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Jagoda Marinić als Leiterin des Interkulturellen Zentrums verabschiedet

OB Würzner: „Mit intellektueller Brillanz, Empathie und Hartnäckigkeit für die Vielfalt eingesetzt“

Jagoda Marinić gibt die Leitung des Interkulturellen Zentrums (IZ) ab. Die preisgekrönte Schriftstellerin, die das IZ seit seiner Gründung 2012 geführt hat, hat zum Jahresbeginn die künstlerische Leitung des Internationalen Heidelberger Literaturfestivals (bisher „Literaturtage Heidelberg“) übernommen. Bei der offiziellen Verabschiedung am Freitag, 16. Juni 2023, im Spiegelsaal des Verwaltungsgebäudes Prinz Carl bedankten sich Mitstreiter und Weggefährten für wichtige Integrations- und Vernetzungsarbeit, mit der Marinić das IZ zu einem Vorbild für gelebte Vielfalt geformt hat.

Oberbürgermeister Eckart Würzner und Jagoda Marinić
Oberbürgermeister Eckart Würzner bedankte sich bei Jagoda Marinić für ihre herausragende Arbeit beim Aufbau und der Leitung des Interkulturellen Zentrums. Die Schriftstellerin verantwortet künftig die künstlerische Leitung des internationalen Heidelberger Literaturfestivals „feeLit“. (Foto: Philipp Rothe)

Oberbürgermeister Eckart Würzner: „Jagoda Marinić hat das Interkulturelle Zentrum in den vergangenen elf Jahren zu einem wunderbaren Ort der Begegnung entwickelt. Mit intellektueller Brillanz, Empathie und einer guten Portion Hartnäckigkeit setzt sie sich engagiert für die Vielfalt ein und versteht es dabei, beharrlich die aktuellen Themen aufzugreifen und auch mal den Finger in die Wunde zu legen. Wir bedauern daher sehr, Jagoda Marinić als Leiterin des IZ gehen lassen zu müssen. Genauso freuen wir uns aber auch, dass sie uns als künstlerische Leiterin der Literaturtage erhalten bleibt. Ich bin sicher, dass sie unser beliebtes Festival auf ein ganz neues Niveau heben wird und bin gespannt auf die Eröffnung am 28. Juni.“

Kulturbürgermeister Wolfgang Erichson ergänzte: „Mit allen für alle: Unter diesem Motto begann einst die Geschichte des Interkulturellen Zentrums und es beschreibt bis heute gut den Charakter der Einrichtung. Es war ein echter Glücksfall für Heidelberg, dass wir mit Jagoda Marinić gleich zu Beginn eine so talentierte, engagierte und kreative Frau für die Spitze des Hauses gewinnen konnten. Heute ist das IZ ein fest etablierter Bestandteil der Heidelberger Stadtgesellschaft und für viele Städte Vorbild. Für unser Aushängeschild der Willkommenskultur beginnt nun ein neues Kapitel – ebenso wie für Jagoda Marinić, deren neues Kapitel glücklicherweise auch in Heidelberg spielt.“

„Es war für mich von Anfang an eine Ehre, diese Aufgabe anzunehmen. Ich sah in dem Vorhaben der Stadt, ein Interkulturelles Zentrum zu gründen, die große Chance, das Thema interkulturelle Vielfalt endlich anders aufzusetzen als es in Deutschland üblich war. Heidelberg bot alle Voraussetzungen dafür. Ich wusste aber auch, wie viele Menschen vorher 20 Jahre lang vergeblich für diese Idee gekämpft hatten, Scheitern war daher keine Option und der Druck hoch. Der Zusammenhalt allerdings auch“, sagte Jagoda Marinić: „Die ersten drei Jahre waren hart, es ist wichtig, daran zu erinnern, weil es zeigt, dass der Kampf um Ideen in einer Demokratie sich lohnt: Der harte Kampf um die Verwirklichung der Idee schweißte viele Bürgerinnen und Bürger der Stadtgesellschaft zusammen. Im besten Sinn wurde das IZ ein Emanzipationsprojekt, das Bürgerinnen und Bürger mit Migrationsgeschichte in der Demokratie stärkte. Als der Gemeinderat einstimmig das IZ zur städtischen Einrichtung machte und somit etablierte, war das ein Meilenstein und zeigte, dass Kommunen innovativ interkulturelle Kulturarbeit in ihre Strukturen einbinden können. Endlich Strukturen für die Einwanderungsgesellschaft.“

