Logo facebook Logo Twitter Logo YouTube Logo RSS Logo YouTube Logo Instagram

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Amt für Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie
Prinz-Carl, Kornmarkt 1
69117 Heidelberg
Telefon 06221 58-18000 und 58-18010
Fax 06221 58-4618000

Zur Ämterseite

Kartenansicht von Heidelberg, auf der Temperaturunterschiede dargestellt sind

Stadtklima Heidelberg

Klima ist definiert als der mittlere Zustand der atmosphärischen Witterungsbedingungen mit ihren Schwankungsbereichen an einem bestimmten Ort. Die geographische Lage sowie die Höhe des Ortes sind, wie die Nähe zu größeren Wasserflächen, entscheidende Einflussgrößen. Beschrieben wird das Klima durch die Parameter Lufttemperatur, Luftfeuchte, Niederschlag, Luftdruck, Wind, Bewölkung und Strahlung.

Während das Klima in der freien Landschaft weitgehend von natürlichen Gegebenheiten abhängig ist, bildet sich in Stadtlandschaften ein durch die Bebauung beeinflusstes Klima aus, das Stadtklima. Bebauung und Versiegelung führen zur Veränderung des Wärmehaushaltes, des Wasserhaushalts und des örtlichen Windfeldes. Charakteristisch für das Stadtklima ist der „Wärmeinsel-Effekt“ durch die Aufheizung und Wärmeabstrahlung der Bebauung, wodurch ein Temperaturunterschied zwischen Innenstadt und außerstädtischem Freiland von ein bis zwei Grad Celsius im Jahresmittel und bis zu zehn Grad Celsius in windschwachen, wolkenlosen Sommernächten resultiert.

Mit zunehmender Bebauungsdichte erhöht sich die „Rauigkeit“ einer Fläche, so dass sich die mittlere Windgeschwindigkeit verringert. Gleichzeitig verringert sich die Wasserspeicher- und Verdunstungsleistung bei zunehmender Flächenversiegelung. Beide Phänomene tragen dazu bei, dass innerstädtische Flächen in Sommernächten schlechter abkühlen, und verstärken so den Wärmeinsel-Effekt.

Hohe Temperaturen belasten den menschlichen Organismus. Eine schlechte Belüftung erhöht die Belastung. Die gesundheitlichen Folgen thermischer Belastungen können von Hitzestress, Sonnenstich und leichten Kreislaufbeschwerden bis hin zu Hitzekollaps und lebensgefährlichem Hitzschlag reichen. Hohe nächtliche Temperaturen beeinträchtigen einen erholsamen Schlaf. Für eine Stadtklimaanalyse sind daher die Häufigkeit von Tagen mit Hitzebelastung und Nächten mit Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius („Tropennächte“) entscheidende Faktoren zur Bewertung des Bioklimas.

Im Zuge des Klimawandels wird die Zahl der Hitzebelastungstage und der Tropennächte zunehmen. Umso wichtiger ist es, sowohl bei der Bebauungs- und Freiflächenplanung als auch beim Hausbau und bei der Gebäudetechnik bioklimatische Aspekte zu beachten.


Stadtklimagutachten Heidelberg 2015

Das Stadtklimagutachten Heidelberg 2015 stellt die Fortschreibung eines Gutachtens von 1995 dar. Dessen umfangreiche Bestandsdaten wurden aufbereitet und in ein digitales 3D-Strömungsmodell eingespeist, mit dem sich lokale und regionale Luftaustauschbewegungen simulieren lassen. Auf dieser Basis wurde die bioklimatische Ausgangssituation analysiert und eine Planungshinweiskarte erstellt. Wie schon im Stadtklimagutachten 1995 werden bioklimatisch belastete Siedlungsbereiche als Wirkungsräume und entlastende, Kaltluft produzierende Flächen als Ausgleichsräume ausgewiesen und bewertet. Das Gutachten bietet eine qualifizierte Grundlage für Planer und Politiker, um klimaökologische Aspekte bei der Stadtentwicklungsplanung – wie die Freihaltung von Kaltluft- und Ventilationsbahnen oder die Schaffung bzw. den Erhalt von klimaökologischen Ausgleichs- und Erholungsflächen - zu berücksichtigen und auf der Basis von Planungsempfehlungen auch Verbesserungsmaßnahmen im Bestand einzuleiten.

