Der Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg 2026 geht an Julia Cimafiejeva

Der mit 15.000 Euro dotierte Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 2026 der Stadt Heidelberg geht an die 1982 in Belarus geborene Autorin Julia Cimafiejeva. Die Auszeichnung wird alle drei Jahre an Schriftstellerinnen und Schriftsteller vergeben, die im Exil in Deutschland leben oder als Nachkommen mit diesem Thema in Berührung kamen, sich literarisch damit auseinandersetzten und in deutscher Sprache publizieren. Der Hilde-Domin-Preis wird im Herbst 2026 in der UNESCO City of Literature Heidelberg verliehen.

Autorin Julia Julia Cimafiejeva
Die 1982 in Belarus geborene Autorin Julia Cimafiejeva erhält den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg 2026. (Foto: Alhierd Bacharevic)

Die Jury erklärte in ihrer Begründung: „Die belarusische Dichterin und Übersetzerin Julia Cimafiejeva nimmt in ihrem Werk – insbesondere im Gedichtzyklus ‚Blutkreislauf‘ (edition.fotoTAPETA 2025) – das eigene Erleben und Exil zum Anlass, um in fein gewebten Bildern Erfahrungen und Erinnerungen zu Heimat, Flucht, Vertreibung und ‚Ankommen' zu reflektieren. Dabei kehrt sie zurück in die Geschichte des blutigen 20. Jahrhunderts – nach Tschernobyl ebenso wie in NS-Zwangsarbeitslager, wo Familienangehörige interniert waren. Ihr immer neu ansetzendes Nachdenken wird von einer lyrischen Sprache getragen, die gleichermaßen sich selbst wie vertraute Vorstellungen von Europa hinterfragt: Wem gehört Erinnerung? Wie gelangen auch intergenerationelle Erfahrungen des Exils zum Ausdruck? Was gibt Anlass zu Hoffnung?“

Die Autorin

Julia Cimafiejeva, geboren 1982 in Brahin, Belarus, ist eine belarusische Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin. Sie verbindet in ihrem Schreiben poetische und dokumentarische Formen, persönliche Erinnerungen und kollektive Geschichte. Seit 2014 erschienen von ihr fünf Gedichtbände auf Belarusisch und etablierten Cimafiejeva als eine der wichtigsten Stimmen ihrer Generation. Ihre Bücher wurden in Übersetzungen in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Schweden und den USA veröffentlicht. Auf Deutsch erschienen von ihr in der edition.fotoTAPETA, Berlin, die Bände „Zirkus“ (2019), „Minsk. Tagebuch“ (2021), „Der Angststein“ (2022) sowie 2025 „Blutkreislauf“, in der Übersetzung von Tina Wünschmann. Eine Sammlung von Collagen und Gedichten erschien ebenfalls 2025 unter dem Titel „Ich zerschneide die Geschichte“ (edition frölich, Berlin).

Als Übersetzerin hat Cimafiejeva Gedichte unter anderem von Walt Whitman und Stephen Crane ins Belarusische übertragen, außerdem Kinderbücher von Maja Lunde und Stian Hole. 2020 musste Cimafiejeva zusammen mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Alhierd Bacharevič, Belarus aus politischen Gründen verlassen. Das Paar verbrachte anschließend im Exil Stationen in Graz, Chemnitz, Zug und Hamburg. Seit 2025 leben Julia Cimafiejeva und ihr Mann in Berlin. Dort war sie im gleichen Jahr 2025 Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des daad sowie 2026 Fellow an der Robert Bosch Academy Berlin.

Die Jury

Mitglieder der Jury des Hilde-Domin-Preises sind Prof. Dr. Doerte Bischoff (Germanistin und Leiterin der Walter A. Berendsohn Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur; Universität Hamburg), Gregor Dotzauer (Literaturkritiker, Essayist, Literaturredakteur beim Berliner „Tagessspiegel“), Marie-Luise Knott (Journalistin, Übersetzerin, Kritikerin, Herausgeberin und Essayistin), Prof. Dr. Kerstin Schoor (Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Inhaberin der Axel Springer-Stiftungsprofessur für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, Exil und Migration an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder) und Cornelia Zetzsche (Literaturkritikerin, Kuratorin, Moderatorin, Kulturjournalistin).

Preis „Literatur im Exil“

Der Preis „Literatur im Exil“ wurde 1992 von der Stadt Heidelberg anlässlich des 80. Geburtstages der Ehrenbürgerin und ersten Preisträgerin Hilde Domin gestiftet. Seitdem wird die Auszeichnung alle drei Jahre an Schriftstellerinnen und Schriftsteller vergeben, die im Exil in Deutschland leben oder als Nachkommen mit diesem Thema in Berührung kamen, sich literarisch damit auseinandersetzten und in deutscher Sprache publizieren. Die Vergabe kann entweder für eine Einzelleistung oder in Anerkennung des Gesamtwerkes erfolgen. Bei ins Deutsche übersetzten Werken kann der Übersetzer oder die Übersetzerin nach Ermessen der Jury bis zu einem Drittel am Preis beteiligt werden. Der Preis ist dotiert mit 15.000 Euro. Zu Ehren Hilde Domins wurde der Preis nach ihrem Tod im Februar 2006 in „Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil“ umbenannt.

Bisherige Preisträger

Neben Hilde Domin erhielten den Preis bisher der in Teheran geborene Autor SAID, der in Leningrad geborene Boris Chasanow und dessen Übersetzerin Annelore Nitschke, der Bosnier Stevan Tontic, der Algerier Hamid Skif, der Deutsch-Iraker Sherko Fatah, der in Leningrad geborene Autor Oleg Jurjew sowie der in Bagdad geborene Autor Abbas Khider, der 2018 verstorbene deutsche Schriftsteller Edgar Hilsenrath sowie Natascha Wodin und zuletzt Bachtyar Ali.

Preisverleihung und Lesung

Der Preis wird am 20. Oktober 2026 an Julia Cimafiejeva in Heidelberg überreicht. Weitere Informationen zur Preisverleihung werden zeitnah im Vorfeld bekannt gegeben.

Weitere Informationen zu den Literaturpreisen der Stadt Heidelberg gibt es im Internet unter www.heidelberg.de/kulturamt.

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