Liebes Du,
wie geht es Dir? Ich habe in letzter Zeit versucht, mehr Raum für mein Schreiben zu schaffen. Obwohl der Bildschirm öfter mein leeres Gesicht anstelle von meinen Gedanken reflektiert.
Ich fühle mich am Ersticken. Ich vermisse dich. Merkwürdig, wo ich doch nicht weiß, ob Du wirklich existierst. Vermisst Du mich auch?
Willst Du mich auf diese Reise begleiten? Tief hinein in das Labyrinth, das eines Menschen Gedanken sind? Auf Sackgassen treffen und um Hecken rennen, auf dass wir uns in der Mitte treffen?
In einer regnerischen Nacht stolperst Du über Pflastersteine, nach einem langen Tag fühlst Du dich erschöpft, als Du dich bei der Bushaltestelle hinsetzt. Du schaust hoch zum Himmel, keine Sterne, kein Mond, aber Wolken, die das Nachglühen eines Sonnenuntergangs verstecken. Irgendwie ist es schön. Eine Schönheit, die Du größtenteils für selbstverständlich hältst, aber immer noch eine Schönheit. Der Bus kommt nie. Der Himmel verstreut seine träumerische Luft durch die Nacht, mit einer kühlen Brise, die durch Deine Haare fährt und dem Geruch von frühem Sommerregen: Asphalt und Erde, im Wind seufzend.
Du entschließt Dich, nach Hause zu laufen.
Deine Gedanken sind alle miteinander verknäult, Einsamkeit, Wahlen, Populismus, Fluten und Erdöl, Angst und Hass. So viel Hass. Du bekommst davon Gänsehaut, aber was sollst Du tun? Sollst Du ihnen sagen, den anderen, dass sie falschliegen? Hast du überhaupt das Recht zu bestimmen, was Wahrheit und Gerechtigkeit sind?
Während Du die Brücke überquerst, denkst Du über die Wut in dir nach. Die Wut in allen. Die Erschöpfung, die Dich herunterzieht, die Hoffnungen, die Dich jeden Tag aufstehen lassen.
Der Fluss ist verschwommen, schau nicht zu tief hinein, sonst siehst Du Dinge, die Du noch nicht sehen willst.
Weil Du weitermachst. Du willst nicht scheitern. Aber es ist so leicht, oder? Du stolperst, vielleicht, weil Du für einen Moment nicht aufmerksam warst, vielleicht, weil Dich jemand geschubst hat; Du scheiterst.
Die Straßenlaterne flackert, aber es sind immer noch Lichter um Dich herum. Die Reklamen von Hotels und Supermärkten, beleuchtete Fenster, illustriert durch eine Pflanze auf der Fensterbank oder eine Familie beim Abendessen. Vor einem Restaurant teilen sich zwei Menschen eine Zigarette, Worte murmelnd in einer Friedfertigkeit, die scheinbar nur Raucher besitzen. Graue Wolken schweben hoch in den Nachthimmel.
Der Regen fällt stärker, die Welt in Pfützen ertränkend.
Wenn wir uns in diesem Moment begegnen würden, würdest Du mir in die Augen sehen und die Frage dahinter erkennen?
Wirst Du meine Hand nehmen, mit mir nach dem Ausgang suchen?
Bist Du meine Zukunft?
Franka
Dear you,
how are things going? I’ve been trying to make more room for my writing. Although the monitor reflects my blank face way more often than my thoughts.
I feel suffocated. I miss you. It’s quite strange, since I don’t even know if you actually exist. Do you miss me too?
Would you join me on this journey? All down into the labyrinth that is one’s mind, face dead-ends and run around hedges, to meet in the middle?
On a rainy night, you stumble over the cobblestones, after a long day, you feel drained as you sit down at the bus stop. You look up at the sky, no stars, no moon, but clouds hiding the afterglows of a sunset. In a way, it’s beautiful. A beauty you take for granted mostly, but a beauty nevertheless.
The bus never comes. The sky spreads its dreamy air around this night, with the cool breeze running through your hair and the smell of early summer rain: Asphalt and earth, sighing in the wind. You decide to walk home.
Your thoughts are all tangled up, loneliness, elections, populism, floods and fuel, fear and hate. So much hate. It makes your skin crawl, but what can you do? Tell them, the others, that they’re wrong?Do you even have the right or the power to claim truth, justice?
As you cross the bridge you think about this anger inside of you, inside of everyone. The exhaustion dragging you down, the hopes making you stand up every morning.
The river’s a blur, look too deep and you’ll see things you don’t want to face just yet.
Because you’re still going. You don’t want to be a failure. Me too, but it’s so easy, isn’t it? You trip, maybe because your attention shifted for just a moment, maybe because someone shoved you; you fail.
The streetlamp flickers, but there are still lights around you. The signs of hostels and supermarkets, lit windows showcasing a plant or a family eating dinner. Two people sharing a cigarette in front of a restaurant, mumbling words in a peacefulness only smokers seem to manage. Puffs of grey float around them, up into the night sky.
The rain drops down harder, drowning the world in puddles.
What if we met at this point, at the middle of this labyrinth, would you look into my eyes and see the question behind them?
Will you take my hand and find the exit together?
Are you my future?
Franka