Nach sechs Monaten in Heidelberg: Wie Fachkräfte aus Kolumbien die Kitas stärken
Bürgermeisterin Jansen sprach mit Erzieherin über Ankommen, Integration und Fachkräftesicherung
Vor einem halben Jahr sind 14 pädagogische Fachkräfte aus Kolumbien nach Heidelberg gekommen, um hier in Kindertageseinrichtungen zu arbeiten. Heute gehören sie in städtischen und freien Kitas ganz selbstverständlich mit dazu: Sie gestalten Bildungsangebote, begleiten Kinder im Tagesablauf und bereichern die Teams mit neuen Perspektiven. Zum Auftakt ihrer Sommertour sprach Bürgermeisterin Stefanie Jansen mit einer der Fachkräfte, die seit Januar in der Städtischen Kita Im Hüttenbühl in Kirchheim arbeitet, über die Erfahrungen der ersten Monate und darüber, was es braucht, um in einem neuen Land anzukommen.
Der Schritt von Kolumbien nach Heidelberg bedeutete für die Fachkräfte weit mehr als einen Arbeitsplatzwechsel. Mehr als 9.000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt, mussten sie sich in einer neuen Sprache, einer anderen Kultur und einem unbekannten Arbeitsumfeld zurechtfinden. Dass dieser Neuanfang gelingt, zeigt sich inzwischen in den Heidelberger Kitas: Die neuen Kolleginnen und Kollegen sind fest in die Teams integriert und übernehmen zunehmend Verantwortung im pädagogischen Alltag.
Internationale Fachkräfte stabilisieren das Betreuungsangebot
„Die ersten Monate waren für viele eine große Herausforderung. Umso beeindruckender ist, wie gut die Fachkräfte inzwischen in den Einrichtungen angekommen sind“, sagt Bürgermeisterin Stefanie Jansen. Internationale Rekrutierung ist für die Sozialbürgermeisterin kein Ersatz für die Ausbildung vor Ort, aber ein wirksamer zusätzlicher Baustein, um stabile Betreuungsangebote zu sichern. Jansen weiß, wie wichtig für die Fachkräfte dabei das Umfeld ist: „Integration gelingt dort, wo Menschen willkommen sind und Unterstützung erfahren. Dafür ist Heidelberg ein guter Ort.“
Die Fachkräfte arbeiten in fünf städtischen sowie neun Einrichtungen freier Träger. Denn Stadt und freie Träger haben sich bei der Fachkräftegewinnung gemeinsam auf den Weg gemacht, um in einer ohnehin schwierigen Arbeitsmarktsituation nicht innerhalb der Stadtgrenzen miteinander zu konkurrieren. Jetzt begleiten Stadt und Träger die Kolumbianerinnen auf ihrem Weg zur beruflichen Anerkennung in Deutschland.
In den Einrichtungen erleben Kinder die internationale Vielfalt ganz unmittelbar. Neben ihrer fachlichen Qualifikation bringen die Fachkräfte auch persönliche Erfahrungen, kulturelle Traditionen und neue Ideen in den Kita-Alltag ein. So gehören inzwischen kolumbianische Kinderlieder, kreative Kunstangebote oder Spiele aus Südamerika zum Programm einzelner Gruppen.
Spracherwerb als große Hürde
Die 34-jährige Andrea Gamboa, die in Kolumbien ihren Doktor in Pädagogik gemacht hat und nun Erzieherin in der Kita Hüttenbühl ist, berichtet, dass vor allem die Sprache anfangs eine große Hürde war. „Obwohl ich schon Deutsch gelernt hatte, war es nicht leicht, verschiedene Dialekte zu verstehen oder mit kleinen Kindern zu sprechen. Jeden Tag lerne ich neue Wörter und Redewendungen. Mittlerweile fühle ich mich deutlich sicherer und kann eigene Bildungsangebote durchführen und mich aktiv in den Alltag der Kita einbringen.“
Besonders beeindruckt habe sie die pädagogische Arbeit in Deutschland. „Mir gefällt, dass das Kind im Mittelpunkt steht. Die Kinder entscheiden vieles selbst, ihre Interessen werden ernst genommen und ihre Selbstständigkeit wird gezielt gefördert. Gleichzeitig konnte ich meine eigenen Erfahrungen als Erzieherin und Pädagogin einbringen, etwa mit kreativen Angeboten, die Musik, Malen und spielerische Lernen verbinden. Es macht mir Freude, den Kindern auch etwas von meinem Heimatland näherzubringen, traditionelle Spiele, Kinderlieder, kolumbianische Kultur.“
Dass Integration mehr braucht als einen Arbeitsvertrag, weiß die Fachkraft aus eigener Erfahrung. Hilfe bei Behördengängen, Unterstützung bei organisatorischen Fragen und vor allem die Offenheit im Team seien für sie entscheidend gewesen. „Meine Kolleginnen, Kollegen und die Leitung waren immer geduldig und hilfsbereit. Dadurch konnte ich mich schnell entwickeln und ein Teil des Teams werden.“
Chance für kulturellen Austausch
Die Stadt Heidelberg sieht in den bisherigen Erfahrungen eine Bestätigung ihres Kurses. Trotz weiterhin bestehender Herausforderungen bei der Fachkräftegewinnung – derzeit sind in den 24 städtischen Kitas zehn Stellen unbesetzt – tragen die internationalen Fachkräfte dazu bei, Betreuung verlässlicher abzusichern. Gleichzeitig zeigen ihre Geschichten, dass Arbeitsmigration nicht nur eine Antwort auf Personalmangel sein kann, sondern auch eine Chance für gesellschaftliche Teilhabe und kulturellen Austausch.
Für Andrea Gamboa aus Kolumbien ist die Entscheidung inzwischen auch persönlich zu einer Zukunftsperspektive geworden: „Ich habe zwischenzeitlich meine eigene Wohnung in der Nähe von Heidelberg und eine feste Alltagsroutine aufgebaut. Heidelberg ist eine wunderschöne Stadt mit hoher Lebensqualität. Ich hoffe, dass mein Mann bald nachkommen kann. Dann wird sich Heidelberg noch mehr wie ein Zuhause anfühlen.“
Hintergrund
Die 14 Fachkräfte aus Kolumbien wurden über das Pilotprojekt „Shaping the Future – EDUCO“ der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Kooperation mit dem kolumbianischen Servicio Público de Empleo vermittelt. Sie arbeiten in fünf städtischen Kitas sowie in neun Einrichtungen freier Träger. Kooperationspartner der Stadt und der freien Träger waren auch die Heidelberger Dienste gGmbH, die Wohnen im Fachkräftehaus, Behördengänge und Freizeit in der Ankommensphase begleiten.
Heidelberg verfügt über 137 Kindertageseinrichtungen mit rund 6.000 Betreuungsplätzen. Die Gewinnung internationaler Fachkräfte ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets von Stadt und Trägern zur Sicherung der Fachkräfteversorgung und einer verlässlichen Kinderbetreuung.
