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Bei Fragen und im Falle von Diskriminierungen wenden Sie sich bitte an:

Danijel Cubelic
Beauftragter Antidiskriminierung
Telefon 06221 58-15550
Fax 06221 58-49160

QUEER HISTORY

Veranstaltungsreihe

Queere Geschichtsschreibung, die eine sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in vergangenen Gesellschaften und Kulturen abbildet, ist nicht nur in der Akademia immer noch marginalisiert –Queer Studies sind allgemein noch wenig an deutschen Universitäten verankert. Auch in der kollektiven Erinnerung scheinen bislang historische Akteur*innen der LSBTTIQ*-Community wenig Raum zu haben. In Heidelberg stand in diesem Jahr erstmals die Verfolgung von Homosexuellen im Zentrum der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar im Heidelberger Rathaus. So wurde auch der Aufarbeitung der Geschichte der LSBTTIQ*, die im Rhein-Neckar-Gebiet seit vielen Jahren und immer noch überwiegend ehrenamtlich mit viel Engagement geleistet wird, eine breitere Aufmerksamkeit zu Teil. Die Veranstaltungsreihe „Queer History“ schließt an diese Aktivitäten der Region an und bietet zugleich auch Vorträge, Lesungen und Filme mit externen Referent*innen aus Deutschland, Großbritannien und den USA an, um eine möglichst vielfältige Kostprobe der „Queer History“ dieser Gesellschaften ab dem 19. Jh. zu geben.
Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation zwischen dem Amt für Chancengleichheit Heidelberg, dem Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Heidelberg, dem Universitätsarchiv Heidelberg und dem Queer Festival Heidelberg.

Das nachfolgende Programm der Veranstaltungsreihe Queer History als PDF zum Download (3,599 MB)

Als die Gerichte wegen lesbischen Beziehungen die Kinder wegnahmen
Vortrag
Referent*in: Dr. Kirsten Plötz
Zeit: 09. April, 18:00 Uhr
Ort: Hörsaal 04a, Neue Universität, Grabengasse 3-5

Bundesdeutsche Gerichte entzogen Müttern das Sorgerecht bzw. die elterliche Gewalt für ihre Kinder – wenn den Gerichten bekannt war, dass Mütter lesbisch liebten. Das war wohl bis Ende der 1990er Jahre üblich. Diese Form der Repression ist inzwischen kaum mehr bekannt. In diesem Vortrag werden erste Forschungsergebnisse zum Thema vorgestellt.
 
Der Eintritt ist frei.

Curing Queers: Mental nurses and their patients, 1935-1974
Vortrag in englischer Sprache
Referent*in: Dr. Tommy Dickinson
Zeit: 08. Mai, 18:00 Uhr
Ort: Hörsaal 12a, Neue Universität, Grabengasse 3-5
 
Drawing on a rich array of source materials including previously unseen, fascinating (and often quite moving) oral histories, archival and news media sources, this talk examines the plight of men who were institutionalized in British mental hospitals to receive 'treatment' for homosexuality and transvestism, and the perceptions and actions of the men and women who nursed them. It examines why the majority of the nurses followed orders in administering the treatment - in spite of the zero success-rate in 'straightening out' queer men - but also why a small number surreptitiously defied their superiors by engaging in fascinating subversive behaviours.
 
Der Eintritt ist frei.

Hirschfeld & Heidelberg. Ein Stadtspaziergang auf den Spuren des Sexualwissenschaftlers
Stadtführung
Referent*in: Dr. Christian Könne
Zeit: 12. Mai, 13:00 Uhr
Treffpunkt: Sandgasse 10

Im Verlauf seines Studiums lebte der später bekannte Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld auch einige Semester in Heidelberg. Hier engagierte er sich neben seinem Studium auch in der jüdischen Studentenverbindung Badenia, die sich als Reaktion auf den zunehmenden Antisemitismus im Reich gebildet hatte. Er leistete in Heidelberg aber beispielsweise auch seinen Militärdienst ab. Das von Hirschfeld in Berlin mit begründete wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) und später sein Institut für Sexualwissenschaft waren international bedeutende Forschungseinrichtungen. 1897 brachte das WhK erstmals eine Petition in den Reichstag ein, die die Abschaffung des § 175 forderte, der Homosexualität unter Männern unter Strafe stellte. Sie wurde von vielen Heidelbergern unterschrieben. Der historische Stadtspaziergang zeigt an verschiedenen Stationen die Spuren des Lebens und Arbeitens von Hirschfeld in Heidelberg auf.

Der Stadtrundgang ist kostenlos und dauert etwa zwei Stunden. Um eine Anmeldung per E-Mail unter lsbttiq@heidelberg.de wird gebeten, doch auch Kurzentschlossene dürfen sich gerne spontan anschließen. Der Rundgang findet bei jedem Wetter statt.
Der Eintritt ist frei.