weitere Infos


Stadtklimaprognose, Maßnahmen zur Hitzeminderung

Im Rahmen des KLIMOPASS-Projekts „Planungsempfehlungen für die (stadt-) klimawandel-gerechte Entwicklung von Konversionsflächen – Modellvorhaben Heidelberg“ wurde für das gesamte Stadtgebiet eine räumlich differenzierte Prognose der Temperaturentwicklung berechnet und kartographisch dargestellt. Bereits heute sind ein Viertel der Flächen im Siedlungsbereich durch Überwärmung belastet. Dieser Anteil wird in Zukunft weiter zunehmen. Die Zahl der Tage mit einer Hitzebelastung im Siedlungsgebiet wird sich bis zur Mitte des Jahrhunderts verdoppeln. Die Zahl der Tropennächte (nächtliche Minimaltemperaturen größer 20°C) wird um den Faktor vier zunehmen.

Außerdem konnte erstmals am Beispiel der Konversionsfläche Hospital ein städtebaulicher Rahmenplan in hoher räumlicher Auflösung auf seine bioklimatischen Auswirkungen überprüft und optimiert werden. Die Ergebnisse der mikroskaligen Modellierung zeigen für die Planzustände eine Verbesserung der bioklimatischen Situation des Geländes US-Hospital. Trotz einer dichteren Bebauung ist eine deutliche Senkung der thermischen Belastung durch Entsiegelung der unbebauten Bereiche und Erhöhung des Vegetationsanteils zu verzeichnen. Die Veränderung bezieht sich dabei hauptsächlich auf die thermische Situation am Tag. Bei der Dachbegrünung zeigt sich aufgrund der Gebäudehöhen ein relativ geringer Effekt am Boden. Die Fassadenbegrünung dagegen ist durch die Transpirationswirkung sowohl am Boden als auch in der Höhe wirksam und hat zusätzlich einen positiven Einfluss auf das Innenraumklima. Auch die Wasserfontäne ist eine effektive Maßnahme, um lokal den Hitzestress zu senken. Die Ergebnisse der Modellsimulationen verdeutlichen zudem, dass eine ausreichende bodennahe Durchlüftung im Modellgebiet gewährleistet ist.

Der letzte Stand des Rahmenplan-Entwurfs, der am 18.05.2017 als Grundlage für die weitere Planung beschlossen wurde, beinhaltet mit der neu geschaffenen Parkfläche, dem vorgesehenen hohen Grünvolumen in den Blockinnenbereichen und entlang der Erschließungswege, der Öffnung der Blockrandbebauung, der Dachbegrünung und dem Einsatz von Wasser wesentliche Aspekte einer bioklimatisch optimierten Gestaltung, die für zukünftige Planungen übernommen werden können. Weitere Optimierungsvorschläge, wie die Empfehlungen zur Verwendung und Einfärbung von Baustoffen, können auf der Grundlage des Rahmenplans im Bebauungsplanverfahren sowie in der Beratung der Bauherren eingebracht werden. Auch eine angepasste Gebäudetechnik mit den Aspekten Gebäudekühlung, Fassadenbeschattung und Dämmung kann einen wichtigen Beitrag zu einer Minderung der Hitzebelastung leisten. Somit ist der Abschlussbericht eine wichtige Grundlage für die Erarbeitung technischer und planerischer Konzepte zur Minderung der Hitzebelastung im Rahmen eines Klimawandel-Anpassungskonzeptes.

weitere Infos