Jagoda Marinić weiter: „Eine meiner schönsten Aufgaben der letzten Jahre war es, anderen Städten zu helfen, ähnliche Wege zu gehen. Ich bin sehr glücklich, dass das IZ nun ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt Heidelberg geworden ist und wünsche mir, dass alle auch in Zukunft die großartigen Räume, die wir gemeinsam erobert haben, mit Leben und Interkultur füllen. Ich danke allen, die mich in den zehn Jahren begleitet und unterstützt haben, die in jedem Moment Haltung zeigten. In diesen Zeiten braucht die Welt Orte, die exemplarisch vorleben, dass eine vielfältige Gesellschaft ein Gewinn ist. Es ist gut, dass Heidelberg sich das zur Aufgabe gemacht hat und ich weiß, dass es sie auch in Zukunft erfüllt.“

Mit Weitsicht gegen alle Mitbewerbenden durchgesetzt

Jagoda Marinić war nicht nur Leiterin den IZ, sondern hat dessen Entstehung bereits im Vorfeld federführend gestaltet. Die Gründung des IZ geht auf den 2011 vom Gemeinderat verabschiedeten Kommunalen Integrationsplan (KIP) zurück. Marinić hatte sich damals mit ihrem Konzept gegen 102 Bewerberinnen und Bewerber durchgesetzt. Zusammen mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus der Stadtgesellschaft formte die Schriftstellerin die Einrichtung zu einem Ort der Begegnung, des Austauschs und der Annäherung.

Als Vertreter der Heidelberger Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund blickte auch Stadtrat Waseem Butt in einem Grußwort auf die vergangenen zehn Jahre mit Marinić zurück. Er sagte: "Jagoda Marinić dachte das Interkulturelle Zentrum als Kulturhaus, glanzvoller und in größeren Dimensionen als irgendjemand sonst in dieser Stadt. Von vielen war das IZ als Nische gedacht, wo Vielfalt gespielt und auf gesellschaftliche Tauglichkeit erprobt wird. Jagoda zerrte diese Nische in den Mainstream – oder den Mainstream in diese Nische.“

Neben etablierten Veranstaltungen – so koordiniert das Interkulturelle Zentrum seit 2014 etwa die „Wochen gegen Rassismus“ in Heidelberg – ermöglichte Jagoda Marinić den Heidelbergerinnen und Heidelberger immer wieder ganz besondere Einblicke in das aktuelle Weltgeschehen. Im Talk-Format „Am Küchentisch“ sprach sie mit dem Militärexperte Carlo Masala über Ukraine-Krieg und organisierte im Mai 2022 eine Benifiz-Lesung mit der ukrainischen Journalistin und Schriftstellerin Natalka Sniadanko. Zwei Jahre nach dem rassistischen Mordanschlag in Hanau war die Mutter eines der Opfer, Serpil Unvar, zu Gast beim IZ um über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Das Interkulturelle Zentrum: Wichtiger Baustein in der Willkommenskultur

In Heidelberg leben rund 160.000 Menschen aus 180 Nationen. Etwa 56.000 Einwohnerinnen und Einwohner haben einen Migrationshintergrund und jährlich erhalten knapp 300 Neu-Heidelbergerinnen und Heidelberger eine offizielle Einbürgerungsurkunde von der Stadt. Seit 2014 unter städtischer Trägerschaft agiert das IZ als neutrale Plattform bei der interkulturellen Arbeit und in der Vernetzung von Zielgruppen. Das Angebot richtet sich an Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte und bietet eine breite Palette von Kulturveranstaltungen, über Beteiligungsformate bis zu Professionalisierungsworkshops. Das Interkulturelle Zentrum und die Behörde für Zuwanderungsangelegenheiten sind seit 2016 gemeinsam auf dem Landfriedareal untergebracht. Gemeinsam bilden sie einen zentralen Baustein für die Willkommens- und Anerkennungskultur Heidelbergs und vereinen die Leistungen der beiden städtischen Einheiten.

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