandeln. Seine Aufgabe: die Gesamtkoordination aller Beteiligten und aller Einzelmaßnahmen, der Finanzierung und Zeitschienen mit dem Ziel, daraus schnellstmöglich ein lebendiges Stadtquartier zu machen. „Das ist, als ob man einen Flohzirkus beherrschen muss“, erinnert sich der Diplom-Ingenieur an die damalige Aussage eines Kollegen.
Was waren erste große Projekte? „Die Amerikaner hatten das gesamte Gelände mit zahlreichen Funktionsgebäuden für ihre Zwecke ergänzt. Es mussten also erstmal umfangreiche Abbruch- und Entsiegelungsmaßnahmen durchgeführt werden. Zum Glück hatten wir keine größeren Bodenverunreinigungen“, erzählt Seidler.
Wie ging es weiter? Im Herbst 2017 öffneten die Türen der Julius-Springer-Schule, der früheren US-High-School. Rund 1.000 Berufsschülerinnen und Berufsschüler kamen in die Südstadt – auf ein Areal, das wegen des Leerstandes wenig einladend war. „Wir mussten eine Zufahrt zur Schule ermöglichen und gleichzeitig das restliche Gelände noch abgesperrt halten. Die Baustellenlogistik bei gleichzeitigem Betrieb erster öffentlicher Einrichtungen war schon herausfordernd.“
Die Entwicklung eines neuen Stadtquartiers basiert auf langjährigen Prozessen. Es gibt zahlreiche Beteiligte, viele Einflüsse von außen. Was braucht es für einen solchen Job? „Lösungsorientierung und Beharrlichkeit. Manches kann einem die Haare zu Berge stehen lassen. Am Ende ist man dennoch stolz auf das, was hier in nur zehn Jahren entstanden ist“, sagt Gero Seidler.
