Stadt Heidelberg stärkt Gewaltprävention an Schulen
Erfahrene Träger entwickeln die Angebote weiter
Drei Heidelberger Bildungsträger entwickeln künftig die Präventionsarbeit an Heidelberger Schulen weiter, die sich mit Schutz vor sexualisierter Gewalt und geschlechtsspezifischen Rollenbildern beschäftigt. Dafür hat der Ausschuss für Soziales und Chancengleichheit am 9. Juni 2026 einen Zuschuss in Höhe von 90.000 Euro gewährt. Hintergrund ist das Ende der Tätigkeit der gemeinnützigen Beratungsstelle „fairmann“ zum 31. Dezember 2025. Damit entstand ein Bedarf, die bisherige Arbeit in diesem Themenfeld neu zu organisieren. Für den Projektzuschuss werden Mittel eingesetzt, die vorher zur Sicherstellung der Präventionsarbeit von „fairmann“ dienten.
Um die bestehenden Angebote fortzuführen und gleichzeitig auf veränderte gesellschaftliche Anforderungen zu reagieren, wird Mosaik Deutschland e. V. das bisherige Angebot weiterentwickeln und in Zusammenarbeit mit dem Frauennotruf Heidelberg e. V., PLUS e. V. und dem Amt für Chancengleichheit aktuelle Bildungsangebote für Heidelberg im Schwerpunkt Jungenarbeit umsetzen.
Neue gesellschaftlichen Herausforderungen
Die Anforderungen an Gewaltprävention an Schulen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Digitale Räume spielen im Alltag junger Menschen eine zentrale Rolle. Sie bieten viele Chancen, können aber auch Orte sein, an denen diskriminierende, antifeministische und demokratiefeindliche Inhalte verbreitet werden.
Stefanie Jansen, Bürgermeisterin für Soziales, Bildung, Familie und Chancengleichheit, betont: „Die Stadt Heidelberg stellt sich den veränderten Herausforderungen. Mit der Zusammenarbeit erfahrener lokaler Partnerinnen und Partner sichern wir bestehende Angebote und bauen sie weiter aus. Unser Ziel ist es, junge Menschen zu stärken, sie vor Ausgrenzung und extremistischen Einflüssen zu schützen und ihnen in unserer vielfältigen Stadtgesellschaft Orientierung zu geben. Das ist ein wichtiger Beitrag für ein demokratisches und respektvolles Heidelberg.“
Yasemin Soylu, Geschäftsführerin von Mosaik Deutschland e. V. ergänzt: „Junge Menschen – insbesondere auch Jungen und junge Männer – sind heute mit unterschiedlichsten Rollenbildern und gesellschaftlichen Erwartungen an ihr Geschlecht konfrontiert. Hierbei mangelt es oft an Vorbildern. Der Einfluss radikaler Männlichkeitsbilder nimmt insbesondere über Social Media zu. Wir wollen Räume schaffen, in denen junge Menschen Rollenbilder reflektieren, Orientierung gewinnen und im Umgang mit solchen Einflüssen gestärkt werden.“
Lokale Expertise bündeln
Vor diesem Hintergrund bündeln Mosaik Deutschland e. V., der Frauennotruf Heidelberg e. V. und PLUS e. V. ihre jeweiligen fachlichen Schwerpunkte und entwickeln gemeinsam ein weiterführendes Präventionskonzept für Heidelberger Schulen. Der Frauennotruf Heidelberg bringt seine langjährige Expertise in der Prävention sexualisierter Gewalt und in der Entwicklung schulischer Schutzkonzepte ein. PLUS e. V. ergänzt das Angebot mit dem Schwerpunkt auf der Prävention von Queerfeindlichkeit. Mosaik Deutschland e. V. bringt als Einrichtung politischer Bildung langjährige Erfahrungen aus der Antidiskriminierungsarbeit, der Demokratieförderung sowie der Prävention extremistischer und demokratiefeindlicher Haltungen ein.
Angebote für Schulen und Fachkräfte geplant
Geplant sind unter anderem Workshops für Schulklassen zu den Themenschwerpunkten geschlechterreflektierte Jungenarbeit sowie Präventionsangebote zu digitaler Gewalt, Antifeminismus und Queerfeindlichkeit. Ergänzend sollen Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte angeboten und Schulen bei der Weiterentwicklung ihrer Schutz- und Präventionskonzepte unterstützt werden. Ziel ist es, junge Menschen zu stärken – in ihrer Selbstwirksamkeit, Medienkompetenz und in ihrer Fähigkeit, demokratisch zu handeln. Die Stadt will damit sexualisierter Gewalt, Ausgrenzung und Radikalisierung frühzeitig entgegenwirken. Dafür schafft sie verlässliche Kooperationsstrukturen und unterstützt Schulen in ihrer Präventionsarbeit.
Geschlechtergerechtigkeit und Gewaltfreiheit gemeinsam stärken
Die Weiterentwicklung der Gewaltprävention an Schulen ist Teil eines umfassenderen kommunalen Engagements für Gleichberechtigung und gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Mit dem Runden Tisch Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit hat die Stadt Heidelberg ein dauerhaftes Forum geschaffen, in dem Verwaltung, Fachstellen, Bildungsträger, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam daran arbeiten, Gleichstellung voranzubringen und geschlechtsbezogene Diskriminierung und Gewalt wirksam zu bekämpfen. Der Runde Tisch wird vom Amt für Chancengleichheit der Stadt koordiniert.