Maja Nielsen

Das falsche Leben

von Heidelberger Literaturscout Leon Hauck

In ständiger Angst

Thomas ist 16 und lebt in Westdeutschland vor der Wende. Er hat einen großen Bruder und zeichnet gerne. Doch auf einen Schlag ändert sich sein Leben völlig. Hals über Kopf muss er mit seiner Familie in die DDR fliehen. Doch warum, fragt er sich. Die Antwort ist einfach und dennoch verstörend: Sein Vater wurde als Spion der DDR enttarnt und muss sich rasch zurückziehen. Das ist ein Schock für alle Familienmitglieder. Wie lebt es sich im Osten? Sein Vater versucht anfangs, dem System noch etwas Positives abzugewinnen, aber vor allem für Thomas und seinen Bruder ist schnell klar: hier wollen sie nicht bleiben. Doch wie kommen sie wieder zurück in den Westen?
Genau davon handelt das Buch „Das falsche Leben“ von Maja Nielsen. Nachdem auch der Vater eingesehen hat, dass die Spionage ein Fehler war und dass das System in der DDR nicht hält, was es versprochen hatte, schmiedet die Familie einen Fluchtplan. Nach mehreren Anläufen schaffen sie es, Thomas‘ Bruder die Ausreise zu ermöglichen. Doch Thomas und seine Eltern fliegen auf und werden verhaftet. Werden sie es jetzt noch schaffen, in den Westen zu kommen?
Besonders der Aufbau des Buches hat mir sehr gefallen. Die Spannung und das Unbehagen nehmen bis zum Höhepunkt immer mehr zu. Was am Anfang noch relativ harmlos beginnt, steigert sich bis in eine lebensgefährliche Situation. Der Stil ist sehr fesselnd, ich konnte das Buch kaum weglegen. Man fiebert mit der Hauptfigur mit und hofft, dass alles noch gut für sie ausgehen wird. Alles in allem finde ich die Geschichte sehr gelungen.
Die Stimmung des Buches ist relativ düster und bedrückend, aber es passt gut zu den damaligen Verhältnissen und den Erlebnissen der Hauptperson. Die Autorin hat die bedrückende Stimmung anschaulich dargestellt und die Figuren sind sehr lebendig beschrieben. Nach der Lektüre des Buches kann man sich viel besser vorstellen, wie es war, in ständiger Angst zu leben.
Besonders interessant finde ich auch die Tatsache, dass das Buch nach einer wahren Begebenheit erzählt ist. Viele Figuren aus dem Buch gab und gibt es wirklich. Das steigert die Empathie mit den Figuren deutlich. Ebenfalls gut finde ich, dass man im Anhang noch erfährt, wie es mit den Personen weitergeht. Und praktisch ist auch das Glossar am Ende des Buches, in dem die wichtigsten Begriffe aus der damaligen Zeit erklärt werden. So ist das Buch auch für alle Nicht-DDR-Kenner verständlich.

Das Buch
Maja Nielsen
Das falsche Leben
Gerstenberg Verlag 2025
ab 14 Jahren
ISBN 9783836963558

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