When Brooklyn Was Queer
Lesung in englischer Sprache
Referent*in: Hugh Ryan
Zeit: 16. Mai, 18:00 Uhr
Ort: Atrium des Heidelberg Center for American Studies


Hugh Ryan will read from his groundbreaking new book When Brooklyn Was Queer, an exploration of the LGBT history of Brooklyn from the early days of Walt Whitman in the 1850s up through the queer women who worked at the Brooklyn Navy Yard during World War II, and beyond. No other book, movie, or exhibition has ever told this sweeping story; not only has Brooklyn always lived in the shadow of queer Manhattan neighborhoods like Greenwich Village and Harlem, but there has also been a systematic erasure of its queer history—a great forgetting. Ryan unearths that history for the first time in intimate, evocative, moving prose, showing how the formation of the Brooklyn we know today is inextricably linked to the stories of the incredible people who created its diverse neighborhoods and cultures. Through them, When Brooklyn Was Queer brings Brooklyn’s queer past to life, and claims its place as a modern classic. To be followed by a Q&A.
 
Eine Veranstaltung im Rahmen des Baden-Württemberg Seminars des Heidelberg Center for American Studies in Kooperation mit GKAT.
Der Eintritt ist frei.

Anders als die Anderen/ Anders als du und ich
Film mit Vortrag
Referent*in: Dr. Sabine Schlegelmilch
Zeit: 19. Juni, 19:00 Uhr
Ort: Karlstorkino
 
Während Richard Oswald und Magnus Hirschfeld mit ihrem Film „Anders als die Anderen“ 1919 ein Plädoyer gegen die Kriminalisierung von Homosexualität und den Paragrafen 175 schufen, wurde diese Botschaft in Veit Harlans Film „Anders als du und ich“ im Jahr 1957 in ihr Gegenteil verkehrt. Wenn auch ein Produkt damaliger Zensurvorschriften, betont Harlan, der im Dritten Reich noch Protegé von Joseph Goebbels war und sowohl für den antisemitischen Propagandafilm „Jud Süss“, als auch das NS-Durchhaltedrama „Kolberg“ verantwortlich zeichnete, in seiner Arbeit eine „Unnatürlichkeit“ von Homosexualität und hebt deren Strafbarkeit hervor.
In dieser Vorstellung werden Harlans Arbeit „Anders als du und ich“, als auch Ausschnitte aus Oswalds „Anders als die Anderen“ gezeigt, von Dr. Sabine Schlegelmilch (Institut für Geschichte der Medizin, Universität Würzburg) eingeführt und im Anschluss im Hinblick auf den Kontext ihrer Entstehung kritisch diskutiert.
 
Der Eintritt ist frei.

Rosa von Praunheims „Nicht der Homosexuelle ist pervers...“ / The Rosa Song
 
Filme und Diskussion
Referent*innen: Benny Nemerofsky Ramsay, Prof. Dr. Karen Nolte
Zeit: 24. Juni, 19:00 Uhr
Ort: Karlstorkino
 
Rosa von Praunheim gilt als Leitfigur der modernen schwulen Emanzipationsbewegung. Die Gründung der ersten schwulen Aktionsgruppen in der Bundesrepublik lassen sich auf die Kontroversen und Debatten um seinen Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt“ (BRD 1970/71) zurückführen. Zum 40. Jubiläum des Films wurde seine legendäre letzte Szene 2011 neu adaptiert. „The Rosa Song“ kombiniert Originaldialoge aus dem Film mit einem aktuellen Setting und neuen Ideen zu schwulem und queerem Alltag im 21. Jahrhundert. In dieser Vorstellung werden beide Werke gezeigt. Eine historische Einführung zu Praunheims Werk wird Prof. Dr. Karen Nolte (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Universität Heidelberg) geben. Regisseur Benny Nemerofsky Ramsay wird im Anschluss seinen Kurzfilm „The Rosa Song“ einleiten.
 
Der Eintritt ist frei.

Susanna im Bade und der Streit um Bilder (n)ackter Akte – eine queer-feministische fragmentarische Lektüre des Bilderteils zur Geschlechtskunde von Magnus Hirschfeld
Vortrag
Referent*in: Dr. Josch Hoenes
Zeit: 9. Juli 2019, 19:00 Uhr
Ort: Hörsaal 06, Neue Universität, Grabengasse 3 - 5
 
