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Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Dr.
Marie-Luise Löffler
Sachbearbeiterin Geschlechtergerechtigkeit - Frauenperspektive
Bergheimer Straße 69
69115 Heidelberg
Telefon 06221 58-15520

Equal Pay Day 2010:

"Lieber Gleich: Entgeltgleichheit. Was muss sich ändern?"

Von links nach rechts: Simone Denzler, Journalistin und Pressereferentin des BPW Germany; Claudia Luz, Redaktion GiP, Partnerin im Heidelberger Bündnis für gleiche Bezahlung; Roland Haag, Leiter des Personal- und Organisationsamtes; Nadine Klasen, Vertreterin des Amtes für Wirtschaftsförderung und Beschäftigung; Bürgermeister Wolfgang Erichson; Dörthe Domzig, Leiterin des Amtes für Chancengleichheit und Dr. Karin Tondorf, Entwicklerin von eg-check.de (Foto: Rothe)

Eigentlich ist Entgeltdiskriminierung ist nach deutschem und europäischem Recht verboten. Aber auch 2010 haben Frauen erst am 26. März, dem diesjährigen Equal Pay Day, in etwa das verdient, was Männer bereits am 31. Dezember 2009 in der Tasche hatten. Am Vorabend hatte das Amt für Chancengleichheit zu der Veranstaltung "Lieber Gleich: Entgeltgleichheit. Was muss sich ändern?" eingeladen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Entgeltungleichheit ernstzunehmend gemessen werden kann.

"Das Bewusstsein für diese Ungerechtigkeit muss geschärft werden", betonte Bürgermeister Wolfgang Erichson in seiner Begrüßung. Er unterstrich, dass es in den USA in den letzten Jahren gelungen sei, den Equal Pay Day schon um einen vollen Monat nach vorne zu verlegen. Möglich wird das vielleicht auch in Deutschland, wenn tatsächlich geeignete Messinstrumente gefunden werden. Die neue Messmethode der Referentin Dr. Karin Tondorf könnte ein Schritt in diese Richtung werden. Die Wissenschaftlerin hat mit einer Kollegin mit dem "EG-Check" ein Instrument entwickelt, mit dem Ungerechtigkeiten aufgespürt werden können.

Dr. Karin Tondorf (Foto: Rothe)

Leicht ist das nicht, sondern ziemlich komplex. Relativ einfach einschätzen lässt sich die Lage, wenn Mann und Frau beide im gleichen Beruf arbeiten, gemeinsam in einer Küche kochen oder beide Bus fahren. Dann geht es einfach nur darum, ob beide das gleiche Geld bekommen. Schwieriger lassen sich da schon die Aufgaben einer Küchenchefin mit denen eines Werkstattleiters vergleichen.

Aber auch dafür haben Karin Tondorf und ihr Team Kriterien entwickelt, mit denen sich die Verantwortung, die erforderliche psycho-soziale Kompetenz, das Wissen und die Führungsanforderungen messen lassen. "Es gilt, die Benachteiligung transparent zu machen", so die Wissenschaftlerin. Das macht sie mit einer ausgeklügelten Berechnung, mit der jeder einzelne Entgeltbestandteil berücksichtigt werden kann.

Und dabei wird deutlich, wo Lücken klaffen. Tondorf hat den Fall eines Kontrollschaffners und einer Kontrollschaffnerin, der beim Bundesarbeitsgericht verhandelt worden war, mit ihrem eg-check analysiert. 9,93 Euro wäre beim untersuchten Fall der Tarif gewesen. Real gezahlt wurden für den Mann 9 Euro, für die Frau 8,32 Euro. Die Rechtfertigungsgründe dafür sind vielfältig: "Sie ist noch nicht so lange im Betrieb, sie hat nie mehr gefordert, sie ist jünger, sie arbeitet nicht so häufig länger." Angst nehmen wollte Karin Tondorf benachteiligten Frauen vor dem Rechtsweg. Eine Einkommensanpassung der besser bezahlten Männer nach unten komme so gut wie nie vor, weiß sie. Aber dass Frauen nach der Beschwerde mehr in der Tasche haben, schon sehr viel eher.

Podiumsdiskussion mit Roland Haag, Nadine Klasen, Simone Denzler und Dörthe Domzig (von links nach rechts, Foto: Rothe)

Dass viele Frauen ihr Wissen und ihre Ausbildung nicht adäquat einsetzen könnten, sei ebenso wenig akzeptabel wie der Umstand, dass auch viele Väter für sich Beruf und Familie kaum vereinbaren könnten, so die Leiterin des Heidelberger Amtes für Chancengleichheit, Dörthe Domzig, bei der Einführung in das anschließende Podiumsgespräch.

Für Podiumsgast Roland Haag, den Personalchef der Heidelberger Stadtverwaltung, ist das keine Frage: "Wir haben keine Alternative, wenn wir im Wettbewerb um die besten Köpfe nicht verlieren wollen." In seinem "Haus" hat sich in den letzten Jahren die Lücke schon deutlich verringert, durchschnittlich elf Prozent Lohnunterschied sind es bei den Vollzeitkräften.

Nadine Klasen als Vertreterin des Amtes für Wirtschaftsförderung und Beschäftigung unterstrich, dass ein Umdenken auch in den Betrieben stattfinden müsse. Das, so Simone Denzler von der Vereinigung "Business and Professional Women Germany", Gruppe Metropolregion Rhein-Neckar, habe auch etwas mit flexiblen Arbeitsmodellen zu tun. Und da gelte es Männer ebenso ins Boot zu holen wie Frauen. Kein leichter Weg, so Dörthe Domzig abschließend. Sondern einer der vielen kleinen Schritte. Und sie hofft auf einen Equal Pay Day im Februar.

Damit auch in "Heidelberg in Zukunft mehr drin ist", wurde 2009 ein Bündnis für gleiche Bezahlung gegründet, an dem bislang schon 15 Firmen und die Stadtverwaltung teilnehmen. Weitere Bündnisparterinnen und -partner sind ausdrücklich erwünscht.

Das Amt für Chancengleichheit bedankt sich bei der Journalistin Kirsten Baumbusch für die Berichterstattung.