In der Zusammenstellung von bekannten Abbildungen aus dem Bereich der bildenden Kunst, wie Leda mit dem Schwan oder Susanna im Bade, mit der Skizze einer voyeuristischen Raumordnung sowie Bildern von Fetischismus und Antifetischismus thematisiert der Bilderteil von Magnus Hirschfelds Geschlechtskunde die komplexen Zusammenhänge von Bild- und Blickkulturen mit Sexualität und Erotik. Obgleich Hirschfeld teilweise eine fast schon naive Lesart der Bilder an den Tag legt, wenn er beispielsweise, die Abbildung einer Statue von Leda mit dem Schwan als zoophil charakterisiert, artikuliert sich in der Auswahl und Zusammenstellung der Bilder ein spezifisch sexualwissenschaftlicher Blick, der sich als Kritik sowohl am wissenschaftlichen Paradigma der Objektivität als auch an der dominanten visuellen Kultur der Weimarer Republik sowie der Be- und Verurteilung von Bildern als unzüchtig oder züchtig lesen.
Mit einer historisch informierten Lektüre der Bildzusammenstellungen im Bilderteil der Geschlechtskunde möchte Josch Hoenes Denkanstöße geben, wie sich nicht nur heteronormative Konventionen und Sehgewohnheiten kritisieren, sondern auch neue Formen des Betrachtens und Zu Sehen Gebens entwickeln lassen, die lesbischen, schwulen, queeren Begehrensformen einen Platz in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft einräumen.
 
Der Eintritt ist frei.

Andreas Meyer-Hanno: vom „Tuntenhasser“ zum Aktivisten der Bewegung
Lesung
Referent*in: Detlef Grumbach
Zeit: 18. Juli, 19:00 Uhr
Ort: KlubK, Kulturhaus Karlstorbahnhof
 
Sein Vater war „arisch“, die Mutter Jüdin. Bei Razzien der Gestapo wurde der 1932 in Berlin geborene Andreas Meyer-Hanno auf Dachböden versteckt. Sein Coming-out in den 1950er Jahren empfand der „Tuntenhasser“ als persönliche Katastrophe. Später machte er Karriere als Opernchef in Karlsruhe und Braunschweig, seit 1976 war er Professor an der Musikhochschule in Frankfurt. Unter dem Damokles-Schwert des §175 hatte er schwules Selbstbewusstsein entwickelt, unter seinem „Tuntennamen“ Hannchen Mehrzweck wurde er Aktivist der jungen Emanzipationsbewegung und gründete 1991 die Hannchen-Mehrzweck-Stiftung, die schwule, lesbische und queere Projekte mittlerweile mit knapp 700.000 Euro gefördert hat. In der Schwulenbewegung hatte der 2006 verstorbene Meyer-Hanno es stets mit Jüngeren zu tun. Seine Vorträge und sein Engagement dienten deshalb immer auch dem Ziel, die Erinnerung an die Verfolgung und den Aufbruch der Bewegung wachzuhalten. Das Buch „Große Oper – Andreas Meyer-Hanno, die Schwulenbewegung und die Hannchen-Mehrzweckstiftung“ erzählt vom Leben dieses Kämpfers und dokumentiert Texte aus den Jahren 1968 bis 2001. Detlef Grumbach, freier Journalist und Mitbegründer des Männerschwarm Verlags, stellt Hannchen Mehrzweck vor und liest aus dem Buch.
 
Begrüßung durch Daniel Born MdL. In Kooperation mit PLUS Rhein-Neckar e.V.
 
Der Eintritt ist frei.

Hilde Radusch (1903 - 1994), die UKZ und Heidelberg - Lesbengeschichte finden und tradieren
Vortrag und Workshop
Referent*in: Ilona Scheidle, M.A.
Zeit: 20. Juli, 14:00 Uhr
Ort: Übungsraum 1, Historisches Seminar, Grabengasse 3-5
 
Hilde Radusch war Feministin, Frauenrechtlerin, antifaschistische Widerstandskämpferin und streitbare Politikerin für die Akzeptanz lesbischer Frauen. Sie gehört zu den bedeutenden Persönlichkeiten der lesbisch-schwulen Emanzipationsbewegungen im deutschsprachigen Raum. Ihre Lebensgeschichte und deren Tradierung als historiografierte Narration zeigen das Umkämpfen von Geschichtsmächtigkeit und Deutungshoheit um eine eigenständige Lesbengeschichtsforschung, jenseits andronormativer und heteronormativer Hegemonie auf.

Raduschs Redaktionstätigkeit in der UKZ (Unsere Kleine Zeitung) herausgegeben von der L 74, der ersten Lesbengruppe älterer Lesben im Nachkriegsdeutschland, vermittelt die Selbstorganisation lesbischer Frauen zu Beginn der autonomen FrauenLesbenbewegung, die von Berlin besonders nach Westdeutschland ausstrahlte.

Raduschs Vermächtnis ist eine Vorlage für den Workshop, um Heidelberger Lesbengeschichte zu finden und produktive Instrumentarien zu entwickeln, um eine gelingende Geschichtstradierung zu ermöglichen. Archivhandschuhe für die Quellenarbeit können gestellt werden. Mitarbeit und freies Denken werden vorausgesetzt.
 
Festivität zum Jubiläum 25 Jahre Lesbengeschichtsvermittlung Heidelberg / 8 Jahre Lesbisch-schwule Geschichtswerkstatt Rhein-Neckar. Dauer 2 Stunden.
Der Eintritt ist frei.